Am Schluss ein Kampf mit den Tränen

Von: Guido Jansen
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Am Boden zerstört: Evivo-Spieler Artur Augustyn kann die Niederlage nicht fassen. Die ersten beiden Sätze gewonnen und dann doch noch verlorenÉ Foto: Ingo Latotzki

Halle/Düren. Das Gerry-Weber-Stadion in Halle ist überdacht. Aber am späten Sonntagnachmittag sah es so aus, als würde sich eine große, dunkle Regenwolke genau dort austoben, wo die Spieler von Evivo Düren gestanden haben.

Mit hängenden Köpfen standen Jan Umlauft, Christian Dünnes und Co. da, um mit ansehen zu müssen, wie die Anderen gejubelt haben. Bedröppelt sagt man im Volksmund gerne zu einer derartigen Körpersprache. 2:3 (25:21, 25:23, 14:25, 14:25, 10:15) hatte Düren das große Pokalfinale gegen Titelverteidiger Generali Haching verloren. Wie sehr die Niederlage geschmerzt hat, sah man den Spielern aus der Truppe von Trainer Sven Anton deutlich an.

„Wir hatten wirklich eine Chance”, sagte Blocker Renzo Verschuren. „Deswegen ist das so deprimierend.” Sechs Mal hatte Evivo bisher in einem Finale, sei es Meisterschaft oder Pokal, verloren. Sechs Mal war der Gegner der übermächtige VfB Friedrichshafen, sechs Mal war die Niederlage vorhersehbar.

Team verkrampfte

Beim siebten Mal war es Evivo mit der großen Sensation Ende Dezember gelungen, den VfB aus dem Rennen zu werfen. Die Erwartungen waren entsprechend groß. Vielleicht zu groß. Das merkte man im zweiten Satz. Die Truppe von Sven Anton führte hoch und war auf dem besten Weg, den lang ersehnten ersten Titel endlich zu gewinnen.

Und dann verkrampfte die Mannschaft. „Ich weiß immer noch nicht, was da passiert ist”, stammelte ein völlig frustrierter Kapitän Jan Umlauft lange nachdem der große Trubel der Siegerehrung vor der beeindruckenden Kulisse von 10200 Zuschauern vorbei war. „Es tut mir einfach nur leid, dass ich meine Leistung nicht bringen konnte.”

Diesen Schuh musste sich der 23-Jährige nicht alleine anziehen. Wenn er das überhaupt tun musste. Im entscheidenden Moment setzte sich die größere Erfahrung des Titelverteidigers durch. Und Düren musste für seine Verletzungsprobleme und die im Vergleich zu den Hachinger fehlende Erfahrung bezahlen. „Mir war klar, dass Evivo das Niveau aus den ersten beiden Sätzen nicht durchhalten konnte”, sagte TV-Experte und Ex-Nationalspieler Frank Winkler. „Das ist so eine junge Truppe. Die kommt ins Wanken, wenn der Gegner so stark aufdreht wie Haching.”

Unendlich bitter

Das sah Evivo-Angreifer Christian Dünnes ähnlich. „Wir haben zehn Prozent nachgelassen, Haching konnte 20 draufpacken”, schilderte er das Unheil ab dem dritten Satz. So logisch die Niederlage auch erklärbar ist - unendlich bitter war sie trotzdem. Selbst ein Routinier wie Spielmacher Ilja Wiederschein kämpfte mit den Tränen, als das Konfetti vom Hallendach regnete und jubelnde Hachinger eindeckte.

Ein Titel für Düren - das war eine Herzensangelegenheit für die Mannschaft und die vielen, vielen Fans, die das Finale zu einem Heimspiel gemacht hatten. Unerfüllte Herzensangelegenheiten tun weh. Das Team von Sven Anton steht jetzt vor der großen Aufgabe, die herbe Enttäuschung schnell zu verdauen.

„Das wird sehr schwer werden. Aber wir können das schaffen”, sagte Umlauft noch, bevor er mit verlorenem Blick aus dem Stadion schlich, in dem bereits die Abbau-Arbeiten liefen. Am kommenden Sonntag muss Düren wieder stark sein. Dann steht die schwere Auswärtsaufgabe in Rottenburg an. Evivo muss gewinnen, um Platz drei zu behaupten. Vielleicht verhindert dieser Zugzwang, dass sich die bittere Niederlage zu sehr in den Köpfen der Spieler festsetzt.
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