Aachen - Was die Offensive aufbaut, wird in der Defensive umgestoßen

Was die Offensive aufbaut, wird in der Defensive umgestoßen

Von: Klaus Schmidt
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Den Letzten beißen die Hunde:
Den Letzten beißen die Hunde: Alemannia-Keeper David Hohs. Foto: dpa

Aachen. Stephan Flauder war bis Sonntagmittag nur einem kleinen Kreis von Fußballinteressierten bekannt, den Fans von Erzgebirge Aue. Flauder ist Reservekeeper, als solcher hatte er vor knapp drei Jahren seinen bislang einzigen Profieinsatz.

Nun durfte, nun musste der 24-Jährige mal wieder ran für die Stammkraft Martin Männel, doch empfehlen konnte sich Flauder nicht, und deshalb wird er vorerst auch weiterhin nur in Aue ein Begriff sein. „Der hatte keinen einzigen Ball zu halten”, fast schon ein bisschen neidisch war David Hohs. Der ist die Nummer eins bei Alemannia Aachen und hat sich durchgesetzt gegen den Routinier Thorsten Stuckmann. Seit diesem denkwürdigen 1:5 mit vier Gegentoren innerhalb von sechs Minuten - zu erwartender typisch Aachener Reflex - ist mancher ungehaltene Beobachter nicht mehr so recht von Hohs überzeugt. Eine groteske Verkürzung des Debakels.

Immer für Fehler gut

David Hohs war „froh, dass ein Teil meiner Familie da war und ich Ablenkung gefunden habe”. Etwas zumindest. „Du willst über das Spiel nicht mehr nachdenken, aber du kriegst es nicht aus dem Kopf.” Der 23-Jährige hinterfragt grundsätzlich jedes Tor, „was hätte ich tun müssen, um es zu verhindern?” Natürlich „lobe ich mich nicht selbst in den höchsten Tönen - bei unserer Gegentor-Bilanz”. 55 Mal musste der gebürtige Leverkusener in dieser Saison den Ball aus dem Netz holen, es ist Resultat einer Gemeinschaftsleistung, für die auch Hohs keine rechte Erklärung findet. „Es ist doch fast dieselbe Mannschaft, mit der wir im Pokal Mainz und Frankfurt ausgeschaltet haben, mit der wir in der Liga viele richtig gute und erfolgreiche Spiele gemacht haben. Aber es zieht sich leider durch: Wir haben keine hohe Konstanz im Abwehrverhalten. Wir sind immer für Fehler gut.”

Was die Offensive aufbaut, wird in der Defensive umgestoßen. Alemannia hat nach Führung schon 21 Punkte abgegeben, das ist ligaweit unübertroffen. „Wir würden um den Aufstieg mitspielen”, sagt David Hohs. „So sind wir halt Mittelmaß”, ergänzt Erik Meijer - und sieht sich bestätigt, „dass das schon etwas mit Qualität zu tun hat. Wir haben enorm viel Potenzial nach vorne. Aber sobald wir etwas Negatives erleben, ist es schwer, den Hebel umzulegen. Unsere Kommunikation steht neben dem Platz” - durch die Trainer - „und nicht auf dem Platz.”

Am Montagmorgen tauchte der Geschäftsführer Sport als Überraschungsgast in der Kabine auf. „Ich wollte das noch mal spüren, schmecken, bei der Mannschaft sein.” Hinter verschlossenen Türen sprach Meijer als Manager, nahm Spieler beiseite, von denen erwartet wird, „dass sie Verantwortung übernehmen”, die erfahrenen Profis wie Benny Auer und Thomas Stehle. Anschließend wechselte Meijer in die kurze Hose, ging mit raus auf den Trainingsplatz und brachte ein paar Portionen Aggressivität mit. Das Kleinfeldturnier gewann - das Team Meijer mit Thomas Zdebel, Alper Uludag und Seyi Olajengbesi . . .

Am Ostersonntag kann Alemannia sich nun „im vielleicht leichtesten Spiel” schütteln, beim Aufstiegskandidaten FC Augsburg. Das Saisonziel steht: 50 Punkte.
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