Aachen - Die belgischen Springreiter sind ein Geheimtipp

Die belgischen Springreiter sind ein Geheimtipp

Von: Helga Raue
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Dirk Demeersman (vorne) schickt das in St. Gallen siegreiche Team mit Niels Bruynseels (von links), Pieter Devos, Gregory Wathelet und Jos Verlooy zur EM. Foto: sport/EQ Images
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Ersatz im belgischen Team: Judy-Ann Melchior, Lebensgefährtin von Christian Ahlmann. Foto: sport/Sportfotodienst

Aachen. In Sachen Favorit hat Dirk Demeersman – wie bei allem anderen – eine klare Meinung: „Die Niederländer sind die Favoriten“, sagt der 51-Jährige auf Anhieb. „Ich habe sie beim Weltfest Ende Mai in Aachen reiten sehen und gleich gesagt, dass sie auch bei der EM vorne stehen werden.“

Die Niederländer kommen als Weltmeister, Jeroen Dubbeldam zudem als Einzel-Weltmeister – von daher sind die Springreiter aus dem Nachbarland kein Geheimtipp.

Ein solcher ist eher das Team von Dirk Demeersman, denn die belgischen Springreiter ritten sich im ersten Halbjahr 2015 mit guten Platzierungen in den Fokus. Im vergangenen Jahr gewannen die belgischen Springreiter den Nationenpreis von Aachen und waren für die WM in Caen als Mitfavoriten gehandelt worden. Doch es folgte der Absturz auf Platz 13, in dessen Folge Nationalcoach Kurt Gravemeier, von 2000 bis 2008 Bundestrainer der deutschen Springreiter, gehen musste.

Eigentlich hatte sein „Co“ Dirk Demeersman, 2004 auf Clinton Vierter der Olympischen Spiele in Athen und 2005 Zweiter im Großen Preis von Aachen, seine Sportkarriere fortsetzen wollen, übernahm nach längerer Überlegung jedoch zum 1. Januar das Amt. Mit Erfolg.

„Dirk hat ein Luxusproblem, er könnte zwei starke Equipen zur EM schicken“, sagt etwa der deutsche Springreiter Daniel Deußer, der in Belgien lebt. „Die Entscheidung war nicht einfach“, sagt Dirk Demeersman selbst. „Ich habe alle Emotionen rausgenommen und versucht, die aktuell für mich vier Besten zu nominieren.“

Nach Aachen reisen Niels Bruynseels mit Pommeau de Heup, Pieter Devos mit Dylano, Gregory Wathelet mit Conrad de Hus, Jos Verlooy mit Domino sowie Ersatzreiterin Judy-Ann Melchior mit As cold as ice. Daneben hatten sich auch Reiter wie Olivier und Nicola Philippaerts, Gu-drun Patteet oder Constant van Paesschen mit guten Ergebnissen aufgedrängt. Siege in St. Gallen und Hickstead, zweite Plätze in Mannheim und Lummen, ein dritter in Rom brachten Belgien an die Spitze des Nationenpreis-Rankings und in den Kreis der Mitfavoriten bei der EM. „Wir wollen ein Olympiaticket für 2016 sichern“, gibt Demeersman als Minimalziel vor.

Vor der WM 2014 hatte van Paesschen noch versucht, sich ins Team zu klagen. Das hatte für viel Unruhe gesorgt. Letztlich ritt er nicht in Caen. „Ich sage früh genug, was ich denke. Es müssen ja nicht immer alle die gleiche Meinung haben. Wenn es jemand besser weiß, dann muss er den Job machen“, lässt sich Demeersman in seinen eigenen Entscheidungen nicht beirren.

Er hat seinen Schützlingen den Weg nach Aachen früh vorgezeichnet, gab auch Reitern mit jungen Pferden oder jungen Reitern Chancen, sich zu bewähren. „Auch Kurt Gravemeier hat jungen Leuten schon früh eine Chance gegeben, ich gehe vielleicht noch etwas weiter. Ich setzte lieber – auch wenn sie noch nicht so erfolgreich sind – auf Reiter, die ein Pferd für die Zukunft haben und sich verbessern wollen. Die nehme ich schneller zu Turnieren mit, als jene, die nur schnell gewinnen wollen. Da ist der Erfolg selten langfristig.“

Der 51-Jährige schöpft aus seiner langjährigen Erfahrung als Reiter, schenkt seinen Schützlingen das, was er sich selbst immer gewünscht hat: Vertrauen. Demeersman schmunzelt: „Ja, sie bekommen ganz viel Vertrauen von mir, dürfen auch mal einen Fehler machen. Aber wenn sie zwei, drei Mal einen Fehler machen, gibt es auch ein Problem, und wir müssen gemeinsam nach einer Lösung suchen.“ Auch auf dem Abreiteplatz hält er sich vor den Ritten zurück. „Less is more“, kommentiert Demeersman und weiß, dass er von seinen Reitern verstanden wird.

Kein Trainingslager

Ein Trainingslager wird es vor der EM nicht geben. Demeersman grinst: „Damit habe ich selbst keine allzu guten Erfahrungen gemacht. Dafür sind wir in Belgien irgendwie nicht geschaffen. Wir machen hier lieber unser eigenes Ding.“ Und – siehe oben – da kommt das Vertrauen wieder ins Spiel. „Ich weiß, dass meine Reiter das gut machen...“

Vor seinem ersten Championat als Verantwortlicher ist der 51-Jährige nicht nervös: „Schließlich kann ich jetzt die Stangen nicht mehr selbst umreiten“, sagt er und lacht.

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