Aachen - Der Enkel auf den Spuren des Großvaters

Der Enkel auf den Spuren des Großvaters

Von: Helga Raue
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„Mein Opa ist sowieso mein Vorbild“: Tanner und Herbert Wilden, der Ende der 60er Jahre in der Zweiten Liga spielte. Foto: Andreas Steindl
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Steht vor seiner Abreise nach Kanada: Tanner Wilden.

Fußball Aachen. „Ich habe ihm gesagt, fang lieber nicht mit dem Fußballspielen an. Er war so unbegabt am Ball. Ich habe ihm aus Portugal damals Golfschläger mitgebracht, dafür war er mit seinem Bewegungsablauf prädestiniert.“ Die Worte kommen aus berufenem Mund, denn Herbert Wilden ist nicht nur der Großvater von Tanner, er war auch selbst einmal Fußball-Profi.

Doch der kleine Tanner wollte Fußball spielen. „Er hat zu Hause immer wieder den Ball gegen die Wand geschossen, und man sah wirklich Fortschritte. Und ich bin heute ganz erstaunt, wenn ich ihn spielen sehe“, freut sich Herbert Wilden, dass der Enkel offensichtlich mit diesen Fähigkeiten eher nach ihm gerät, denn sein Sohn Thomas, Tanners Vater, war „nicht so der Fußballer, aber dafür ist er sehr gut im Tennis“, wie Herbert Wilden lächelnd sagt.

Fest eingeplant bei Mirko Braun

Vergangene Saison half Tanner Wilden, der im September 19 Jahre alt wird, als A-Jugendlicher in der Rückrunde bereits im Team des Fußball-Bezirksligisten SV Rott aus. Coach Mirko Braun hatte für die kommende Saison fest mit ihm geplant, doch Tanner Wilden wird im August nach Saint Marie in Kanada reisen, wo er an der Algoma University im College-Team spielen und ein Studium in Business-Administration aufnehmen wird – dank eines Stipendiums, das ihm sein Fußballspielen eingebracht hat.

„Das war mein Traum, ich wollte gerne im Ausland, besonders in den USA, Fußball spielen“, sagt Tanner. Seine Vorliebe für die Staaten kommt nicht von ungefähr, Mutter Kimberly ist Amerikanerin, auch Tanner und seine Schwester haben beide Staatsangehörigkeiten. „Ich habe mich schon in der B-Jugend bei NCIS angemeldet, einer Seite, auf der die College-Coaches sichten. Und ich habe Videos von mir hochgeladen“, erläutert der junge Spieler, der in den USA geboren und im Alter von drei Jahren nach Aachen kam.

Vor zwei Jahren sah ihn bei einem Camp in den USA, wo Tanner in den Ferien oft weilt, Coach Nick Mullen. „Im vergangenen Jahr rief er wie aus dem Nichts an. Ich habe ihn zuerst gar nicht verstanden, als er mich fragte, ob ich Interesse hätte, in Kanada Fußball zu spielen und zu studieren“, so Tanner Wilden, der schon nach Ausbildungsplätzen für die Zeit nach dem Abitur gesucht hatte.

Die Entscheidung für Kanada fiel im Frühjahr, als der Coach nach Europa kam und auch in Rott beim Training und bei einem Spiel vorbeischaute, bevor er weiter nach London – ebenfalls zur Talentsichtung – flog. „Er war begeistert“, berichtet Tanner. Und sein Opa ergänzt mit berechtigtem Stolz. „Tanner ist rasend schnell, und sein Rotter Trainer – Mirko Braun – hat gesagt, ,Tanner, ich mache eine Maschine aus Dir‘.“ Bei dem Bezirksligisten agierte er defensiv eher zentral, aber „ich kann beides“, so Tanner, der seine Fußball-Karriere in der F-Jugend bei Borussia Brand begonnen hat, in der D-Jugend zu Hertha Walheim und Ende der B-Jugend weiter zum SV Rott wechselte.

International besetztes Team

Das Team der Algomy University spielt konstant in der ersten College-Liga und ist international besetzt, neben dem Deutschen auch mit Brasilianern und Argentiniern. In diesen Augusttagen fliegt der 18-Jährige in die USA nach Fort Myers in Urlaub, wird Ende August – verspätet – ins College einziehen. Verspätet, weil die Saison bereits Anfang August beginnt. „Da ich gerade erst Abitur gemacht habe, hat man mir den Urlaub noch zugestanden“, so Tanner, der nun natürlich hofft, „Profi zu werden. Es wäre optimal, wenn das klappen würde, wenn nicht, habe ich aber zumindest ein Studium in der Tasche.“

Vorbild ist übrigens Cristiano Ronaldo – und der „Opa sowieso“. Der hatte mit neun Jahren seine Karriere in Brand angefangen – natürlich bei der Borussia. „Ich habe mich am gleichen Tag wie Hacki Wimmer angemeldet“, erinnert sich der 72-Jährige. Mit dem damaligen Landesligisten stieg er in die Verbandsliga (heute Mittelrheinliga) auf.

1968 wechselte Herbert Wilden zum damaligen Zweitligisten Fortuna Köln. „Das war meine schlechteste Entscheidung“, sagt der frühere Mittelstürmer, der mit 26 Treffern auch schon Torschützenkönig in der Verbandsliga war, seufzend. „Eine Woche später rief der 1. FC Köln an, doch Jean Löring wollte mich nicht aus dem Vertrag lassen.“ Weitere Stationen waren Fortuna Düsseldorf, Kaiserslautern, Truiden/Belgien und zum Karriereende Roda Kerkrade.

„Mit 30 Jahren musste ich eine Entscheidung treffen, ich habe mich für den Beruf entschieden. Aber ich möchte nichts missen, es war eine Traumzeit“, versteht der heute 72-Jährige die Träume seines Enkels nur zu gut. Herbert Wilden ließ sich nach dem Ende seiner Profikarriere reamateurisieren und spielte noch fünf Jahre lang in Belgien, unter anderem bei La Calamine. „Und auch in Belgien habe ich keine Saison unter 30 Toren gemacht.“

Seine Wurzeln vergisst Tanner Wilden sicher nicht, er will beim SV Rott angemeldet bleiben.

„Im Frühjahr wäre ich in der studienfreien Zeit immer in Deutschland. Da würde ich gerne bei Rott mittrainieren.“

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