Werner Spinner will den FC-Stall ausmisten

Von: Günter Kirschbaum
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Der neue FC-Präsident: Werner
Der neue FC-Präsident: Werner Spinner und sein Team wurden gestern Abend von den Mitgliedern mit überwältigender Mehrheit gewählt. Foto: dpa

Köln. Als Karl-Heinz Thielen ein paar Minuten gesprochen hatte, war klar, dass der Kölner Alt-Internationale die Lanxess-Arena nicht als neuer Präsident des 1. FC Köln verlassen würde. Zu schwach war sein Auftritt, zu stark die Bewerbungsrede seines Konkurrenten Werner Spinner.

Das Votum war nach gut drei Stunden außerordentlicher Mitgliederversammlung eindeutig: Mit 3233 Stimmen wurden Spinner und seine Vizepräsidenten Toni Schumacher und Markus Ritterbach gewählt.

4279 Mitglieder waren gekommen, um die neue FC-Führung zu küren. Es war der professionellen Versammlungsleitung von Verwaltungsrats-Chef Werner Wolf geschuldet, dass der Abend zu keinem Zeitpunkt aus dem Ruder zu laufen drohte. Das Einzige, das an Versammlungen aus der Vergangenheit erinnerte, war der folkloristische Rahmen. Und das schon traditionelle Grußwort des Cheftrainers ans FC-Volk.

Frank Schaefer hatte seinen Assistenten Dirk Lottner und Teammanager Stephan Engels mitgebracht. Es war ein äußerst cleverer Schachzug, Schaefer reden zu lassen. Und wie es der Mentalität des 48-Jährigen entspricht, holte der Trainer weit aus, um seine Botschaft in die Arena zu rufen: „Das Entscheidende ist, dass wir Geschlossenheit zeigen und eine Stärke entwickeln, wie es nur ganz wenige Vereine in Deutschland können wie der 1. FC Köln. Es wäre unseriös, ihnen Versprechungen zu machen. Aber ich glaube an den Klassenerhalt.” Schaefer sagte, was die Fans hören wollten. Dafür erntete er Standing ovations.

Doch das änderte nichts daran, dass die nächste Etappe dem Wahlkampf gehörte, der diese Bezeichnung nicht verdient hatte. Der frühere FC-Stürmer und Westlotto-Geschäftsführer Karl-Heinz Thielen trat als selbst ernannter Präsidentschaftskandidat an, kritisierte die Vereinsführung und - unter Pfiffen - die Entlassung von Volker Finke. Thielen sammelte kaum Punkte. Der Höhepunkt seiner Bewerbungsrede war die Reaktion auf seine rhetorische Frage: „Soll ich Präsident werden?” kaum die lautstarke Replik: „Bloß nicht!” Spätestens als Thielen den Namen des Investors Franz-Josef Wernze als seine „Verbindung zum Kapital” anführte, stürzten seine Aktien ins Bodenlose.

Vor seiner Wahl nannte Werner Spinner die Eckpunkte seines Konzeptes. Und das unterscheidet sich kaum von denen seiner Vorgänger. Professionell soll die Arbeit des Präsidiums werden, Disziplin soll in Geißbockheim Einzug halten, die Außendarstellung runderneuert werden. „Wir lassen uns nicht mehr von den Medien durch Köln treiben”, rief Spinner in den Saal. „Das schadet uns in ganz Deutschland.” Und dann schrieb der neue Präsident dem Verein noch ins Stammbuch: „In diesem Verein fehlt Disziplin. Sie können das Geißbockheim mit Geld tapezieren - sie werden ohne Disziplin nicht erfolgreich sein.” Der ehemalige Top-Manager der Bayer AG hat sich viel vorgenommen.

Spinner kündigte sich als Sanierer des Klubs an, der sich an die Herkules-Aufgabe wagt, den Klüngel rauszukehren und die Macht des Präsidenten zu beschneiden. „Alleinherrscher brauchen wir hier nicht” sagte Spinner. „Die haben uns dahin gebracht.

Schnellstens will das neue Team einen Sportdirektor verpflichten. Namen wurden nicht genannt. Unterdessen meldete sich Jörg Schmadtke aus Hannover zu Wort. „Ich weiß nicht, wer da immer mit meiner Person Politik macht”, sagte der 96-Manager. Er habe keinerlei Kontakt zum FC.
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