Evivo: Siegen – auch im Namen der Väter

Von: Guido Jansen
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Vier für ein Halleluja: Evivo Düren hat ein genetisch vorbelastetes Quartett in seinen Reihen: (v.l.) Sebastian Gevert, Aljosa Urnaut, Tomas Kocian und Merten Krüger sind die Söhne von ehemaligen Bundesliga-Profis. Foto: Jansen
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Zärtlichkeit von Mama Marie-Christine, Tipps von Papa Ricardo: Sebastian Gevert freut sich über den Besuch seiner Familie. Foto: Rudi Bartgens

Düren. Sie sind Hallen-Kinder. Die frühesten Erinnerungen von Merten Krüger (22), Tomas Kocian (24), Sebastian Gevert (24) und Aljosa Urnaut (24) haben alle etwas mit Hallen zu tun. Und ihren Vätern, die in diesen Hallen gebaggert, geschmettert und gepritscht haben, während die heutigen Volleyball-Profis von Evivo Düren noch in Windeln über den Boden gekrabbelt sind.

„Ich bin in einer Volleyball-Halle geboren“, sagt Tomas Kocian und lächelt dabei. „Ich auch. Ich kann mich an nichts anderes erinnern“, schiebt Sebastian Gevert mit einem Grinsen auf den Lippen hinterher.

Die Evivo-Profis sind genetisch vorbelastet. Alle haben sie Väter, die früher schon in der Volleyball-Bundesliga gespielt haben. Ricardo Gevert schmetterte in den 80er Jahren als Mittelblocker für 1860 München. Er dürfte sich Duelle geliefert haben mit Arwed Krüger, der damals Zuspieler beim SC Norderstedt war. Milan Kocian war Außenangreifer und Kapitän der slowakischen Nationalmannschaft und trug von 1991 bis 1999 das Trikot des VC Mendig. 2003 wurde der Slowene Andrei Urnaut, ebenfalls Außenangreifer, als Leistungsträger im Trikot des SCC Berlin Deutscher Meister.

Wichtigstes Spiel der Saison

Jetzt stehen die Söhne im Rampenlicht. Besonders am Samstag. Dann versuchen die Vier und ihre Mitspieler, das zweite Viertelfinale gegen den VfB Friedrichshafen zu gewinnen. Nach der Niederlage am vergangenen Samstag muss Evivo gegen den Favoriten gewinnen, um ein Entscheidungsspiel zu erzwingen. Für Evivo ist die Partie (19.30 Uhr in der Arena Kreis Düren) das wichtigste Spiel der Saison, für Ricardo Gevert ein Pflichttermin. Er wird sich gegen 14.30 Uhr in Chile vor seinen Computer setzen und die Partie seines Sohnes live im Internet verfolgen. „Er schaut immer zu“, sagt Gevert Junior, wie sein Vater Deutsch-Chilene.

Am Samstag wird der Senior (56) das ganz besonders interessiert tun. Schließlich spielt sein Sohn gegen seinen ehemaligen Trainer. Anfang und Mitte der 80er Jahre war Stelian Moculescu bei 1860 München sein Trainer. „Klar freut er sich, wenn ich seinen ehemaligen Chef schlage. Aber das wird ein ganz schön hartes Stück Arbeit“, so Gevert Junior, der in seinem ersten Jahr in Düren auf Anhieb zu einem der erfolgreichsten Angreifer der Liga geworden ist. Der Vater ist nicht der einzige Gevert, der am Samstag die Daumen drückt. Ein Onkel und der Bruder haben ebenfalls Bundesliga gespielt. Zudem waren sie in Chile aktiv.

Es gibt amüsante Polaroid-Bilder mit drei baumlangen Gevert-Brüdern neben den kleineren chilenischen Mitspielern, die allesamt kurze Gerd-Müller-Gedächtnis-Sporthosen und Socken tragen, die bis zu den Knien reichen. Die Frisuren erinnern ebenfalls stark an die Fußball-Mode aus den 70ern. Sie alle verfolgen gespannt die Laufbahn des aktuell besten Volleyballers in der Familie. „Überall wo ich hin schaue: In meiner Familie wird Volleyball gespielt. Mein Großvater hat damit angefangen. Und meine Mutter hat gespielt, weil sie meinen Vater kennenlernen wollte.“

Milan Kocian (50) wird das Spiel vor Ort miterleben. Er lebt nach wie vor in der Nähe von Mendig. Nach den Dürener Heimspielen spricht er viel mit seinem Sohn. „Er hat am Ende seiner Laufbahn eine Nachwuchs-Mannschaft in Mendig trainiert. Da war ich als jüngster Spieler dabei“, erzählt Kocian Junior. Auch heute sind die Ratschläge des Vaters wichtig für den Sohn. Der Spielmacher ist übrigens doppelt belastet. Auch Mutter Tatiana war in der Slowakei eine Spitzenspielerin. Mit der Geburt des Sohnes beendete sie ihre Karriere.

„Mit und gegen Michael Mücke“

Im Hause Krüger ist Vater Arwed (51) der Auslöser für die Karriere seines Sohns Merten. Der Senior hat sogar schon mit und gegen den heutigen Dürener Trainer Michael Mücke gespielt, als dieser in Hamburg Spieler und Trainer war. „Er ist schuld“, merkt der Sohn an und unterlegt seine Worte mit einem Grinsen.

Andrei Urnaut (47) wird am Samstag auch über das Internet aus der Ferne zuschauen. Umstellen muss er sich nicht. 19.30 Uhr in Deutschland ist auch 19.30 Uhr in Slowenien. Der Vater des Evivo-Angreifers Aljosa Urnaut wird verfolgen, ob sein Sohn einen weiteren Schritt schafft, um in seine großen Fußstapfen zu treten. „Ich weiß gar nicht, wie viele Länderspiele er gemacht hat. Sehr viele“, erzählt der Junior. Der Sohn, der mittlerweile belgischer Staatsangehöriger ist, hat die Endstation in der Spielerkarriere des Vaters mit der Meisterschaft in Berlin als Teenager miterlebt. Und den Anfang. „Als ich ein Baby war, haben wir in Kroatien in der Halle des Vereins gewohnt, für den mein Vater gespielt hat“, berichtet Urnaut von der besonderen Bedeutung des Begriffs Hallen-Kind für ihn.

Die vier genetisch vorbelasteten Volleyballer und ihre sieben Mitspieler im Dürener Trikot wollen dem Favoriten aus Friedrichshafen einen heißen Tanz liefern. Auch, damit die Familien noch ein Stück stolzer sein können. „Im Hinspiel waren wir nicht schlecht“, blickte Urnaut auf das 0:3 zurück. „Allerdings muss man anerkennen, dass der VfB auf Meister-Niveau gespielt hat. Wir können hoffentlich mit unserem Publikum im Rücken noch einen Zahn zulegen.“ Das würde den Vätern in der Halle und vor den Rechnern sicher gefallen.

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