Mit 68 Jahren ein Top-Auslaufmodell: Klaus Offergeld bewältigt 150. Marathon

Von: Hans-Peter Leisten
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Unterwegs beim (vorerst) letzten Marathon in diesem Jahr: Klaus Offergeld im Gleichschritt mit Laufpartnerin Caro auf seiner Lieblingsstrecke in Monschau. Foto: Offergeld
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Die Schuhe wechseln, der Läufer bleibt: Klaus Offergeld mit seinem ersten und dem aktuellen Paar Laufschuhe. Foto: Michael Jaspers

Marathon Aachen. Das leichte Zwicken in den Gelenken ist längst verflogen, das mag auch an der verspeisten Finisher-Torte gelegen haben. Klaus Offergeld federt mit der Geschmeidigkeit eines 68-Jährigen Treppen rauf und auch wieder runter. Was mitnichten selbstverständlich ist, denn der Aachener hat jüngst einen Marathonlauf absolviert. Nicht irgendeinen – es war sein 150.

Exakt 4:54:00 Stunden sind in der Ergebnisliste nachzulesen, aber Klaus Offergeld sagt: „Zeiten interessieren mich nicht mehr.“ Wer wollte dem Mann angesichts des dezent fortgeschrittenen Alters nicht glauben ...?

Klaus Offergeld ist gewiss ein Ausnahmeläufer in der regionalen Sportlandschaft. 150 mal 42 Kilometer können nicht viele Läufer in ihren Urkundensammlungen dokumentieren. Etwas kurios wirkt die Zahl angesichts der Startumstände in die Läuferkarriere: „Nach meiner zweiten Miniskusoperation sagte mir der Arzt, dass ich Fußballspielen und Skifahren vergessen könnte.“

Statt Fußball- und Skischuhen standen also Laufschuhe im Schuhregal im Hause Offergeld. In Menden im Sauerland ging es zum ersten Mal an den Start. 3:02:56 Stunden waren bei der Premiere eine durchaus beachtliche Zeit – und Ansporn weiterzumachen. Von 1980 an reihte sich Lauf an Lauf, im Schnitt lief der Aachener gut alle zehn Wochen einen Marathon.

Auch das Zahlenspiel mit den erlaufenen Zeiten ist bemerkenswert: Die 50 schnellsten Marathons lief der frühere Realschullehrer in einer Durchschnittszeit von 3:06:15, der Gesamtdurchschnitt aller Läufe liegt bei 3:17:45.

Angesichts dieser Ergebnisse glaubt man dem – und darauf legt er Wert – Ur-Öcher, dass ihn heute Zeiten nicht mehr interessieren. Beim jüngsten Monschau-Marathon hat er auch schon mal ein Plausch-Päuschen mit Peter Borsdorff von „Running for Kids“ gehalten. Dass seine Bestzeit überhaupt bei 2:46:06 Stunden liegt, muss man eher aus ihm herauskitzeln.

Der Laufleidenschaft hat Klaus Offergeld quasi als Nebenprodukt eine Europa-Visite beschert. Die Strecke in Köln kennt er genauso wie die in Prag, Helsiniki, Amsterdam, Brüssel und Lille. Und die Lieblingsstrecke? „Immer noch die in Monschau.“

Das werden die dortigen Organisatoren gerne hören und Klaus Offergeld vielleicht 2018 besonders anfeuern, wenn er an den Start geht. 69 Jahre wird er dann alt sein. Die Zahl von 150 Marathons will er wahrscheinlich für sich stehen lassen und hat sich für einen anderen Wettbewerb angemeldet – den Ultra-Lauf. Der geht über 56 Kilometer. Ist auch nicht sein erster.

Man könnte mutmaßen, dass der Mann den Tempomat in sich nicht abschalten kann. In seiner Läuferphilosophie findet man dafür aber eine schlüssige Erklärung. Klar ist der sportliche Anspruch: Der bekennende Alemannia-Fan ist schon immer gerne schnell und viel gelaufen. Aber da ist noch mehr: „Ich jogge für mich. Man läuft als Tiger los und kommt als Miezekatze im Ziel an. Laufen ist so eine Art Psychohygiene.“

Damit spricht er durchaus eine allgemeingültige Läuferdenke an – aber Klaus Offergeld hat diese Gedanken mit außergewöhnlicher Kontinuität in Schritte umgesetzt. Am liebsten läuft er alleine, stimmt aber seine Schritte auch gerne in der Gruppe ab.

Im Laufen findet er auch die Kraft für seine außersportlichen Aktivitäten. Für die Musik im Chor „KataStrophe“, für die Schauspielerei bei einer Inszenierung im Das Da Theater. Vor allem für die Hospizarbeit im ehrenamtlichen stationären und ambulanten Bereich. Viele Menschen hat er in ihrer letzten Lebensphase begleitet.

Aus dieser Denke heraus ist der große Befürworter medizinischer Vorsorge vielleicht auch den spektakulärsten Lauf seines Lebens angegangen. Im steirischen Graz hatte er mehrfach am 24-Stunden-Lauf teilgenommen. „Und nach dem neunten Lauf habe ich etwas leichtsinnig gesagt: Zum zehnten Lauf komme ich zu Fuß.“

Er wurde beim Wort genommen. Also organisierte er seinen persönlichen Sponsorenlauf über 1008 Kilometer von Eschweiler nach Graz. Klamotten und Proviant in einem Babyjogger verstaut, absolvierte er die Distanz in elf Tagen. Am Ende kamen 37.000 Mark für die Kinderkrebshilfe zusammen. Die waren ihm am Ende wichtiger als alle Urkunden und Medaillen. Die sind gut in einer Kiste verstaut. „Ich habe immer gesagt: Als Rentner sortiere und arrangiere ich alles.“

Im „Ruhestand“ ist er mit dem Fahrrad sogar fast 3000 Kilometer bis zum Nordkap gefahren. Statt zu sortieren sammelt er also weiter. Ein Ende ist nicht in Sicht. Vielleicht liegt es daran, dass Klaus Offergeld das Laufen mit Leichtigkeit nimmt: „Hier ist der Start, da ist das Ziel. Dazwischen musst Du einfach laufen.“

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