Wechsel zur Familie in Abstiegsnot

Wechsel zur Familie in Abstiegsnot

Von: Marc Basten
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Borussia Mönchengladbach muss auch im DFB-Pokalspiel bei Hertha BSC ohne Fußballprofi Martin Stranzl auskommen. Foto: Olaf Kozany

<b>La Cala des Mijas.</b> Wenn eine Mannschaft in der Winterpause mit nur zehn Punkten und einem fast schon historischen Tiefstwert von 47 Gegentoren am Tabellenende steht, ist es nicht überraschend, dass die Verantwortlichen vor allem Handlungsbedarf in der Defensive ausgemacht haben. Beim Liga-Schlusslicht Borussia Mönchengladbach kam Abwehrchef Dante im ersten Halbjahr der Saison verletzungsbedingt nur auf fünf Einsätze, sein eigentlich als Nebenmann eingeplanter Kollege Roel Brouwers auf neun Spiele.

So hatte die Verpflichtung eines „gestandenen” Innenverteidigers oberste Priorität bei den Planungen von Sportdirektor Max Eberl in der Winterpause.

Die Wahl fiel auf: Martin Stranzl. Der 30-Jährige kennt die Bundesliga aus seiner Zeit bei 1860 München und dem VfB Stuttgart und sammelte zudem in fünf Jahren beim russischen Erstligisten Spartak Moskau internationale Erfahrung - inklusive Einsätze in der Champions League.

In Moskau war Stranzl zunächst unumstrittener Stammspieler, kam nach einer Verletzungspause zuletzt allerdings nicht mehr an dem zwischenzeitlich installierten Innenverteidiger-Duo vorbei. „So war es folgerichtig, dass es eine Veränderung geben musste”, erzählt der 56-malige österreichische Nationalspieler im Trainingslager der Gladbacher Borussia im spanischen La Cala des Mijas.

Trotz eines Angebotes aus Salzburg zog es Stranzl nicht in die eher beschauliche österreichische Heimat, sondern für eine geschätzte Ablösesumme von 800.000 Euro mitten rein in den Abstiegskampf am Niederrhein. „Die Chemie hat in den ersten Gesprächen mit Max Eberl und Michael Frontzeck direkt gestimmt. Natürlich ist es eine komplizierte Situation, doch schwierige Aufgaben reizten mich schon immer”, erläutert der 1,90-m-Mann seine Gründe für den Wechsel nach Mönchengladbach.

„Borussia ist ein familiärer Verein, das habe ich gesucht”, sagt Stranzl. Im Vergleich zu Moskau ist Mönchengladbach eine komplett andere Welt. „Es war alles riesengroß und die Wege unglaublich lang. 35 Kilometer zum Trainingsplatz, die Verwaltung des Vereins lag in der entgegengesetzten Richtung. Dazu kamen die Reisen zu den Auswärtsspielen, für die man zwei bis drei Tage einplanen musste.”

Immerhin fünf Jahre blieb Martin Stranzl in Moskau. Kyrillisch lernte er genauso wie die russische Sprache. „Da blieb mir auch nichts anderes übrig. Im Verein wurden die Besprechungen nur auf Russisch geführt, einen Dolmetscher gab es nicht, und mit Englisch kamst du nicht weit.”

Der Österreicher biss sich in Moskau durch und will die Erfahrungen, die er in der russischen Metropole sowohl als Mensch als auch als Fußballer gemacht hat, nicht missen. Doch nun schlägt er ein neues Kapitel in seiner Karriere auf. Mönchengladbach statt Moskau, Existenzkampf statt Champions League.

Bis 2013 hat er bei der Borussia unterschrieben - auch für die Zweite Liga. An einen Abstieg will Martin Stranzl allerdings keinen Gedanken verschwenden. „Mit dem Worst-Case setze ich mich erst auseinander, wenn es so weit ist. Wir haben 17 Spiele, und wir werden alles dafür tun, die Liga zu halten.”

Bei diesem Unterfangen soll Stranzl als „Soforthelfer” mit anpacken. In den ersten Trainingseinheiten mit seiner neuen Mannschaft unter spanischer Sonne ergreift der erfahrene Manndecker direkt die Initiative. Er gibt Kommandos, stellt die Mitspieler und packt im Trainingsspiel auch schon mal eine knallharte Grätsche aus. Es wird deutlich, dass Martin Stranzl sich ganz schnell einen vorderen Platz in der bislang so porösen Hierarchie beim Tabellenletzten sichern will.

„Zum Klassenerhalt will ich meinen Beitrag leisten”, stellt er heraus. Und dies nicht nur in seiner Rolle als Innenverteidiger und Stabilisator der bisher so wackeligen Hintermannschaft des VfL, sondern auch mit seiner Erfahrung abseits des Spielfeldes. „Ich will helfen, die Mannschaft zu führen. Es ist wichtig, dass alle mit dem Druck umgehen können und bei aller Anspannung eine gewisse Lockerheit nicht verloren geht.”

Ein guter Auftakt werde wichtig sein, sagt Stranzl mit Blick auf das erste Spiel der Rückrunde in Nürnberg. Das gilt gleichermaßen für ihn persönlich und seinen neuen Arbeitgeber. Damit der Unterschied zwischen Moskau und Mönchengladbach nicht noch viel größer wird, als er im Moment ohnehin schon ist.
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