Mönchengladbach - Wiederholt Borussia Mönchengladbach seinen Überraschungssieg?

Wiederholt Borussia Mönchengladbach seinen Überraschungssieg?

Von: Bernd Schneiders
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Gemeinsam gehts besser - wie
Gemeinsam gehts besser - wie hier für Gladbachs Marco Reus (links) und Roel Brouwers im Hinspiel gegen Nils Petersen. Foto: imago/Plusphoto

Mönchengladbach. Daten eines Abstiegs: Erst acht Tore, dann ein Tor, dann kein Tor - bisher. Eine niederschmetternde Statistik für einen Fußball-Profi aus den letzten zweieinhalb Spielzeiten. Doch Roel Brouwers ist Innenverteidiger.

Und muss einen verborgenen Schalter haben. Nach seinem Stammspieler-Dasein in der Saison 2009/2010 (34 Einsätze) hat es der mittlerweile 30-jährigen Niederländer zu einer Qualität gebracht, nach der jeder Trainer sich die Finger leckt: Wenn er gebraucht wird, ist er da - von der Bank. Nur auf neun Bundesliga-Partien kam der Abwehrspezialist in dieser Saison, stand dabei nur sechs Mal in der Startformation.

Er ist damit Opfer und Täter zugleich bei Borussia Mönchengladbachs neuer Abwehrherrlichkeit. Er ist der Stachel im Fleisch von Martin Stranzl und Dante, der österreichische Abwehrrecke und der brasilianische Abwehrchef können sich keinen Leistungsabfall erlauben.

Und der Garant für ein Fortbestehen dieser Defensivqualität, wenn einer aus diesem hochkarätigen Duett ausfallen sollte. Das passierte aus medizinischen Gründen zum Saisonauftakt, Stranzl war verletzt. Und es passiert heute wieder, aus unsportlichen Gründen. Diesmal springt der Limburger für den gelbgesperrten Dante ein.

Damals wie aktuell der Gegner: Bayern München (20.30/ARD). Im August gab es ein sensationelles 1:0 in München. Würde Borussia erneut gewinnen, wäre es derweil weniger sensationell. Denn der Fast-Absteiger hat sich in der Hinrunde im oberen Tabellenviertel eingenistet.

Von der Schweizer Logik her ändert sich allerdings wenig an der zu überbrückenden Kluft zwischen den Bayern und seiner Borussia: „Die Bayern sind besser geworden - und wir auch.” Sagt Favre.

Grundsätzlich was gegen den Begriff sensationell hat Hans Meyer. Gladbachs Präsidiumsmitglied bevorzugt die Vokabel „überraschend”. Für das heutige Duell der Altmeister setzt der Ex-Trainer den Anspruch an seinen Klub sogar noch höher. „Zu Hause solltest du immer in der Lage sein, alle Mannschaften zu schlagen.”

Mehr als gegen alle anderen hochkarätigen Gegner wird es aber im Bundesligaspiel 1 des Jahres 2012 darauf ankommen, ans und übers Limit zu gehen. Auch, was das Kollektiv angeht. Zu glauben, als Tabellenvierter auch nur einen Millimeter weniger laufen, sich weniger darauf konzentrieren zu müssen, den Bayern das Leben schwer zu machen, dafür aber mehr aufs eigene inzwischen besser entwickelte Spielvermögen zu setzen, wäre fatal.

Das Gift könnte ein schleichendes sein: durch die Erfolgssträhne zu glauben, es nun auch individuell mit Robben & Co. aufnehmen zu können. Wie in München sind die Bayern nur im Kollektiv, mit der permanenten Bereitschaft, dem Kollegen beizustehen, zu packen. Lucien Favre bringt die Schwierigkeit in einem Satz unter: „Wir spielen fast gegen die Nationalmannschaft.”

Zu der, der deutschen, zählt auf der Gegenseite nur Marco Reus. Dessen Wechsel im Sommer zu Dortmund hat die Borussen nur einen Tag lang gelähmt, wie Favre erklärt: „Das war für alle sehr schwer, auch für mich. Aber das ist jetzt vorbei.”

Die Ein-Tages-Depression verflogen, die Erkältung, die den Schweizer im Trainingslager zusätzlich belastete, ist am Abklingen. Jetzt kommt der Bundesliga-Alltag mit den dazwischen liegenden Unterrichtseinheiten, die Favre so sehr braucht und liebt.

Und Reus selbst ist eh wenig gefährdet von all den Schlagzeilen, weil einer seiner großen Trümpfe die pure Lust am Fußball ist. Für eine zusätzliche Motivation haben die Bayern selbst gesorgt, als sie sich nach dem verlorenen Transfer-Duell mit dem BVB als enttäuschte Liebhaber und schlechte Verlierer zeigten.

Die despektierlichen Sprüche und die irrwitzige Unterstellung, Reus hätte eine Stammplatzgarantie in seinem Vertrag haben wollen, sind Doping pur. „Wenn gestichelt wird, wird auch einer getroffen”, prophezeit Sportdirektor Max Eberl. „Marco Reus kann sich bei jedem Verein durchsetzen.”

Das kann Roel Brouwers nicht. Und das Gute ist: er weiß es - anders als sein Noch-Kollege Roman Neustädter. Der 30-jährige Innenverteidiger ist der typische Kollektiv-Spieler, hat heute aber die Chance, seinen individuellen Rekord zu verbessern. Bisher steht nur ein Assist zu Buche, allerdings ein goldener - aus dem Hinspiel zum 1:0 durch Igor de Camargo gegen die Bayern.
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