Aachen - 1961 in der Soers: Ein neuer Star wird geboren

1961 in der Soers: Ein neuer Star wird geboren

Von: rom
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Glückwunsch des alten Haudegens: Piero d‘Inzeo gratuliert Europameister David Broome. Foto: Archiv ALRV

Aachen. Wer anderes als Capitano Piero d’Inzeo sollte sich 1961 mit dem Titel des Europameisters schmücken können? Auch die Experten der damaligen Zeit hätten auf Anhieb keine schlüssige Alternative gewusst. Hans Günter Winkler? Seitdem seine Wunderstute Halla das Gnadenbrot bekam nicht mehr derselbe wie zuvor, flüsterte man hinter vorgehaltener Hand. Weltmeister Raimondo d’Inzeo? In Aachen nicht am Start. Fritz Thiedemann, dreifacher Gewinner des Großen Preises von Aachen? Schon auf Abschiedstournee.

Wenn es also einen Konkurrenten für den hochfavorisierten d’Inzeo geben sollte, dann einen aus der Nachwuchsriege. Alwin Schockemöhle etwa, Mannschafts-Olympiasieger von Rom, oder doch der blutjunge Brite David Broome, immerhin Dritter 1960 im Einzel? Dass es auf das niemanden kaltlassende Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen d‘Inzeo und Broome hinauslaufen würde, lag nicht nur an den mächtigen Sprüngen und raumgreifenden Gräben, es lag auch daran, was den Equipechefs nach dem ersten Umlauf des ersten von vier für die Europameisterschaft zählenden Wettbewerbe präsentiert wurde: Anders als in der Ausschreibung festgehalten, würde es nämlich nur dann ein Stechen geben, wenn zwei oder mehrere Reiter genau dieselbe Zeit brauchen. Während der Großteil des Starterfeldes auf Nummer sicher gegangen war, hatten Broome und d’Inzeo „unwahrscheinliche Ritte“ hingelegt, wie der Chronist vermerkte. Der Grundstein für den Zweikampf war gelegt.

D’Inzeo lag auch nach dem zweiten Teil des Langstreckenrennens, dem „Preis des Aachener Steinkohlebergbaues“, auf Pioneer vor Broome, hatte im Zeitspringen am Montag ebenfalls die Nase vor dem „vorzüglichen Engländer“, wie der Berichterstatter meldete. Das Finale musste die Entscheidung bringen.

Der italienische Offizier musste fehlerfrei bleiben, um seinen Vorsprung zu verteidigen, der Verfolger auf einen Ausrutscher des Titelverteidigers hoffen, um noch eine Chance auf den Sieg zu haben. Mehr als 35 000 Zuschauer verfolgten das Kräftemessen, „die Betriebe und Behörden schlossen am Nachmittag“. Broome und Sunsalve absolvierten fehlerfrei den ersten Durchgang, d’Inzeo ließ eine Stange klappern, doch „der alte Fuchs im Springsattel“ blieb fehlerfrei – bis zur dreifachen Kombination. Eine Stange am ersten Sprung fällt, Broomes große Chance, wenn er die Nerven behält. Dreimal streift Sunsalve mit der Hinterhand, dreimal bleibt die Stange liegen, zwei Mal null Fehler.

Nur ein Stechen gibt es, die Zeit ist entscheidend, Broome muss die Vorgabe des Portugiesen Major Callado schlagen, 37,1 fehlerlose Sekunden. Der Brite nimmt das Herz in die Hand, meistert die Mauer, die Triplebarre, die Dreifache. Die Uhr stoppt bei 36,7 Sekunden. Ein neuer Star ist geboren, d’Inzeo entthront.

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