Mit Girasol nach Rio de Janeiro?

Von: rau
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Gruß ans Publikum: Morgan Barbancon-Mestre nach Platz 14 im Grand Prix Spécial auf Painted Black. Foto: Thomas Rubel

„Es war Liebe auf den ersten Blick, sie ist ein tolles Pferd.“ Nadine Capellmann hatte Girasol vor fünf Jahren beim Turnier in Hagen gesehen – und kurz darauf zog die talentierte Fuchsstute in den Stall zwischen Aachen und Würselen ein. Nadine Capellmann feierte mit ihr zahlreiche Erfolge, doch der absolute Durchbruch mit einem Platz in einer deutschen Championatsequipe wollte dem Paar nicht gelingen.

Nun könnte ein Team-Platz für Girasol bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro winken – allerdings mit der spanischen Nationalflagge auf der Satteldecke: Denn Girasol geht künftig unter der Spanierin Morgan Barbancon-Mestre.

Die Nachricht überraschte, denn normalerweise genießen die Turnierpferde von Nadine Capellmann, die bei der Heim-EM den Sprung in die Equipe verpasst hatte, nach ihrer Karriere – so wie Gracioso – ihr Rentnerdasein auf der Wiese. „Das hätte ich auch Girasol gegönnt, aber die Stute ist topfit und mit ihren erst 14 Jahren noch zu jung, um nicht mehr im Sport zu gehen“, begründet die Dressurreiterin ihre Entscheidung. Auf tolle Runden des Duos waren immer wieder Einbrüche gefolgt–- so wie zuletzt beim „Weltfest des Pferdesports“ Ende Mai in Aachen. Dort hatte die Stute als 16. mit für sie mageren 68,48 Prozent sogar die Kür um den „Großen Dressurpreis von Aachen“ verpasst.

„Auf dem Abreiteplatz ging sie super, im Viereck gab es eine Enttäuschung“, war dies für Nadine Capellmann endgültig Anlass, über die Zukunft Girasols nachzudenken. „Ich bin so oft gefragt worden, ob ich mir vorstellen könnte, sie einem anderen Reiter zu geben. Nach Aachen ist die Entscheidung eigentlich gefallen. Ich hoffe, dass Morgan mit ihr mehr Glück hat“, so die 50-Jährige, der es „sehr schwer gefallen ist, die Stute abzugeben“.

Zwei Wochen vor der EM ist Girasol in ihre neue Heimat umgesiedelt – nach Dänemark. Seit 2013 trainieren Morgan und ihre jüngere Schwester Alexandra bei An–dreas Helgstrand, jenem dänischen Dressurreiter und -trainer der 2006 in der WM-Kür in Aachen mit seiner Schimmelstute Matinee begeisterte. Überhaupt leben die Schwestern den europäischen Gedanken: geboren in Paris, Vater Franzose, Mutter Spanierin, im Sattel für Spanien aktiv. Die beiden jungen Dressurreiterinnen trainierten bei den deutschen Ausbildern Jean Bemelmans und Jan Nivelle und von 2010 bis 2013 bei der niederländischen Olympiasiegerin Anky van Grunsven.

Von ihr übernahm Morgan Barbancon-Mestre den jetzt 18-jährigen schwarzen Hengst Painted Black, mit dem die 23-Jährige den Umstieg ins Seniorenlager schaffte. 2012 gehörte sie in London zur spanischen Olympia-Equipe, die Platz 7 belegte. In Aachen belegte das Team am Donnerstag Platz 4 und buchte damit das Ticket für die nächsten Spiele in Rio de Janeiro. Barbancon-Mestre ritt gestern im Grand Prix Spécial (71,429 Prozent) auf Platz 14.

„Ich bin das glücklichste Mädchen der Welt“, hatte Barbancon-Mestre, die mit ihren langen blonden Haaren so gar nichts spanisch aussieht, gleich nach Bekanntwerden des Kaufs gejubelt. „Ich danke meinen Eltern, die mir immer das Beste ermöglichen.“ Wenige Tage nach dem Kauf veröffentlichte sie ein Video, das sie mit Girasol in der Passage zeigte: Glücklich fiel sie der Fuchsstute anschließend um den Hals. „Das ist ein tolles Pferd“, freute sie sich. Der erste Eindruck sah gut aus. Nun soll Girasol Painted Black mit Blick auf Olympia 2016 ablösen.

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