Gespannfahrer Georg von Stein fit trotz Handicaps

Von: Wilhelm Peters
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Gehört seit dem Mannschaftssieg in Riesenbeck auch bei der EM in Aachen zum Favoritenkreis: Georg von Stein, hier beim CHIO-Marathon in der Aachener Soers. Foto: sport/Rau

Aachen. „Ja“, sagt Georg von Stein selbstbewusst, „wir sind einmal dran, Gold zu holen.“ Der Gespannfahrer aus Modautal gehört neben Christoph Sandmann (Lähden) und Michael Brauchle (Lauchheim-Hülen) zur deutschen Equipe, die am ersten August-Wochenende in Riesenbeck den Nationenpreis der Vierspänner vor Ungarn und den Niederlanden gewann.

Riesenbeck war für Aachen eingesprungen, das wegen der bevorstehenden EM keinen CHIO ausgerichtet hatte.

Unmittelbar nach Riesenbeck benannte der Ausschuss Fahren des Deutschen Olympiade-Komitees das erfolgreiche Trio als Team für die EM in Aachen. Als Einzelfahrer starten in der Soers zudem Rainer Duen (Minden), Dirk Gerkens (Paderborn) und Ludwig Weinmayr (Fischbachau).

Linker Fuß eingegipst

Der Erfolg von Riesenbeck ist insofern auch bemerkenswert, weil von Stein mit gebrochenem linken Fußgelenk sein Gespann zum Erfolg lenkte. „Es war ein Reitunfall, ich bin gestürzt, dumm gelaufen“, erzählt er. „Aber ich bin fit für Aachen.“ Wie geht das mit eingegipstem linken Fuß? Von Stein über das Handicap: „Zu sagen, das ist kein Problem, wäre untertrieben. Aber mit einigen Umbauten auf der Kutsche, einem zusätzlichen kleinen Podest für das gebrochene Bein, funktioniert das sehr gut.“ Zudem fährt der Deutsche Meister zur Sicherheit angegurtet.

Ganz unverblümt sagte er nach dem Riesenbeck-Sieg mit der Mannschaft, seinem ersten in einem Nationenpreis: „Wir wollen in Aachen EM-Gold holen, das ist unser Ziel. Wir haben ein gutes Team, das noch nie so stark war.“ In Breda (2011) und Iszak (2013) gewann die deutsche Mannschaft jeweils EM-Silber. Als größte Konkurrenten im Kampf ums wertvollste Edelmetall nennt von Stein einmal mehr die Niederlande, Titelverteidiger und Weltmeister, „aber auch Ungarn und Belgien sind stark unterwegs“, glaubt er.

Bei der EM-Generalprobe in Riesenbeck war für den 42-Jährigen zudem eine Erfahrung im Hinblick auf seine Verletzung wichtig: „Es war ein ausgezeichneter Schmerztest für mich, und wir haben den ganzen Ablauf des Wettbewerbs getestet. Alles lief sehr glatt.“

Nur bei der Siegerehrung mochte Georg von Stein nicht den eigentlichen Vorgaben folgen. Er hätte mit Erlaubnis des Veranstalters bei der Siegerehrung eben wegen seines Handicaps auf seinem Gespann sitzen bleiben dürfen, statt auf das Treppchen nach ganz oben zu klettern. „Aber ich wollte aufs Podest, es war ja mein erster Nationenpreis. Also haben mir die Kollegen geholfen, mich gestützt und mir hinauf geholfen.“ Und fügt er schmunzelnd an: „War ein sehr schönes Gefühl, da ganz oben zu stehen.“

Ausnahme wird auch bleiben, dass er vor den Wettbewerben die Platzbesichtigung statt zu Fuß mit einem Krad durchführen darf. „Ich kann ja gar nicht richtig laufen, würde den Betrieb nur aufhalten. In Riesenbeck bin ich morgens ganz früh alleine mal über den Platz gehumpelt, durfte dann aber bei der gemeinsamen Besichtigung auf dem Zweirad fahren.“ Das wechselt er in der Aachener Soers dann anschließend gegen sein Gespann aus. „Wir sind vorbereitet“, sagt er. Und würde sich gerne auch bei der EM nach ganz oben aufs Treppchen helfen lassen...

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