Wenn die Spieltage davon galoppieren

Von: Bernd Schneiders
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Kopflos? Gladbachs Keeper Logan Bailly will nach dem Ausgleich nicht mehr da sein. Foto: getty

Mönchengladbach. Man kennt den Witz, der am 1:1 klebt wie die Fliege am Leim: Es hätte auch umgekehrt ausgehen können. Für Borussia Mönchengladbach wäre es ein Segen gewesen. Das selbe Ergebnis, auch nur ein Punkt gegen den Tabellenführer, aber ein Kick für die Zukunft.

Stattdessen machte sich in der Borussen-Kabine Lethargie breit nach dem Unentschieden gegen 1899 Hoffenheim. Hätte der Außenseiter in 89. Minute den Ausgleich erzielt, Fans und Spieler hätten sich in den Armen gelegen. Mit Freudentränen. Aufbruchstimmung, Begeisterung, das stimulierende Gefühl, den Bock umgestoßen zu haben (aus dem Wortschatz von Hans Meyer).

Stattdessen berichtete Mönchengladbachs Trainer zeitversetzt aus der Borussen-Kabine: „Getanzt hat keiner!”

Stattdessen geschwiegen, jeder für sich bei Frust- und Trauerarbeit, die durch Meldungen von außen noch schwieriger wurde. „Der KSC hat in letzter Minute gewonnen, Michael Frontzeck mit Bielefeld aus zwei Spielen vier Punkte geholt, das trägt nicht dazu bei, dass in der Kabine Freude herrscht.”

Eine reguläre Spielminute hatte dem Abstiegskandidaten gefehlt, um mit einem „fetten” Dreier vor allem psychologisch die Wende einzuläuten. „Wie ein Schlag ins Gesicht”, zeigte sich selbst Routinier Paul Stalteri getroffen.

Die paradoxe und womöglich einmalige Situation, mit elf Punkten noch keine Planungssicheheit für die 2. Liga zu haben, löst sich auf, weil Teile der Konkurrenz plötzlich nicht mehr mitmachen wollen im ligageschichtsträchtigen Spielchen: Mit wie wenig Punkten kann man noch die Klasse halten?

„Wir haben noch 15 Spiele, es gibt noch 45 Punkte, aber mit einem Punktepolster von 12 wird es nicht gerade leichter”, lautet Meyers Hochrechnung süß-sauer. Borussia galoppieren die Spieltage davon, die ehemaligen „Fohlen” traben nur auf der Stelle.

Der Ausgleich durch den Kopfball des eingewechselten Wellington zerstörte auch die heroische Geschichte des Alexander nun nicht mehr ganz so Großen. Baumjohann hatte mit einem beherzten Distanz-Schuss die Fans nicht nur das Träumen sondern auch Reue gelehrt.

Im letzten Testspiel hatte sich der baldige Wahl-Münchner „Bayern-Schwein”-Rufe gefallen lassen müssen. Nun wurde er mit rauschendem Applaus vorzeitig als „Retter” verabschiedet - sieben Minuten vor dem Nackenschlag.

Spielerisch, taktisch, von der Organisation machte die Meyer-Elf einen weiteren Schritt nach vorn. „Gladbach hat unser Spiel zumindest 80 Minuten nicht zugelasssen, sie haben richtig gut gespielt”, lobte denn auch Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick. Sein Trost wirkte dennoch wie die letzte Ölung eine siechenden Tabellenletzten: „Wenn sie so wie heute spielen, werden sie es schaffen.”

Es hätte gar noch ärger für den Niederrhein-Klub ausgehen können. Der Ausgleich war schon früher eingetütet, in der 69. Minute, für rund eine halbe Minute, bis Lutz Wagner das 1:1 wieder platzen ließ: Tomas Galasek hatte den eingewechselten Chinedu Ogbuke Obasi im Strafraum fallen lassen. Schiedsrichter Wagner pfiff direkt Foulelfmeter, um wenig später sich zu revidieren und dem Nigerianer die Gelbe Karte zu zeigen.

„Mir war die Sicht verdeckt. Mein Assistent lief zur Eckfahne, das Zeichen für Strafstoß. Dann aber hat er sofort signalisiert, dass es kein Elfer war, sondern Obasi sich schon vorher fallen ließ.” Und dann wurde der Fertigungsleiter beinah philosophisch: „Ganz schwierig: Was ist zuerst da, der Tritt gegen das Bein oder das Fallen?”

Für Rangnick der Tritt, auch wenn er Obasi den Mini-Vorwurf machte: „Vielleicht hat er den Fehler gemacht und den Elfer zu sehr gewollt.” Diese nicht nur mentale Labilität bestätigte unbeabsichtigt auch sein Mittelfeldspieler: „Ich hab´ ihn kommen sehen.”

Glück für Borussia endlich einmal, inklusive der beinah schadlos überstandenen Sturm-und-Drangphase der Hoffenheimer, könnte man denken. Doch das war schnell aufgebraucht. Wellington stand bei seinem Kopfballtor im Abseits. „Schwierig zu sehen. Im Zweifelsfall aber soll man sich für den Angreifer entscheiden. Es war ganz eng”, rechtfertigte sich Wagner.

Übersetzt, es war abseits, ein bisschen aber nur. Womöglich ist der Geschädigte dadurch abgestiegen, ein bisschen aber nur.
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