„Gold – am liebsten doppelt“

Von: Helga Raue
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Stephan Rohde auf seinem fünfjährigen Nachwuchshengst Lil Gun Fire. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Cowboyhut, Jeans und Sporen wecken Assoziationen von Lagerfeuer, Viehherden und Wildwest-Romantik. „Westernfilme haben unsere romantische Vorstellung geprägt. Vor allem die älteren Westernreiter haben oft über diese Schiene zu unserem Sport gefunden. Aber in der jüngeren Generation ist der amerikanische Einfluss geringer geworden.“ Nico Hörmann kennt die gängigen Klischees übers Westernreiten.

Gerade daher ist es dem Bundestrainer „Reining“ ein Anliegen, die Ernsthaftigkeit dieser Disziplin herauszustellen.

Die deutschen Reiner kommen als Titelverteidiger. 2013 hatten sie in Augsburg – zum vierten Mal – EM-Gold gewonnen, Alexander Ripper (Fürth) und Grischa Ludwig (Bitz) steuerten Einzel-Gold bzw. -Bronze bei. „Wir wollen den Titel verteidigen – das ist realistisch“, stellt Hörmann klar und gibt sich lachend großzügig bei der Verteilung der Einzelmedaillen: „Unser Ziel sind Rang eins bis sechs – nur die Reihenfolge dürfen die Reiter unter sich ausmachen.“

2006 bei den Weltreiterspielen war Hörmann noch selbst am Start, wurde Vierter mit dem Team und Einzel-Neunter. Seit März ist der je zweifache Team-Europameister und Deutsche Meister sowie Vize-Europameister von 2007 in Nachfolge von Kai Wienrich Bundestrainer.

Zwei erfahrene Reiter und zwei Newcomer bilden das Team: Neben Ludwig und Volker Schmitt (Parkstein), die 2013 zum EM- und 2014 zum WM-Team gehörten, wurden erstmals Stephan Rohde (Kamp-Lintfort) und Elias Ernst (Windeck) nominiert. Als Einzelreiter starten Oliver Stein (Rhede) und Verena Klein (Bünde) an den Start. Titelverteidiger Ripper ist nach dem Kolik-Tod seines Top-Pferdes nur zweite Reserve.

Dreikampf um Team-Gold

Der Kampf um Gold wird wohl mit Italien und Belgien ausgemacht, da Österreich nur zwei Einzelreiter meldete. „Ich traue jedem meiner Reiter zu, Europameister zu werden“, so Hörmann. Top-Favorit ist sicherlich Grischa Ludwig (41) mit Shine my Gun, bei der WM 2015 hinter drei US-Amerikanern bester Europäer. Smokin Mifillena, 2014 unter Volker Schmitt Deutscher Meister, wurde für die EM geschont. „Für den Hengst ist es das dritte Championat hintereinander“, hebt der Bundestrainer hervor.

Mit sehr guten Leistungen hatten sich Ernst (30) mit Uss n Dun it und Rohde (30) mit Smarty Diamond in den Fokus geritten. Für Rohde ist es das erste internationale Championat, und die Vorfreude ist groß. Geboren in Hamminkeln wuchs er in einer pferdebegeisterten Familie auf. Seit 2008 trainiert Rohde auf der Riverside-Ranch bei Kamp-Lintfort und hat sich dem Reining verschrieben. „Einfach, weil es die anspruchsvollste Disziplin ist, im Training wie auf dem Turnier“, erläutert der 30-Jährige, der einige Zeit in den USA trainierte. „Zudem ist in Europa für Rinderklassen kein Markt.“

Seit Anfang 2011 hat er sein jetzt achtjähriges EM-Pferd Smarty Diamond unter dem Sattel. „Wir haben ihn bisher sehr gezielt eingesetzt, ich möchte, dass die Pferde längerfristig laufen. Zuletzt hat er fast alles gewonnen“, stellt Rohde sachlich fest und fügt zwinkernd hinzu: „Nach der EM wird er nächstes Jahr seine erste Decksaison absolvieren. Er musste erst Leistung zeigen, bevor er darf.“ Eigentlich war der Quarter-Horse-Hengst gar nicht als Showpferd eingeplant, aber dann überzeugte er mit Top-Leistungen.

„Die Zeit, um mich für die WM zu qualifizieren, war zu knapp, da habe ich mir vorgenommen, dass Aachen mein Ziel ist“, so Rohde. „Der Hengst ist total gut drauf, das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht.“ Gar nicht schüchtern formuliert Rohde, der bei den Paint Horses bereits Europameister war, sein EM-Ziel: „Gold – am liebsten doppelt, Zweiter werde ich ungern.“

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