Beim EM-Besuch werden Erinnerungen wach

Von: rau
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Applaus auch von der zweitplatzierten Beezie Madden: Der Belgier Jos Lansink wurde 2006 Weltmeister in der Aachener Soers. Foto: Thomas Rubel

Aachen. 3. September 2006 – ein grauer Spätsommertag in Aachen. Das Finale der Weltmeisterschaft im Springreiten stand zum Abschluss großartiger Weltreiterspiele auf dem Programm. Ein Mann und drei Frauen kämpften um den Titel. Und die vorherrschende Frage: Würden die drei zierlichen Damen den weißen Riesen beherrschen?

Der Hahn im Korb, der Belgier Jos Lansink, hatte sich mit seinem Schimmel Cumano für das Finale mit Pferdewechsel qualifiziert. Und nun mussten Beezie Madden (USA), Edwina Alexander-Tops (Australien) und die Deutsche Meredith Michaels-Beerbaum den riesigen Hengst durch den schweren Parcours pilotieren. Da stand doch der Sieger schon fest, oder?

Jos Lansink durfte sich zwar tatsächlich am späteren Nachmittag vor 40.000 Zuschauern als neuer Weltmeister feiern lassen. Doch Cumano war an diesem Tag das einfachste Pferd, alle drei Damen ritten ihn locker durch den Parcours – eine feine Visitenkarte für den starken belgischen Reiter. Um die Medaillen musste gestochen werden, und im Stechen – wieder auf den eigenen Pferden – blieben nur Lansink und Cumano fehlerfrei und siegten vor Madden und Michaels-Beerbaum.

Anno 2015 sind Lansink und Michaels-Beerbaum wieder in Aachen, diesmal bei der EM. Doch während die deutsche Amazone sich am Freitag über eine Silbermedaille freuen durfte, darf Jos Lansink diesmal nur zuschauen.

„2006 – da gab es einen guten Sieger, nicht wahr?“ Jos Lansink kokettiert lachend mit seinem Erfolg. Der 54-Jährige war in dieser Woche gut gelaunter Beobachter der EM: „Ich freue mich, wieder in Aachen zu sein, habe aber eigentlich die falsche Kleidung an“, verweist Lansink lachend darauf, dass er Jeans statt einer weißen Reithose trägt. Er war einer der EM-Kandidaten auf der Liste des belgischen Bundestrainers Dirk Demeersman gewesen. Noch beim Turnier in Mannheim Mitte Juli hatte Lansink mit Ensor de Litrange zum Springteam gehört, das hinter den USA und vor Deutschland Platz zwei belegt hatte.

„Ich hatte auf einen Start in Aachen gehofft. Aber mein Pferd hat sich nach Mannheim etwas verletzt“, erläutert Lansink. „Er ist zwar wieder bei der Arbeit, aber Aachen kam zu früh. Zudem: Der Plan war, ihn im Nationenpreis in Hickstead auf Rasen einzusetzen. Da musste ich aber passen.“ Auch in Aachen findet die Meisterschaft der Springreiter auf Rasen statt. „Da muss man mit seinem Pferd vorher unbedingt auf Rasen geritten sein, zumal, wenn man danach auf einem so schwierigen Platz wie Aachen starten muss.“

Natürlich werden bei Lansink in diesen Tagen Erinnerungen an 2006 wach. „Das war schon bei der Eröffnungsfeier so, als ich an der Seite von Meredith eingeritten bin“, sagt Lansink, der nur 40 Kilometer entfernt im belgischen Lanaken lebt, „es ist ein wirklich unglaubliches Gefühl, wenn schon 40.000 Zuschauer bei einer Eröffnungsfeier dabei sind. Das gibt es auf keinem anderen Turnierplatz der Welt.“ Und der Belgier, der früher für die Niederlande ritt und 1992 bereits auf Egano den „Großen Preis von Aachen“ gewann, kennt den Turnierplatz gut.

„Aachen ist das beste Turnier der Welt und bleibt es auch. Trotzdem gibt es hier keinen Stillstand, jedes Jahr kann man etwas Neues entdecken. Diesmal sind die Stallungen erweitert und erneuert worden.“ Und: „Auch wenn sie nicht direkt zum Turnierareal gehört, aber ich finde die Fußgängerbrücke als Entree sehr gelungen.“

Die belgischen Springreiter waren als Mitfavoriten nach Aachen gekommen: „Dirk hat natürlich den Fehler gemacht, mich nicht zu nominieren“, scherzt Lansink. „Aber Spaß beiseite: Er hat die vier Reiter nominiert, die schon das ganze Jahr über sehr gut geritten sind.“

Nur in Aachen wollte es für das führende Land in der Nationenpreiswertung nicht gut laufen: Um 0,2 Fehlerpunkte verpassten die belgischen Springreiter den zweiten Umlauf und damit die Chance, sich doch noch ein Ticket für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro zu sichern.

„Vorher lief es so gut für uns. Aber das waren ein paar Fehler zu viel“, bedauert auch Lansink und räumt ein, „Rio wäre mein großes Fernziel gewesen.“ Nun wird der Belgier erst einmal in der kommenden Woche nach Westfalen reisen und beim Turnier in Münster an den Start gehen.

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