Der Debütant schnappt sich den EM-Titel

Von: ust
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Das gibt Gold für Österreich: Jasmin Lindner und Lukas Wacha gewinnen die Entscheidung im Pas de Deux vor den deutschen Startern Pia Engelberty und Torben Jacobs. Foto: Thomas Rubel

Aachen. Er ist ein echter Senkrechtstarter, ein EM-Debütant, der kurz zuvor noch eine Fußverletzung auskuriert hatte: Jannis Drewell, der Sportsoldat aus dem westfälischen Steinhagen, ist neben dem Gespannfahrer Michael Brauchle Deutschlands zweiter Goldjunge.

Als ihn der Stadionsprecher bei der Durchsage der Noten gar zu sehr auf die Folter spannte, konnte Drewell nicht mehr, er weinte vor Anspannung. Wenige Sekunden später war klar, dass er seinen Kaderkollegen Thomas Brüsewitz hauchdünn geschlagen hatte. Drewell setzte zu einem Spurt durchs Stadion an, sprang über Banden, schwang die beiden Fahnen, die er in den Händen trug. Das Publikum applaudierte frenetisch, machte die Welle, peitschte ihn an.

Pluspunkte gesammelt

Das Voltigieren hat bei dieser Europameisterschaft in puncto Öffentlichkeitswirksamkeit Rekorde gebrochen. Der Jubel der rund 5000 Zuschauer war nicht zu überhören. Und noch sind die Wettbewerbe nicht beendet. Die deutsche Bundestrainerin Ursula Ramge war umringt von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, darunter Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen oder Reitsport-Mäzenin Madeleine Winter-Schulze, das Fernsehen berichtete live.

Goldmedaillen-Gewinner Drewell hatte – aus deutscher Sicht betrachtet – das Feld von hinten aufgerollt. Nach der Pflicht lag er auf dem dritten Platz hinter dem führenden Viktor Brüsewitz und dessen Bruder Thomas. Als Viktor Brüsewitz in der ersten Kür ein Fehler unterlief, fiel er zurück, während Drewell mit der Höchstnote bewertet wurde. Er zeigte einen Shaolin-Mönch zur Musik aus dem Film Kung-Fu Panda. Drewell spielt dabei seine Stärken aus, seine Darbietung lebt von Kraftelementen, die er mit viel Ausdruck inszeniert. „Es ist nicht nur die Kraft. Ich wurde von Richtern schon nach der Technik darauf angesprochen, dass Jannis tolle Bewegungsabläufe hat. Das hat Eindruck hinterlassen“, erklärte Ramge.

Nachdem sich zwischenzeitlich der Österreicher Ramin Simon Rahimi vor Viktor Brüsewitz geschoben hatte, machte der Garbsener in der zweiten Kür seinen Fehler wett. Souverän interpretierte er Herbert Grönemeyers Song „Der Weg“. Die Richter belohnten das, damit war Bronze sicher. Mit Thomas Brüsewitz auf dem Silberrang ließen die deutschen Männer damit der Konkurrenz keine Chance. Die deutschen Pas-de-Deux-Starter Pia Engelberty und Torben Jacobs gaben Rang zwei nicht mehr aus der Hand, während die Weltmeister und EM-Titelverteidiger Jasmin Lindner und Lukas Wacha aus Österreich Gold gewannen. „Das war nur ein Wimpernschlag, es hat nicht viel gefehlt“, erklärte Ramge.

Lindner und Wacha gaben später zu, dass sie nicht ganz störungsfrei durch den letzten Test gekommen waren. Sie mussten ihre Kür ändern, konnten dennoch überzeugen. Das zweite deutsche Paar im Pas de Deux, Gera-Marie Grün und Justin van Gerven, war nahe daran, sich vom vierten auf den dritten Rang zu verbessern. Doch zum Schluss unterlief ihnen ein Patzer, der den undankbaren vierten Platz besiegelte. Heute folgen die Entscheidungen der Teams und der Frauen. Turnierdirektor Frank Kemperman kündigte an, dass nach dem sehr guten Besucherzuspruch am Samstag das Dressurstadion heute komplett ausverkauft sei.

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