Wie wird ein Pferd für das Reining ausgebildet?

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Der Mann kennt sich aus mit der Ausbildung von Reining-Pferden: Bundestrainer Nico Hörmann (links), hier mit seinem Reiter Elias Ernst während des Trainings. Foto: Wolfgang Birkenstock

Bimpys Little Step kam eigentlich aus einer recht unspektakulären Zuchtlinie. Kein Pferd, bei dem die Westernreit-Community groß hochgeschaut hätte. Doch dann hatte er seinen einzigen großen Start.

Ein hübscher Palomino-Hengst, der in der Prüfung am losen Zügel so tiefenentspannt und gleichzeitig aggressiv seine Manöver absolvierte, dass es den Zuschauern den Atem verschlug. Das war 2002, und der Hengst hat mit seinem Auftritt neue Maßstäbe im Reining gesetzt. „Man hatte immer das Gefühl, er kann mehr, wenn er möchte“, beschreibt Bundestrainer Nico Hörmann den Ritt, der so lange zurückliegt, sich aber eingebrannt hat, denn Bimpys Little Step war schlichtweg dreimal besser als die damaligen Reiner es sich vorstellen konnten.

„Es ist unsere Philosophie, dass ein Pferd Besonderes leisten soll, ohne an seine Leistungsgrenze gehen zu müssen“, sagt Hörmann. „Wir wollen es nicht ausquetschen wie eine Zitrone.“ Die Reiner pflegen von Geburt an engen Umgang mit dem Pferd, „sie holen es anders ab“ als in der klassischen Disziplin, sagt Hörmann. Putzen, im täglichen Umgang handeln, er kann sich nicht vorstellen, dass es bei den Reinern ein Pferd gibt, das sich dem verweigert.

Die Krux ist es, für den großen Sport die Pferde herauszusuchen, die das Besondere haben: die Athletik und ein ausgeglichenes Wesen. Drei Monate nach dem Anreiten ist ein Reining-Pferd in allen drei Gangarten gut lenkbar, geht aber noch keine Manöver. Dann geht es darum, dem Pferd beizubringen, im Manöver die richtige Position einzunehmen. „Wir weisen das Pferd auf Fehler hin und fordern es auf, die Position zu ändern.“ Druck aufbauen heißt: Veränderung ist angesagt; Loslassen bedeutet: Aha, das war gut.

Soviel ist auch dem klassischen Reiter durchaus plausibel. Doch ein Zusammenstellen des Pferdes kennen die Reiner nicht. „Bei uns muss das Pferd selbstständig seine Position einnehmen wollen. Dazu muss es natürlich rittig sein“, schildert der Bundestrainer. Das Pferd soll dem Bein und der Hand weichen, der Reiter peilt maximale Kontrolle an, jedoch eher auf psychologischer Basis. „Nach einem halben Jahr merke ich, ob ein Pferd willig oder unkooperativ ist. Wir brauchen Pferde, die das machen wollen.“

Leistungsbereitschaft, auch in der Drucksituation, lautet die Anforderung. Die Reiner arbeiten gerne damit, Signale mit Positivem zu verbinden: Wenn du stoppst, gibt es anschließend eine Pause. Sie arbeiten aber auch bevorzugt mit Überraschungsmomenten und ein wenig Verwirrung. „Die Manöver auszuführen, ist eine Sache. Sie in jeder Situation auszuführen, eine andere. Wir möchten das Pferd, das nicht mehr eigeninitiativ ist. Das erreichen wir etwa nach einem Dreivierteljahr.“

Im Reining werden sogenannte Futurity-Wettbewerbe bereits für Zwei- bis Dreijährige ausgeschrieben, doch die Nachfrage in Europa ist nicht groß. „Ich halte es nicht für verwerflich, ein Pferd zweijährig anzureiten, wenn es nicht über Schulsport-Belastung hinausgeht. Es kommt immer auf den Einzelfall an.“ Um bereit für größere Events zu werden, braucht das Pferd durchweg eine Saison. „Wichtig ist, keine Stresssituation aufkommen zu lassen. Das Pferd wird bei uns in der Regel weit unter der Leistungsklasse, die es im Training hat, im Wettkampf vorgestellt. Wer zu früh auf Leistung geht, erleidet immer Rückschritte.“

Bimpys Little Step hatte letztlich einen einzigen großen Auftritt, der die Disziplin revolutioniert hat. Doch die Reiner streben weiterhin nach unentdeckten Stellschrauben, neuen Standards, mehr Details und Finesse, um ihre Sportart und ihre Pferde besser zu machen.

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