Aachen - Jamal Rahimov startet als einziger Springreiter für Aserbaidschan

Jamal Rahimov startet als einziger Springreiter für Aserbaidschan

Von: ansc
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Er genießt die Teilnahme in Aachen: der Aserbaidschaner Jamal Rahimov auf Warrior. Foto: Uwe Anspach
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Auch trotz Misserfolgen verliert Jamal Rahimov nie sein Lächeln. Foto: A.Schaefer

Aachen. Es gibt da dieses erschreckende Bild von Jamal Rahimov. 18. August 2008, Hongkong, Olympische Spiele im Springreiten. Der damals 20-Jährige stürzt von seinem Hengst Ionesco, Rahimov überschlägt sich, sein Pferd trampelt auf ihn. Minutenlang bleibt der junge Mann liegen.

Verletzt muss er ins Krankenhaus gebracht werden. „Der schlimmste Sturz, den ich je hatte“, sagt er. Heute, sieben Jahre später, lächelt Rahimov über den Vorfall. Und, nun ja, er erinnert sich sogar gerne an das Springen zurück. Nicht wegen des Sturzes, sondern wegen der Tatsache, dass er mit seiner Teilnahme in Hongkong der erste Springreiter war, der jemals bei Olympischen Spielen für Aserbaidschan an den Start ging.

Jamal Rahimov, das ist ein sympathischer junger Mann, 27 Jahre, geboren in Baku, eine Frohnatur. Doch Rahimov, das ist auch ein Springreiter, der sich in einer Rolle befindet, die kaum jemand freiwillig annimmt: der Rolle des Außenseiters. Das, so sagt er, war schon immer so. Und das ist auch in diesem Jahr bei den Reit-Europameisterschaften nicht anders. „Ich befinde mich nicht auf Augenhöhe mit den Reitern der großen Nationen“, sagt der 27-Jährige selbstkritisch.

Nein, Rahimov ist im Springreiten vielmehr ein Exot, ein Einzelkämpfer. Er ist der einzige Vertreter aus Aserbaidschan, der in Aachen an den Start geht. Sein Auftritt im Turkish-Airlines-Preis: durchwachsen. Rahimov scheitert auf Warrior an gleich fünf Hindernissen, 20 Strafpunkte in der Summe, Platz 85. „Das war hinten heraus einfach zu wenig“, sagt er. Zu wenig war es unter dem Strich auch am Donnerstag beim Stawag-Preis. Drei Abwürfe und eine Zeit von 76, 52 Sekunden versetzten Rahimov auf den vorletzten Rang. Beim Mercedes-Benz-Preis musste er kurz vor dem Start sogar ganz passen.

Klar, Rahimov hatte den Traum Rio 2016, die dritte Teilnahme bei den Olympischen Spielen in Folge. Nach 2008 war der Aserbaidschaner mit seinem Team nämlich auch 2012 bei Olympia in London am Start. Die Qualifikation dafür machte er damals im gleichen Jahr beim CHIO perfekt. „Eigentlich“, so sagt er, „wäre die EM hier in Aachen ja wieder ein perfekter Ort, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Dieses Stadion hier, diese Menschen, einfach wunderbar“, sagt er. „Doch das ist dieses Jahr einfach zu schwer.“

Nun hätte der 27-Jährige mit dem ansteckenden Dauerlächeln im Gesicht zwei Möglichkeiten: den Kopf in den Sand stecken oder einfach die Atmosphäre in Aachen genießen, die er andauernd als „amazing“ umschreibt. Rahimov entscheidet sich für Letzteres, und er setzt noch einen drauf: „Ich empfinde es als große Ehre, als einziger Reiter mein Geburtsland zu vertreten“, sagt er. „Das macht mich sehr glücklich.“

Sein Geburtsland Aserbaidschan gilt nicht unbedingt als das Mekka des Pferdesports. Das weiß auch Rahimov. Im Alter von drei Jahren wanderte er mit seinen Eltern in die Türkei aus, wo Rahimov als Jugendlicher irgendwann die Leidenschaft für den Reitsport entdeckt habe, erzählt er. Seit einigen Jahren lebt der 27-Jährige in der Nähe von Antwerpen. „In Aserbaidschan“, so sagt er, „sind im Reitsport kaum professionelle Bedingungen vorhanden. Es wird wohl noch ein paar Jahre dauern, bis der Reitsport auch dort mehr Aufmerksamkeit erhält“, vermutet er. Doch Jamal Rahimov wäre nicht Jamal Rahimov, wenn er nicht auch auf die (noch) rudimentären Reitsport-Strukturen in Aserbaidschan optimistisch blickte. Rahimov sagt: „Ich habe ein Ziel. Ich möchte den Reitsport in Aserbaidschan populärer machen.“ Daran hält er fest. Auch wenn die Erfolge – so wie dieses Mal in Aachen – ausbleiben.

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