Köln/Düren - Ex-Evivo-Spieler Andrei: Zur falschen Zeit am richtigen Ort

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Ex-Evivo-Spieler Andrei: Zur falschen Zeit am richtigen Ort

Von: Guido Jansen
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Wenn Michael Andrei (2,10 Mete
Wenn Michael Andrei (2,10 Meter) vor dem Kölner Dom (157,38 Meter) steht, ist das natürlich für japanische Touristen eine tolles Motiv. Aber nicht nur für die. Foto: Guido Jansen

Köln/Düren. Ein Bild wie an den meisten sonnigen Tagen in Köln. Japanische Touristen stehen vor dem Dom und haben ihre Fotokameras im Anschlag. Während die Linsen noch auf das Wahrzeichen der Stadt gerichtet sind, wandern die Blicke plötzlich etwas anderem hinterher. Etwas, oder besser gesagt jemand besonders großem.

Michael Andrei merkt das nicht, als er über die Domplattform schlendert. Aber für einen kurzen Moment sind seine 2,10 Meter Körpergröße und die breiten Schultern für die Knipser interessanter als die 157 Meter Höhe des Hohen Doms zu Köln. „Mount Mike” war sein Spitzname, als er zum Erstligakader des Volleyball-Bundesligisten Evivo Düren gehört hat. Michael, der Berg. Richtig Fuß fassen konnte der Mittelblocker in der Stadt, in der aufgewachsen ist, nie. „Was Evivo und mich angeht - ich denke, dass war einfach nur schlechtes Timing.” So begründet der gebürtige Rumäne, warum die Zusammenarbeit auch in diesem Sommer nicht zustande kommen wird.

Damals war es mehr Andreis Timing. Das am Netz stimmt noch nicht ganz. Evivo hatte 2007 und 2008 nicht größere, aber bessere Blocker im Kader. Damals wollte Düren hoch hinaus, spielte in der Meisterschaft regelmäßig oben mit und machte auch auf europäischer Ebne eine gute Figur. Die Ansprüche waren hoch. Und Andrei, das Talent aus der Regionalliga-Mannschaft, konnte diese nicht erfüllen. „Vielleicht hat mir früher ein bisschen die Ernsthaftigkeit gefehlt”, gesteht der 26-Jährige heute. Damit meint er nicht die Jahre im Evivo-Kader, sondern die davor. Groß und talentiert war er schon immer. Der Schneid, unbedingt was draus zu machen, war aber nicht da.

Als Teenager wurde er von den Evivo-Machern angesprochen, ob er Volleyball nicht ernsthafter spielen wolle. In den Jahren, in denen die meisten, die heute im Oberhaus spielen, in Förderkadern oder auf Sportinternaten waren, daddelte der Spieler von Alemannia Lendersdorf lieber ein bisschen herum. Mal Volleyball, mal Basketball - Hauptsache Spaß.

2008 kam der Wendepunkt. Andrei erhielt nach zwei Jahren nicht den erhofften größeren Vertrag in Düren und entschied sich zu gehen. Er wechselte in die zweite Liga zum TSV Giesen/Hildesheim. „Ich habe mein Leben damals umgestellt. Ich wollte es wissen”, erzählt Andrei heute. Er hat das, was die meisten Profis schon vor 20 lernen, in einer Art Crash-Kurs nachgeholt. Körperlich mit viel Krafttraining und noch mehr Wiederholungen am Ball. Im Kopf mit viel Disziplin.

Abhängen und Party machen Spaß, aber nicht besser. Der Weggang und das Umdenken brachten Erfolg. Vor zwei Jahren wurde er Kapitän des Zweitligisten, vor etwas mehr als einem Jahr gelang der Aufstieg. Der TSV verzichte aus finanziellen Gründen, für Andrei ging es trotzdem hoch. Er wechselte zum VC Gotha, wurde dort nach der Vorbereitung ebenfalls Kapitän. „Sportlich war das ein gutes Jahr”, sagt er. Mit den Thüringern sicherte er früh den Klassenerhalt und verpasste unglücklich die Play-Offs.

Ein besonderer Moment war das Spiel in Düren Ende des vergangenen Jahres. Die Evivo-Verantwortlichen rieben sich nicht nur vor lauter Entsetzen die Augen, weil ihr Team überraschend deutlich mit 0:3 unterging. Erstaunt waren sie auch über den, der drei Jahre vorher noch nicht gut genug war. Viel beweglicher und körperlich stärker ist Andrei seit seinen Düren-Jahren geworden. Und ein echter Anführer auf dem Feld, der Punkte lautstark abfeiert.

Auf die Frage, ob der Sieg in Düren ein Höhepunkt war, antwortet er mit einem breiten Grinsen auf den Lippen: „Klar.” Für Evivo hat ihm die Niederlage Leid getan. Denn so ein bisschen fiebert er immer noch mit für den Verein, für den sein Timing damals nicht stimmte. Heute gilt das für beide Seiten. Michael Andrei war jetzt bei Evivo lange im Gespräch. Gepasst hat es wieder nicht.

Der Wahl-Kölner hat viel in das Volleyball investiert, aber noch nicht viel zurückbekommen. Gotha meldete sich im März insolvent. „Ich hoffe, dass ich mein Geld noch bekomme.” Bereits erhalten hat er ein gutes Angebot aus Frankreich. Es war deutlich besser als die Dürener Offerte. Denn Evivo muss nach einer schweren Saison sparen. Mount Mike hat nicht mehr in das finanzielle Konzept gepasst und wechselt deswegen nach Frankreich zu Saint Nazaire Volleyball Atlantique.

Seine künftige Mannschaft verpasste vor kurzem knapp den Sprung in die erste Liga. „Liga eins ist das große Ziel für das kommende Jahr. Ich will mir im Ausland einen Namen machen.” Das Spielen in einer der stärksten europäischen Ligen wäre der nächste große Schritt. Den Gedanken, irgendwann einmal Stammspieler von Evivo Düren sein, hat Michael Andrei deswegen nicht verworfen. Er sagt: „Das kommt ganz auf das Timing an.”

Evivo Düren: Ein Kader mit vielen Fragezeichen

Für den Dürener Michael Andrei ist die Frage nach der nächsten Saison geklärt. Er wechselt in die zweite französische Liga.

Bei seinem Heimatverein Evivo Düren gibt es dagegen noch viele Fragezeichen. Heute soll die Trainerfrage entschieden werden. Bekanntlich war Söhnke Hinz im April vorzeitig entlassen worden.

Als Kandidat Nummer eins gilt Michael Mücke, der von 1996 bis 1999 schon einmal Trainer an der Rur war.

Bisher stehen erst drei Spieler für die kommende Saison fest. Ein Neuzugang ist Sebastian Gevert vom portugiesischen Meister Espinho. Merten Krüger und Georg Klein haben einen laufenden Vertrag. Das gilt auch für Tim Elsner und Christian Fromm.

Bei Elsner ist allerdings fraglich, ob er nach einem Knorpelschaden wieder auf die Beine kommt, Fromm hat eine Ausstiegsklausel.

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