Alemannia und „Ladies in Black“: Tischtuch scheint zerschnitten

Von: Roman Sobierajski
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Ein Freudentänzchen vor der Haupttribüne: Die Aussichten, dass auf den Trikots der „Ladies in Black“ auch in der kommenden Saison Alemannia Aachen steht, sind allerdings eher düster. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Eine unvergleichliche Solidaritätsbekundung aus Sicht der einen, ein „Shitstorm“ für die anderen. Am Wochenende stellten die organisierten Fans des Volleyball-Bundesligisten VfB Suhl eine Petition ins Internet, direkt an den Vorstand von Alemannia Aachen gerichtet.

„Lieber Vorstand von Alemannia Aachen! Mit den ,Ladies in Black‘ und der Volleyball-Abteilung habt ihr einen echten Schatz im Verein, für den es sich zu kämpfen lohnt. . . . Wir würden dies sehr vermissen und bitten Euch mit unserer Unterschrift, alles dafür zu tun, dass die ,Ladies in Black‘ und der Volleyball in Aachen eine Zukunft haben!“, lautet das freundlich gehaltene Anschreiben. Bis zum späten Montagabend setzten 578 Unterzeichner vom brasilianischen Pocos de Caldas bis Simmerath, von New York bis Liberec ihren Namen unter die Liste.

Vertreten ist auch die halbe Frauen-Nationalmannschaft sowie Spielerinnen und Offizielle aus Wiesbaden, Dresden, Hamburg und Vilsbiburg. „Aachen ist auch für uns als Spielerinnen etwas ganz Besonderes“, meint Denise Hanke, Zuspielerin beim Deutschen Meister SC Schwerin und in der Nationalmannschaft. „Solch einen Volleyball-Standort zu verlieren, wäre schon ganz schön traurig.“

Während die halbe Volleyball-Welt für und über Aachen redet, herrschte am Montag zwischen dem Vorstand der Alemannia und den Vertretern der Abteilung absolute Funkstille. Dabei lastet auf beiden Parteien immenser Zeitdruck, schließlich müssen bis zum 1. April die entsprechenden Unterlagen bei der Deutschen Volleyball-Liga eingereicht werden, um auch in der kommenden Saison Profi-Volleyball in Aachen bieten zu können, sei es in der Ersten oder in der Zweiten Liga.

Der Vorstand des TSV Alemannia Aachen e.V. steht dabei vor einem doppelten Dilemma: Die „Ladies in Black“ sind momentan das Sympathie-Aushängeschild des Vereins schlechthin, und keiner will dafür verantwortlich sein, den Volleyball in Aachen getötet zu haben.

Nach Informationen unserer Zeitung liegt aber zugleich ein umfangreiches juristisches Gutachten vor, das auch bei der Übertragung des Bundesliga-Spielrechts auf eine Spielbetriebs-GmbH noch finanzielle Haftungsrisiken beim Mutterverein sieht, sollten den Volleyballern Sponsorengelder wegbrechen. Und das wäre dann der letzte Sargnagel in der 112-jährigen Geschichte der Alemannia.

Die Volleyballer haben dagegen mittlerweile die Suche nach einer anderen sportlichen Heimat weiter intensiviert, nachdem auch bis Montagabend keine offizielle Stellungnahme des Alemannia-Vorstandes vorlag. Knackpunkt ist wohl, dass sich der Verein nicht in der Lage sieht, bis zum 15. April – dem letztmöglichen Termin – eine Bilanz für das Geschäftsjahr 2012 vorzulegen, die gegenüber der Deutschen Volleyball-Liga die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Vereins nachweist. Einer der notwendigen Bausteine, um überhaupt eine Lizenz für die kommende Saison zu erhalten. Das Tischtuch zwischen Alemannia Aachen und den „Ladies in Black“ scheint endgültig zerschnitten.

Reaktionen hat die Tatsache, dass sich Vereinsvorstand und Abteilungs-Verantwortliche nur noch die Bälle um die Ohren schmettern statt miteinander zu reden, allerdings bei einem Großsponsor und der Fan-IG der Alemannia hervorgerufen. Nach Informationen unserer Zeitung findet am Dienstag noch ein Gespräch zwischen Vorstand und dem potenziellen Geldgeber statt, um vielleicht doch noch auf den letzten Drücker einen gangbaren Weg zu finden, die Misere zu vermeiden.

„Viele von uns sind über den Fußball zur Alemannia gekommen. Aber, und das durften auch viele von uns in den letzten Jahren lernen: Die Alemannia ist nicht nur ein Fußballverein. Wir sind kein FC und kein VfL, wir sind der TSV“, beginnt (in Auszügen) die Stellungnahme der Fan-IG. „Gerade darum tut es weh, wenn wir nun sehen, wie unsere vielleicht erfolgreichste Abteilung vor dem Aus steht.“

Eine Reaktion darauf hat es bislang gegeben, Professor Horst Heinrichs hat sich zu Wort gemeldet – und kein Blatt vor den Mund genommen: „Jetzt haben die Gremien von Alemannia Aachen auch noch die sportlich derzeit beste Abteilung des TSV vom Hof gejagt“, schreibt der Ex-Präsident. „Es hat noch nicht gereicht, dass diese Herrschaften ihr Unwesen jahrelang bei den Profifußballern getrieben haben.“

Heinrichs‘ Forderung für die Zukunft ist unmissverständlich: Alle Gremienmitglieder müssten zurücktreten und sich die Mitglieder-Legitimation bei einer Wiederwahl holen.

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