Zur Halbzeit ist Borussia fast K.o., am Ende enttäuscht

Von: Heribert Förster
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Der Premierenjubel: Igor de Camargo zelebriert seinen ersten Treffer für die Borussia. Foto: imago/Uwe Kraft

Mönchengladbach. Der Fußball-Weltverband ist ja immer für eine Überraschung gut. Doch die Einführung eines Abbruchsieges wegen technischer Überlegenheit wird es niemals geben. Gäbe es ihn, Borussia Mönchengladbach wäre am Samstag nach 45 Minuten gegen Bayern München aus dem Ring genommen worden. Dem Knockout entgegentaumelnd, hätte so mancher Zuschauer im Borussia-Park liebend gerne das Handtuch geworfen.

Zu aussichtslos war das ungleiche Duell zwischen der Borussia und den Bayern, zu dominant der Gast. Gefühlte 90 Prozent betrug Münchens Ballbesitz in Halbzeit 1, zwischendurch waren es tatsächlich mal 81 Prozent, am Ende durchgehend 74 Prozent. Gigantisch!

Die nach wie vor ernst gemeinten Treueschwüre der Verantwortlichen zum trainierenden Personal und Konzept wären wie blanker Hohn dahergekommen, wäre die bayerische Überlegenheit auch zahlenmäßig dokumentiert worden. Doch nur Mario Gomez (11.) per Kopf und Bastian Schweinsteiger per Hacke (40.) beförderten den Ball über die Linie.

Das locker mögliche 5:1 bis zum Seitenwechsel vergaben Hamit Altintop und Gomez, die am prima reagierenden Christofer Heimeroth scheiterten (16., 37.) sowie Toni Kroos, der nach der Fuß-Abwehr des Borussen-Keepers gegen Gomez den Ball dann auf die Latte lupfte.

Die traf auch noch Schweinsteiger per Kopf (30.), und auch der Außenpfosten stand dem feinen Denker und Lenker des Bayern-Spiels im Weg. Schweinsteigers Strafstoß nach Sebastian Schachtens plumpem Abwehrversuch gegen Altintop bedeutete nicht das 3:1, nicht die Vorentscheidung (43.).

Marco Reus fasste die 45 Minuten kurz und knapp zusammen: „Katastrophal!” Der K.o. durch technische Überlegenheit war nur eine Frage der Zeit, doch nach gespielten 60 Minuten fiel einem der Satz von Sportdirektor Max Eberl vor dem Spiel ein, der was gesagt hatte von angeschlagenen Boxern, und dass diese ja manchmal besonders gefährlich seien...

Wie wahr, denn nachdem Trainer Michael Frontzeck in der Halbzeitpause laut Heimeroth „eine ruhige, sachliche Ansprache gewählt”, auf die (zahlreichen) Fehler hingewiesen und zwei personelle Korrekturen vorgenommen hatte, schlugen die Borussen zurück. Sie piekten die Bayern nicht nur, sie waren nun 20 Minuten gleichwertig - und dank hundertprozentiger Chancenverwertung sogar dem „Punktsieg” nahe.

Der eingewechselte Igor de Camargo bediente nach Roman Neustädters energischem Ballgewinn einmal ganz fein Reus (56.), und Reus bediente einmal ganz fein de Camargo (60.), und schon führte die Borussia wieder. Wie kurz einmal zu Beginn, als sich Patrick Hermanns sensationeller Flankenschuss ins Tor gesenkt hatte (5.).

Bei der anschließenden Abwehrschlacht agierten die Borussen, zwar manchmal immer noch viel zu tief stehend, aber besser als vor der Pause, sie kämpften, ackerten, rackerten, doch der gerechte Lohn blieb dem unermüdlichen Meister nicht versagt. Einen von Filip Daems unglücklich abgefälschten Pass von Anatoli Timoschtschuk verwertete Philipp Lahm zum 3:3-Endstand (84.).

Was die Borussen sogar hadern ließ, „mein Team sitzt in der Kabine und ist ein Stück weit enttäuscht”, berichtete Frontzeck, der mit dem nicht zu einhundert Prozent fitten Roel Brouwers und de Camargo in der Halbzeit den richtigen Griff tat, den überforderten Schachten und den unsichtbaren Mo Idrissou vom Platz nahm.

Das Gute mitnehmen wolle man nun, sagten alle Borussen, so wie sie es nach dem Pokal-Triumph über Leverkusen auch gesagt hatten. Um dann in Kaiserslautern nur das Schlechte zu zeigen. Am Samstag in Köln sollte das nicht passieren. Denn Fakt ist, was Tobias Levels weiß: „Wir müssen noch einige Punkte holen bis zur Winterpause.” Egal, ob dank technischer Überlegenheit oder mit einem „schmutzigen Punktsieg”.
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