Dina Ellermann: Aus Estland, wo die Träume leben

Von: Christoph Classen
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Endlich im Aachener Dressur-Viereck. Dina Ellermann hat vermutlich die längste Anreise hinter sich. Foto: Thomas Rubel
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Das erste Interview nach dem Start in Aachen: Dina Ellermann stellt sich den Fragen von Redakteur Christoph Classen. Foto: Christoph Pauli

Aachen. Dina Ellermann geht an diesem Morgen als elfte Starterin ins Dressur-Viereck, hinter Rikke Svane aus Dänemark. Vor Caroline Häcki aus der Schweiz. Lambertz-Preis, Grand Prix, erster Tag: Der Wettbewerb wird im riesigen Hauptstadion ausgetragen, deswegen fällt noch ein bisschen mehr auf, dass nicht ganz so viele zusehen.

Nicht nur auf den Tribünen ist noch Platz, auch die Fotografen haben in ihren eingezäunten Bereichen Bewegungsfreiheit. Sie kennen ganz anderes Gedränge. Svane hin, Häcki her, man kann sagen, Ellermann reitet an diesem Morgen ein bisschen unter ferner liefen.

Bei der Reit-EM in Aachen werden 400 Sportler aus 30 Nationen antreten, allein für den Lambertz-Preis in der Dressur sind 72 Starter gemeldet, genau eine von ihnen kommt aus Estland. Das ist Dina Ellermann, 34. Sie geht also als Elfte in diesen Wettbewerb, auf Landy‘s Akvarel, so heißt ihre Stute. Als sie das Viereck verlassen, haben sie sich auf Platz neun eingereiht. Mit 63,800 Prozent haben die Richter sie gewertet. Wer in Aachen gewinnen will, sollte eine Wertung von deutlich über 80 Prozent anpeilen. Ellermann winkt, das Publikum bedankt sich mit Applaus. Sie sieht glücklich aus, als sie aus dem Stadion reitet. „War nicht so schlecht, wir waren aber schon besser“, wird Ellermann später sagen.

Um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ellermann ist eine Spitzensportlerin. Spitze sind alle, die in diesen Tagen in Aachen antreten. Anders ist es nicht möglich, sich für dieses Turnier zu qualifizieren. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es in Europa schon ein paar Dressurreiter und -reiterinnen gibt, die besser sind als Ellermann. Das dürfte auch dann so sein, wenn sie mit Landy‘s Akvarel ihre Top-Leistung abruft. Hat bei der EM nicht funktioniert. „Sie hatte nicht so viel Zeit, sich zu erholen“, sagt Ellermann über ihre Stute. Dass sie selbst auch wenig Zeit hatte, sich sie zu erholen, sagt sie nicht.

Die Strecke von Estland nach Aachen ist groß, 2300 Kilometer ungefähr. Ellermann ist selbst gefahren, das macht sie immer so. Knapp vier Tage waren sie unterwegs, neben Landy‘s Akvarel brachte Ellermann zwei Freunde aus Polen, ihren Trainer und den estländischen Dressurmanager mit. Estland ist nicht unbedingt eine Reitsportnation, es gibt zwei Dressurreiterinnen, die bei internationalen Grand Prix antreten, Ellermann ist eine von ihnen. Sie sagt: „Ich hoffe, wir haben irgendwann ein Team.“ Dann lacht sie laut. Ambitioniertes Projekt.

Ellermann liebt Pferde, es war ihr Grund, mit dem Reiten anzufangen. Elf Jahre war sie da alt. In der Schule, wo sie reiten gelernt hat, gibt sie heute Stunden. Der Eintrag über Ellermann auf Wikipedia mag nur ein paar Sätze lang sein, aber in der Reitschule, wo sie unterrichtet, wollen die Mädchen Autogramme von ihr. Ob sie ihren Traum lebt? „Ich denke schon, ja“, sagt Ellermann.

Aachen, Europameisterschaft: Ellermann ist beeindruckt von diesem Turnier. „It‘s like: wow!“, sagt sie. Schwer in Worte zu fassen. Ihre Stute habe sich dagegen schon an die Atmosphäre gewöhnt, sie ist ein bisschen eitel. Mit 1,64 Meter ist Landy‘s Akvarel bemerkenswert klein für ein Dressurpferd. „Aber in der Arena möchte sie immer groß wirken“, erzählt Dina Ellermann.

Überhaupt, diese Stute. Früher ist sie in Springen angetreten. Kam auch schon mal vor, dass sie 40 Fehlerpunkte und mehr sammelte. Ellermann sah in ihr eher ein Dressurpferd. Und fing an zu trainieren. Es war eine Menge Arbeit, klar. Aber es funktionierte. „Mit viel Geduld und Schritt für Schritt.“ Noch so ein Satz, den Ellermann über ihr Pferd sagt und der auch auf sie selbst zutrifft. Der Weg war weit, weiter noch als die 2300 Kilometer, die zwischen Estland und Aachen liegen.

Aber sie sind angekommen bei dieser EM, die wie jede größere Sportveranstaltung auch einen Slogan hat. „Be part of it“ lautet er, sei Teil davon. Dina Ellermann dürfte er ganz gut gefallen.

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