1971 hagelt es Absagen, Erkrankungen und Disqualifikationen

Von: rom
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Ehrenpreis für den Europameister 1971: Hartwig Steenken und Simona, das Gold-Paar. Foto: Archiv ALRV

Da war von Anfang an der Wurm drin in diesem Aachener Europa-Championat von 1971, ein Jahr vor den als glanzvolles Fest geplanten Olympischen Spielen in München: Absagen, Erkrankungen – oder gar Vergiftungen? – und Disqualifikationen im Dutzend.

Ein Dauerregen, der ausschließlich die Verkäuferin von wasserfesten Umhängen jubilieren ließ. Und ein neuer Europameister, der keinen einzigen der drei Qualifikations-Wettbewerbe für sich entscheiden konnte und entsprechend wenig Glanz verbreitete. Doch der Reihe nach.

Recht früh hatte Titelverteidiger David Broome sein Nichterscheinen annonciert, der Brite hatte dem ALRV telegraphiert, dass er wegen Erkrankung nicht an den Start gehen könne. „Die Konkurrenz ist damit aber nicht schwächer geworden“, orakelte Alwin Schockemöhle, zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnend, dass auch Publikumsliebling Nelson Pessoa nicht in der Soers reiten würde: ALRV-Generalsekretär Willy Haupts, von der Aachener Presse mit netteren und mehr Platz beanspruchenden Worten als Korinthenkacker charakterisiert, hatte festgestellt, dass der Brasilianer seine Meldung eine Woche zu spät abgegeben hatte – und Pessoa flog von der Starterliste.

Zu allem Überfluss hatte Paul Schockemöhle kurz vor der EM auch noch vier Toppferde verkauft – wegen der Finanzmisere in seiner Eier-Agentur, wie man munkelte. Und Olympiasieger Alwin Schockemöhle, in Aachen bereits angereist, musste passen. Sein Spitzenpferd Donald Rex „war nur noch 20 Prozent wert“. Gelbsucht wurde zunächst diagnostiziert, eine leichte Vergiftung lautete der spätere Verdacht.

Einzig Hartwig Steenken machte aus der Riege der deutschen Reiter mit sportlichen Erfolgen auf sich aufmerksam und gewann den Großen Preis von Wolfsburg, den „Goldenen Käfer“. Trotzdem gab es im Vorfeld keinen klaren Favoriten für den Kampf um den Kontinentaltitel, zumal die Reiter aus Italien und England durch die Bank als starke Konkurrenten eingestuft wurden.

Und dann kam der Regen. Nicht der Regen, den der Aachener selbstbewusst und selbstverständlich ignoriert. Nein, es kübelte, tagelang. Kein einziger Reiter blieb im ersten Wettbewerb fehlerfrei, die beiden italienischen Starter Raimondo d’Inzeo und Graciano Mancinelli verblüfften das Publikum, als sie mit ihren Toppferden nach zwei Hindernissen per Handzeichen aufgaben und mit ihren Zweitpferden Fehler produzierten.

So ritten sich Steenken – Zweiter und Vierter bei den ersten beiden Starts – und der Brite Harvey Smith nach vorn, das letzte Springen musste den Ausschlag geben. Steenken produzierte im ersten Umlauf an der Mauer acht Fehler, der gelernte Maurer Smith blieb dagegen fehlerfrei. „So ein Bock, so ein Mist. Verflucht nochmal, ich bin ein Esel“, machte Steenken, im zweiten Durchgang fehlerfrei, seinem Ärger Luft.

Und dann geschah doch noch das kleine Wunder: Smith riss an der Dreifachen, Steenken kam auf Platz sechs – und hatte am Ende den Titel in der Tasche.

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