Den Kopf frei bekommen

Von: Franz Sistemich
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Das Spalier der Geschlagenen:
Das Spalier der Geschlagenen: Die Volleyballer von Evivo Düren mussten in Moers die fünfte Niederlage in Folge hinnehmen. Foto: Sistemich

Düren. Der Teammanager ist sauer. „Wir dürfen diese unqualifizierten Äußerungen nicht an uns heranlassen. Wir haben den Spielern klar gesagt, dass sie sich diese teilweise unsachlichen Kommentierungen nicht zu Herzen nehmen sollen”, ärgert sich Michael Overhage über Kritiker, die sich nach dem schlechten Saisonstart von Evivo Düren im Internet austoben.

Fünf Niederlagen in Folge, Platz 9 nur im Elferfeld mit 4:10 Punkten - die Bilanz nach gut einem Drittel der Saison könnte besser aussehen. „Wir haben schon gedacht, dass wir besser dastehen könnten”, sagt denn auch Trainer Söhnke Hinz.

Aber er sagt auch: „Ich habe bisher kein Team gesehen, dass schwächer ist als in der vergangenen Saison.” Moers, nimmt Hinz als Beispiel, sei mit Sicherheit stärker als in der Punkterunde 2010/2011. Und Michael Overhage ist überzeugt, dass der Kader des TV Bühl teurer sei als der von Evivo. Demzufolge können Dürens Volleyballer gegen Teams wie den MSC und Bühl nur bestehen, wenn „ein Rädchen in das andere greift”, wie Hinz sagt - trotz des Saisonauftakts mit zwei Siegen.

Wenn sich aber wie gegen Moers die Annahme der Flatteraufschläge als Problem darstellt, wenn die Abstimmung zwischen Zuspieler und Angreifer nicht immer die beste ist, wenn ein Diagonalangreifer des Gegners zumindest zwei Sätze schalten und walten kann, wie er will, wenn Evivos Spieler in entscheidenden Momenten die falschen Entscheidungen treffen, so pro Satz zwei, drei Punkte für den Gegner produzieren, dann sind Verlustpartien nicht vermeidbar. Und mit jeder Niederlage verringert sich das Selbstvertrauen der Spieler.

„Dieser jungen Mannschaft fehlt noch ein erfahrener Akteur”, weiß Söhnke Hinz. Evivo Düren setzte (musste setzen?) auf eben diesen Kader. Und der ist, zumindest in der jetzigen Situation, sehr abhängig von Stefan Hübner. Der Mittelblocker muss noch Wochen mit seiner Fußverletzung passen. Der Weltklassespieler fehlt an allen Ecken und Enden - als Spieler wie als ruhender Pol, der den jungen Spielern gerade in kritischen Phasen Rückhalt ist. „Die Gegner haben Respekt vor ihm. Selbst wenn er nur einen Angriff andeutet, zögern sie, sich unseren Außenangreifern entgegenzustellen, weil sie befürchten, dass Stefan doch den Ball bekommt. Und er fischt auch so manches erste Tempo weg”, nennt Hinz Vorzüge des Nationalspielers. Bei den Siegen in Berlin bei den Recycling Volleys und in Spergau war Hübner mit von der Partie. Gegen Haching verletzte er sich. Und fehlt seitdem.

Nun sind die Verantwortlichen von Evivo Düren froh, dass die Spielzeit wegen der Nationalmannschaft bis zum 30. November ruht. In dieser Woche haben die Aktiven volleyballfrei. „Sie sollen den Kopf frei bekommen”, verspricht sich Söhnke Hinz von dieser Auszeit. Danach sollen sich die Aktiven im Training die Sicherheit und das Selbstvertrauen holen, die erforderlich sind, um die unnötigen Fehler zu vermeiden, die zu Satz- und Spielverlusten führen.

Doch das scheint nicht ganz einfach wegen gesundheitlicher Probleme der drei Evivo-Mittelblocker zu sein: „Nicht nur Stefan Hübner ist verletzt, auch Jaromir Zachrich und Georg Klein haben Probleme. Ihnen können wir im Training wegen Knie- bzw. Rückenproblemen nicht die Anzahl an Sprüngen zumuten, die nötig wären”, sagt Overhage. Auf jeden Fall sind sich der Trainer und der Teammanager einig, dass Evivo die aktuelle Tabellenregion im Laufe der Saison in Richtung bessere Platzierung verlassen wird: „In der vergangenen Saison sind wir auch nicht berauschend gestartet und sind dennoch ins Halbfinale gekommen”, glaubt Overhage an die Wende. Und Söhnke Hinz sagt: „Wir werden uns das Selbstvertrauen im Training erarbeiten. Und wenn dann jeder Spieler in jedem Satz eine Aktion, die er bisher schlecht gemacht, gut macht, dann gewinnen wir auch wieder Sätze und Partien.”
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