Was heckt Favre gegen Vorbild Guardiola aus?

Von: Bernd Schneiders
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Kein neues Trainergespann, aber seelenverwandte Fußball-Experten: Bayern-Coach Pep Guardiola (links) und sein Mönchengladbacher Kollege Lucien Favre. Foto: sport/MIS

Mönchengladbach. Zu sagen, das Spiel am Freitag (20.30 Uhr/ARD) beim FC Bayern München wäre ein besonderes für Lucien Favre, ist gigantisch untertrieben. Borussia Mönchengladbachs Trainer trifft auf den Mann, der für den Deutschen Meister die Qualität und Attraktivität der Spielweise vom FC Barcelona importieren soll.

Das Saison-Eröffnungsspiel ist für den Schweizer auch ein Duell mit Pep Guardiola. Der charismatische Fußballlehrer ließ beim katalanischen Klub den Fußball spielen, den Favre auch seinen Jungs einbleuen möchte. Nur zu gerne hatte Gladbachs Coach in der vorletzten Spielzeit Attribute wie „Tiki-Taka vom Niederrhein“ oder „Borussia Barcelona“ gelesen und gehört. In der letzten Saison war diese „Barca-light-Version“ arg verkümmert, als Grund beklagte Favre den Verlust seines Rückgrats (Reus, Neustädter, Dante). Jetzt aber hat Sportdirektor Max Eberl dem Schweizer Tüftler mit dem Offensiv-Duo Raffael/Max Kruse einen neuen Baustein geliefert, der mehr als nur eine Prothese werden könnte. Auch, wenn genau mit diesem Sturmgespann im Pokal beim Drittligisten Darmstadt 98 das erste Pflichtspiel in die Hose ging.

„Das brauchen wir nicht weiter zu analysieren“, sagt Lucien Favre. Die Aufgabe gegen den Triple-Sieger ist eine ganz andere, mit der er sich auch schon wesentlich länger beschäftigt. „Schon im Trainingslager haben wir darüber geredet“, erinnert sich Alvaro Dominguez. „Und auch bestimmte Sachen eingeübt.“ Borussias spanischer Innenverteidiger kennt und liebt als ehemaliger Profi von Atletico Madrid diese Herausforderungen gegen einen schier übermächtigen Gegner wie Barcelona oder die Bayern. „Davon träumst du, wenn du als kleiner Junge anfängst, Fußball zu spielen.“

Der 24-Jährige könnte für Gladbach einmal so wichtig werden wie einst Dante. Teil des neuen Rückgrats. An Selbstbewusstsein mangelt es dem Madrider nicht. Ähnlich wie sein Trainer besitzt er die Fähigkeit zu einem Streich-Ergebnis – die fünf Gegentore etwa im Telekom-Finale gegen die Bayern, seinem bisher einzigen Zusammenstoß mit der Münchner Offensiv-Kraft. In der letzten Saison verpasste Dominguez beide Partien gegen den Meister (gesperrt/verletzt). „Beim Telekom-Cup – das war kein reales Spiel. Wir haben was probiert und waren alle noch müde vom Trainingslager. Und vielleicht war es ja gut, dass wir verloren haben . . .“

Heute also das reale Spiel mit kniffliger Konstellation. „Wenn wir hoch stehen, bieten wir den Bayern viel Raum – sehr riskant. Stehen wir tief, sind sie sehr nah an unserem Tor – auch sehr riskant.“ Lucien Favre, übernehmen Sie! Der so detailbesessene Spieler-Entwickler hat die Bayern bereits zwei Mal mit taktischen Finessen in Probleme gebracht: Im Saison-Auftaktspiel vor zwei Jahren, als die Gladbacher mit einem 1:0 (de Camargo) Anlauf nahmen für eine brillante Spielzeit, und im letzten Liga-Spiel des vergangenen Jahres, als sie dem Souverän der Bundesliga immerhin ein 1:1 abtrotzten. Die Wiederholung dürfte noch komplizierter werden. Unter Guardiola sind die Bayern unberechenbar geworden. „Sie beginnen mit einem 4-3-3, um dann eine Viertelstunde später wieder umzustellen“, stöhnt Favre.

Diese taktische Flexibilität geht seiner Elf noch weitgehend ab. Diese Erkenntnis immerhin kann die Analyse des Darmstadt-Spiels liefern: Wenn Borussia es nicht schafft, die störanfälligen Passketten unfallfrei bis zur torgefährlichen Zone zu bringen, liegt Plan B nicht vor. Anders bei den Münchnern, die auch das Flügelspiel mit schnöden hohen Bällen auf Mandzukic beherrschen und nutzen. Wenn die Favre-Elf das mal probiert, entpuppt sich das Duo Raffael/Kruse naturgegeben als wenig geeigneter Abnehmer. Einer, der dafür geeignet ist, aber durchaus auch Kombinations-Qualitäten besitzt, wird auch heute wie in Darmstadt auf der Bank sitzen: Luuk de Jong.

Favre setzt auf die geistige und technische Schnelligkeit der beiden Neuzugänge. Dazu passt die Ansage seines Sportdirektors: „Wir müssen uns mit allem, was wir haben, dagegenstemmen. Aber dürfen das Fußballspielen nicht vergessen“, mahnt Max Eberl. Raffael und Kruse besitzen das Vertrauen ihres Trainers, für heute bekommen es auch wohl Toni Jantschke, Patrick Herrmann und Havard Nordtveit zurück, die im Pokal nicht in der Startelf standen. Wenn der Grund, wie Favre immer wieder beteuert hat, Trainingsrückstand war, muss der Mittwoch ein Super-Aufhol-Tag gewesen sein. Da fanden nach dem Darmstadt-Spiel die ersten und körperlich einzig ernstzunehmenden Übungseinheiten statt. Konditionelle Aufholjagd par excellence!

Bei den Bayern ist der Einsatz von Thiago Alcántara offen. Der spanische Sechser hatte gestern Fieber. Sicherlich das ohne Lampen...

Voraussichtliche Aufstellung: Ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Daems - Nordtveit, Xhaka - Herrmann, Wendt - Kruse, Raffael

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