Aachen - Europameisterschaft: Aachener holt mit Derny die Silbermedaille

Europameisterschaft: Aachener holt mit Derny die Silbermedaille

Von: Helga Raue
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Auf dem Weg zur EM-Silbermedaille: der Aachener Christoph Schweizer. Foto: Christian Passi
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Freude über die Silbermedaille: Christoph Schweizer und sein Schrittmacher Christian Dippel.

Radsport Aachen. Einen Moment lang überlegt Christoph Schweizer. „Man kann deutlich mehr Gas geben, fährt schneller, das macht Spaß. Auch weil es viel um taktische und technische Feinheiten geht“, beschreibt der 31-Jährige dann, warum er so gerne auf dem Derny-Rad unterwegs ist.

Das übrigens weder eine Gangschaltung noch Bremsen hat und mit dem man hauptsächlich auf der Bahn unterwegs ist. Der Windschatten ist noch ein größeres Thema als auf der Straße, denn beim Derny haben die Radfahrer als Schrittmacher einen Kollegen auf dem Motorrad vor sich. Der übrigens keinen Rückspiegel an seinem Zweirad hat. „Das muss man fühlen“, sagt Schweizer und lacht.

Der Aachener hat in der Tat gut Lachen, denn bei den Derny-Europameisterschaften in Hannover bewies er zusammen mit seinem fast 70-jährigen Schrittmacher Christian Dippel (Bielefeld), wie viel Gefühl sie auf die Bahn bringen können. Schweizer wurde Vize-Europameister.

Und das Gefühl ist wichtig, denn Radfahrer und Schrittmacher können sich nur vor dem Rennen absprechen, haben unterwegs nicht etwa über Funk Kontakt. Man kann rufen, ,he‘ für schneller oder wie bei einem Pferd ,ho‘ für langsamer, das ist es aber auch schon, denn für mehr ist es auf der Strecke mit den Motorrädern einfach zu laut“, so Schweizer.

Neun Fahrer hatten sich für das Finale über 120 Runden und 40 Kilometer qualifiziert. Nach einem schnellen Start hatten sich vier Fahrer abgesetzt – Schweizer, Achim Burkart (Oberhausen/Rheinhausen), der Italiener Ricardo Minali (Worldtour-Profi bei Astana) und der Brite Matt Gittings, der nach der Hälfte des Rennens nicht mehr mithalten konnte. „Dass sind 55 Runden vor Schluss zwei Holzlatten in der über 50 Jahre alten Bahn gebrochen, und das Rennen musste unterbrochen werden, bis die Bahn repariert war“, berichtet Schweizer.

Beim dem extrem schnellen Neustart zog Burkart davon. „Ich habe das nicht so gut vertragen, musste erst ein paar Runden wieder zu Luft kommen“, so Schweizer. Der nun auf Rang drei lag. Doch der vor ihm liegende Italiener rieb sich bei seinem Angriff auf Burkart auf. „Er hat Kraft vergeudet und den Anschluss an seinen Schrittmacher verloren“, erläutert Schweizer, der in Schlagdistanz blieb. Der Aachener griff aus dem Windschatten heraus an und fuhr hinter seinem Landsmann zur Silbermedaille – nach DM-Bronze sein bisher größter Erfolg auf dem Derny.

Seit „vier, fünf Jahren“ fährt der Aachener Zugvogel neben Straßenrennen auch auf dem Derny. In der Vorbereitung wurde er übrigens von Bruder Michael unterstützt. „Er hat Anfang des Jahres seine Lizenz gemacht und das Motorrad gefahren, wenn wir in Köln auf der Bahn trainiert haben.“ Sein älterer Bruder, inzwischen 34 Jahre alt, war ebenfalls auf dem Rad sehr erfolgreich, hat seine Karriere aber inzwischen beendet

Nun ist erst einmal ein bisschen Pause, dann geht es mit dem Team Sauerland NRW auf der Straße zum Mannschaftszeitfahren in Genthin (Sachsen-Anhalt), ehe die Saison mit dem Münsterland-Giro am 3. Oktober endet.

„Dann werde ich die Beine mal ein wenig baumeln lassen“, sagt Schweizer und lacht wieder. Lang wird die Pause für den Aachener aber nicht sein, denn schon am 1. November fällt der Startschuss für die Vorbereitung auf die nächste Saison.

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