Giovanni Masi de Vargas ist Europas bester „Cowboy“

Von: Ute Steinbusch
Letzte Aktualisierung:
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Der Italiener gewinnt die Reining-Einzelwertung nach einem knappen Kopf-an-Kopf-Rennen mit Grischa Ludwig

Aachen. Es gingen viele Top-Reiter an den Start, aber den Eingeweihten war klar, dass es im Finale der Reining-Einzelwertung ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem deutschen Grischa Ludwig und dem Italiener Giovanni Masi de Vargas geben würde. In der Qualifikation hatten beide genau gleich auf an vorderster Stelle gelegen, mit jeweils einem Score von 221,50.

Fehlender Gehorsam

Ludwig ritt als erster in die Arena. Der 41-Jährige von der schwäbischen Alb, bester nicht-amerikanischer Reiner bei den Weltreiterspielen im vergangenen Jahr in Caen, holte sich im Spin, dem ersten Manöver, Top-Noten ab. Sein Hengst Shine My Gun und er fighteten wie eine Einheit und ließen wenig Zweifel daran, wer am Ende auf dem Treppchen stehen sollte.

Doch dann setzte das Pferd zum vorletzten Run Down an und zögerte kaum merklich. Die Richter nahmen es wahr, es wäre aber noch nicht schlussendlich ausschlaggebend gewesen. Denn auch beim allerletzten Stop schuldete Shine My Gun Ludwig den unbedingten Gehorsam. „Damit hat er die Führung verloren“, erklärte der deutsche Richter Ralf Hesselschwerdt hinterher.

Denn im Reining spielen kleinste Fehler eine große Rolle. „Es gibt die Reining Rules, und die erste dieser Regeln besagt, dass das Pferd tun muss, was der Reiter sagt. Das ist bei uns viel ausgeprägter als bei der Dressur. Da habe ich beobachtet, dass ein Pferd einen Haken geschlagen oder eine zusätzliche Volte gemacht hat. Wenn jemand bei uns eine zusätzliche Volte einbaut, bekommt er gar keine Bewertung.“ Trotz des Patzers gab es für Ludwig noch den Top-Score von 221.

Nun trat Giovanni Masi de Vargas an. Der Italiener ist erst 23, doch er behielt die Nerven. Sein Ritt war durchweg nicht ganz so exzellent wie der von Ludwig, doch er leistete sich keinen Fehler. So gab es am Ende für ihn einen Score von 222. Damit war Masi de Vargas neuer Europameister. „Wir kennen uns, seit Giovanni noch ganz klein war. Ich habe vor ein paar Jahren zu seinem Vater gesagt, dass er mal ein ganz großer Reiter werden wird“, sprach der gute Verlierer Ludwig und klopfte Masi de Vargas dabei auf die Schulter. „Wir sind eine Reining-Familie.“

Trotz der guten Miene Ludwigs zeigten sich viele enttäuscht. „Ich hätte es Grischa Ludwig schon gewünscht. Man merkt, dass er viel erfahrener ist. So wie er das Pferd vorgestellt hat, besser geht es nicht. Aber den Klops hat ihm das Pferd einbrockt.“ Der Hengst hatte tags zuvor pausiert. Nach der Qualifikation war bei ihm ein angelaufenes, also leicht temperiertes Bein festgestellt worden, und mit Rücksicht auf das Pferd bekam es daher am Vortag Trainings-Dispens.

„Wir wollten kein Risiko eingehen. Ein solches Missverständnis in der Kommunikation zwischen Reiter und Pferd kann auf diesem Niveau passieren. Da ist es müßig, nach einem Grund zu suchen. Grischa hat sich hier hervorragend präsentiert“, lobte auch der deutsche Bundestrainer Nico Hörmann seinen Silbermedaillen-Gewinner.

Elias Ernst gewinnt Bronze

Der lachende Dritte war der gebürtige Rheinländer Elias Ernst. Der 30-Jährige verbesserte sich im Vergleich zur Qualifikation auf einen Score von 219 und begeisterte auf Uss N Dun It das Publikum.

Das Schlusswort hatte der Sieger: „Diese Europameisterschaft war eine Werbung für uns alle: die Reiter, die Trainer, die Offiziellen, die Sponsoren, das Publikum. Es war super organisiert. Besser kann die Werbung für unseren Sport gar nicht ausfallen.“

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