Alemannia-Volleyballerinnen machen Aachen attraktiv

Von: Guido Jansen
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Sie genießen ihre Zeit in Aac
Sie genießen ihre Zeit in Aachen: (v.l.) Jana Franziska Poll, Karen Lißon und Lucy Wicks. Foto: Guido Jansen

Aachen. Fließend Wasser hätten die drei jungen Frauen gerne. Keine Bange: Alemannias Bundesliga-Volleyballerinnen Jana Franziska Poll, Karen Lißon und Lucy Wicks werden nicht unter menschenunwürdigen Bedingungen gehalten. Das Wasser aus der Wasserhähnen in den Wohnungen der Volleyballerinnen fließt.

Und auch sonst fühlen sich die drei Profi-Spielerinnen, die in der Innenstadt in einem Haus leben, wohl in Aachen. Sehr wohl.

„Hier ist es perfekt”, sagt Jana Franziska Poll. „Naja. Fast”, sagt sie und lächelt dabei. „Ich fänds toll, wenn Aachen noch einen Fluss hätte”, sagt die 23-Jährige. Ihre beiden Mitspielerinnen nicken und sind erstaunt, als sie erfahren, dass es sogar mehrere Flüsse gibt, die unterirdisch verlaufen.

Einige Überraschungsmomente

Die versteckten Flüsse sind nicht das einzige an Aachen, was die drei Volleyballerinnen überrascht. Dazu brauchen sie nur in die eigene Mannschaft zu schauen. Jeder fällt ein Punkt ein, den sie mit folgendem Satz kommentiert. „Damit hätte ich nie gerechnet.”

Grund für das Erstaunen der eigenen Spielerinnen: Aachen ist zu einem Premium-Standort in der Volleyball-Bundesliga mit sehr hohem Wohlfühlfaktor geworden. Seit dem Aufstieg in die Bundesliga 2008 hat sich die Mannschaft vom Kellerkind zum Favoritenschreck entwickelt. Jana Franziska Poll hat die Entwicklung als dienstälteste Spielerin miterlebt. „Wir sind wirklich von Jahr zu Jahr besser geworden”, sagt die gelernte Heilerziehungspflegerin.

Das liegt zum großen Teil daran, dass die Volleyballerinnen immer professioneller arbeiten. Auch, wenn Alemannias Frauen wegen der Länderspielpause noch bis zum 23. November spielfrei sind, haben Poll, Lißon und Wicks gerade keinen Urlaub. Im Gegenteil. Die „Ladies in Black” trainieren immer mehr.

Davon kann die Engländerin Lucy Wicks, die seit der vergangenen Saison für die Alemannia spielt, berichten. „Mehr Training, mehr Videoanalyse. Und wir sind als Mannschaft auf jeder Position besser geworden”, so die 29-Jährige, die die Fäden im Spiel der Alemanninnen zieht. Ihre größte Überraschung hat die Dirigentin des Aachener Angriffsspiels beim ersten Heimspiel in der vergangenen Saison erlebt. „So eine Stimmung wie bei uns in der Halle habe ich vorher noch nie erlebt”, sagt die Engländerin. Deswegen ist ihre Vorfreude auf jedes Heimspiel groß.

Wicks ist aus ihrer Heimat weggegangen, weil die Insel in der Volleyball-Welt ein Zwerg ist. Und die 29-Jährige will wachsen. Denn sie hat ein großes Ziel. Als Gastgeberland sind die Briten für das Olympische Turnier in London automatisch qualifiziert.

Mit Lucy Wicks und Ciara Michels haben die Ladies in Black zwei Spielerinnen, die in London dabei sind. Alemannia-Star Angelina Grün kämpft gerade mit der Nationalmannschaft um ein Ticket. „Ich kann den nächsten Sommer nicht mehr abwarten”, spricht Lucy Wicks schon jetzt mit einem breiten Lächeln vom sportlichen Höhepunkt ihrer Karriere. Seit fünf Jahren arbeitet die Volleyballerin auf London hin.

Apropos Grün. Die neue Angreiferin ist für Karen Lißon der Damit-hätte-ich-nie-gerechnet-Faktor. Die 20-Jährige kam im Sommer aus der zweiten Liga vom VC Olympia Dresden zur Alemannia. Alleine schon der Sprung in Liga eins war ein Erlebnis. Und jetzt legt sie für Grün die Bälle auf. „Angelina war für mich immer ein Vorbild, zu dem ich aufgeschaut habe. Selbst vor einem halben Jahr hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich mit ihr mal in einer Mannschaft spiele”, schwärmt die gebürtige Sachsen-Anhaltinerin.

Keine Star-Allüren

Das gilt auch für ihre beiden Mitspielerinnen. Star-Allüren hat die Lichtgestalt des deutschen Frauen-Volleyballs keine. Im Gegenteil. „Es ist so leicht, mit ihr auszukommen. Sie gibt viele Tipps. Aber sie redet nicht von oben herunter”, erzählt Angreiferin Poll.

Die gestiegene individuelle Klasse der Spielerinnen und das professionellere Training sind aber nicht der alleinige Teil des Aachener Erfolgsrezeptes. Die Spielerinnen verstehen sich untereinander gut. Das würde jede Mannschaft von sich behaupten. Auf die Alemanninnen trifft es aber im Besonderen zu. „Du kannst den Mädels bei einer Auswärtsfahrt drei Freizeitmöglichen zur Wahl geben. Sie machen immer das selbe”, hatte Trainer Stefan Falter in der vergangenen Saison beobachtet. Das setzt sich, trotz vieler neuer Gesichter, auch jetzt fort.

„Eine sagt, dass sie irgendwo in Aachen zum Frühstücks-Buffet geht”, schildert Poll. Alleine frühstücken muss die Spielerin nie. Ins Kino geht keine alleine. Aachen bietet hat einmaliges Arbeitsumfeld mit starken Zusammenhalt zu bieten. Nur der Fluß fehlt noch.
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