Düren - Die Dürener Volleyballer müssen sich neu erfinden

Die Dürener Volleyballer müssen sich neu erfinden

Von: jan
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Die Arena Kreis Düren ist eine der schönsten Volleyball-Arenen in Deutschland. Auch das ist ein Grund für Spieler, sich für die SWD Powervolleys zu entscheiden. Trotzdem wird der Kampf um Spieler immer enger. Foto: Jansen
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Keine ruhige Zeit nach Saisonende: Erich Peterhoff erklärt, wann das Team gebaut wird. Foto: Jansen
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Langer Sommer: Goswin Caro (r.) hat lange am neuen Team gefeilt. Foto: Jansen

Düren. Immer, wenn Erich Peterhoff oder Goswin Caro diesen Spruch zum Saisonende hören, dann können sie nur noch lachen: „Jetzt habt ihr ja erstmal Ruhe.“ Genau das Gegenteil ist der Fall. „Wenn die Saison vorbei ist, muss das Team für die neue Saison aufgebaut werden. Dann sind wir, was das angeht, schon mitten in der heißen Phase“, sagt Erich Peterhoff, Gesellschafter und Hauptsponsor. Und die heiße Phase hat in diesem Jahr sehr lange gedauert.

 Sie hat vor dem 24. März begonnen. Das war der Tag, an die SWD Powervolleys den ersten neuen Vertrag für die neue Saison bekanntgegeben haben, Romans Sauss hatte verlängert. Ende war am 9. August, dem Tag, als Dirk Westphal als letzter Neuzugang bekanntgegeben wurde.

„Der Markt wird immer schwieriger“, sagt der sportliche Leiter Goswin Caro. Damit will er kein Wehklagen einleiten, sondern davon berichten, wie sich die Suche nach neuen Spielern verändert hat. Beispiel Kanada: Düren ist so etwas wie ein ganz früher Trendsetter. Seit mehr als 40 Jahren gibt es die engen Kontakte nach Nordamerika, kanadische Spieler haben in Düren seit Ende der 90er Jahre eine Tradition. In der vergangenen Saison trugen drei Kanadier das Powervolleys-Trikot. Jetzt ist mit Abwehrchef Blair Bann einer übrig geblieben, obwohl Caro gerne auch Spielmacher Jay Blankenau und Angreifer Rudy Verhoeff behalten hätte. Beide hatten nach einer guten Saison allerdings besser dotierte Angebote.

Das gilt auch für einen jungen Kanadier, den Caro als Blankenau-Nachfolger im Auge hatte. Obwohl er sein erstes Profijahr noch vor sich hatte, erhielt Brett Walsh ein Angebot aus Italien, wo Volleyballer ein Vielfaches verdienen können. „Die Kanadier sind immer stärker geworden. Mittlerweile interessieren sich auch die Top-Ligen Polen und Italien für sie. Da können wir nicht mehr mithalten“, schildert Caro. Um so erfreulicher sei es, dass mit Blair Bann einer der kanadischen Stars schon in der fünften Saison das Dürener Trikot trägt. „Eines unserer Argumente funktioniert seit vielen Jahren. Wir zahlen vielleicht nicht das meiste, aber wir haben noch nicht ein Gehalt zu spät gezahlt“, schildert Caro.

Keine finnische Tradition

Eigentlich hatten die Verantwortlichen im vergangenen geplant, eine finnische Tradition in Düren zu begründen. Trainer Tommi Tiilikainen und drei Spieler wechselten aus dem ganz hohen Norden nach Düren. Und Tiilikainen verlängerte im Februar vorzeitig für zwei Jahre. Ein wichtiger Pflock war in den Boden geschlagen. Und er löste sich wieder, als Tiilikainen nach einem Angebot aus Japan darauf drängte, den Vertrag vorzeitig aufzulösen, um seinen Traum zu verfolgen. „Da standen wir dann da und mussten alles auf Anfang setzen“, blickt Caro zurück.

Mit Stefan Falter wurde der langjährig erfolgreich arbeitende Co-Trainer zum Chef befördert und die große Lücke schnell geschlossen. Aber die finnische Verbindung war zerrissen, nach Tiilikainens Abgang scheiterten die Gesprächen mit starken finnischen Spielern.

Auch der Markt mit jungen deutschen Spielern funktioniert heute anders. Vor einigen Jahren noch war Düren eine große Anlaufstation für deutsche Talente. Das Champions League-Team aus den Jahren 2005 bis 2007 basierte auf Spielern, die einige Jahre zuvor als Junioren nach Düren gewechselt waren. Seit zwei Jahren sind auch die finanzkräftigeren Spitzenteams aus Frankfurt und Friedrichshafen verstärkt auf der Suche nach deutschen Talenten. Auch Bühl hat diesen Weg jetzt eingeschlagen. Und Düren hat den Preiskampf nicht aufgenommen.

Empfehlung aus Belgien

„Wir mussten uns irgendwie neu erfinden“, schildert Caro die Herausforderung in der Saison vor der Saison. Andere Schemen und Tugenden haben gegriffen. Nach Michael Andrei und Tim Broshog im vergangenen Jahr gelang es Düren als letzte Verpflichtung in diesem Sommer, mit Dirk Westphal einen weiteren WM-Bronzemedaillengewinner von 2014 zur Rückkehr in die Bundesliga zu bewegen. Ebenso wichtig war die Verpflichtung des Belgiers Stijn d‘Hulst als neuen Regisseur.

Der ehemalige deutsche und neue belgische Nationaltrainer Vital Heynen hatte beiden Seiten einander empfohlen. Sie haben sich lange geprüft und dann ja zueinander gesagt. Zwei Neuzugänge, nämlich Spielmacher Gilles Braas und den jungen Angreifer Julius Firkal, haben die SWD Powervolleys nach den Eindrücken im Probetraining verpflichtet. Romans Sauss hat seinen lettischen Landsmann Edvards Buivids empfohlen. Und der junge Este Karli Allik ist Caro und Falter beim Studium des Videomaterials eines Agenten in die Augen gefallen.

Mit den Plänen, die Caro im März hatte, haben die neuen Powervolleys nicht viel zu tun. Man könnte sogar von einer B-Lösung sprechen. Wenn Caro das hört, dann muss er lachen. Er lacht oft dieser Tage. Fast jedes Mal, wenn er das Training besucht, und dann immer, weil er, „so großen Spaß an dieser Mannschaft“ hat. Obwohl Vieles anders gekommen ist als ursprünglich geplant – tauschen würde Caro nichts und niemanden. „Wir haben genau die richtige Mischung zusammen.“

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