Deutsche Dressurreiter führen nur knapp vor den Niederlanden

Von: Helga Raue
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Nicht zufrieden: Isabell Werth und Don Johnson hatten schon stärkere Auftritte.

Aachen. „Das hat das Küken richtig gut gemacht.“ Zwar ist das Küken auch schon 29 Jahre alt, doch für Jessica von Bredow-Werndl war es die Championatspremiere. Daher das ungewöhnliche Lob von Klaus Roeser, Equipechef der deutschen Dressurreiter. Das „Küken“ hatte die Aufgabe, als erste deutsche Starterin gleich die Ambitionen auf die Titelverteidigung zu unterstreichen. Das gelang.

75,2 Prozentpunkte legte die hübsche Amazone aus Tuntenhausen mit ihrem Hengst Unee BB vor. Doch die erste Freude wich am Ende der Ernüchterung. 74,786 Prozentpunkte steuerte Isabell Werth (Rheinberg) auf Don Johnson bei, das bedeutete Platz drei und vier im Einzel und nur eine knappe Führung in der Zwischenwertung um Team-Gold. 150,100 Punkte sind nicht das erhoffte satte Polster vor den Niederlanden (148,214) und Großbritannien (145,743).

„Es war ein wahnsinniges Gefühl, unter dem tosenden Applaus ins große Stadion zu reiten“, sagte Jessica von Bredow-Werndl nach ihrem Championatsdebüt. „ Mein Pferd war etwas irritiert. Es wurde nicht größer, sondern schüchterner. Es ist schon etwas anderes hier, Aachen ist eben eine andere Liga als andere Turniere.“ Genau drei Stunden hatten die Zuschauer, die zu EM-Beginn noch recht übersichtlich das weite Rund des Hauptstadions bevölkerten, auf diesen Auftritt warten müssen. Von Bredow-Werndl hielt sich an die Mannschaftsorder, zeigte eine solide Leistung, getrübt nur durch einige kleine Fehler, wie in den Zweierwechseln. „Ich habe nicht alles riskiert, ein paar kleine Fehler waren drin, aber der Gesamteindruck war positiv. Für mein Championatsdebüt war ich zufrieden.Ich habe mir gedacht, die EM ist auch eine Belohnung für viele Jahre harter Arbeit“, sagt van Bredow-Werndl. Sie hat die Team-Order erfüllt, der Blick geht bereits voraus. „Am Samstag, im Grand Prix Spécial, werde ich Vollgas geben, denn dann reitet jeder Einzelne nur noch für sich.“

Am Mittwoch war sie die bessere der beiden deutschen Starterinnen, denn Isabell Werth (Rheinberg) wurde für einen Fehler in den Einerwechseln (zu) hart bestraft, steuerte nur 74,9 Prozentpunkte bei, Platz vier hinter der Team-Kollegin im Zwischenresultat – hinter dem führenden Niederländer Diederik van Silfhout (75,814) auf Arlando und der Britin Fiona Bigwood (75,8) auf Orthelia. „Es war ein toller Ritt, Isabell hat wie immer alles gegeben, aber die Richter waren nicht lieb zu ihr“, verstand Equipechef Roeser die Wertung nicht. „Der Wechselfehler geht auf meine Kappe“, gab Werth zu, „aber der wurde zu hart bestraft.“ Nur eine 4,7 hatte es im Schnitt dafür gegeben. „Insgesamt kann ich meine Bewertung nicht nachvollziehen. Don Johnson ging sehr stabil, besser in der Anlehnung als in Hagen, zeigte eine sehr gute Piaff-Passage-Tour. Meiner Meinung nach wären 76 Prozent verdient gewesen.“

Am Donnerstag gehen in Teil zwei mit Matthias Alexander Rath (Kronberg) auf Totilas sowie Kristina Bröring-Sprehe (Dinklage) auf Desperados die aktuell stärksten deutschen Paare ins Viereck. Doch die Niederlande haben ebenfalls noch Edward Gal mit Undercover, die Briten Charlotte Dujardin mit Valegro in der Hinterhand. Und das britische Top-Duo hält den Weltrekord mit sagenhaften 87,46 Prozentpunkten! Isabell Werth mit einem tiefen Seufzer: „Nun wird es richtig eng...“

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