Warnende Worte von Alemannias Manager: „Laufen auf den Abgrund zu”

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Vorbereitungsspiel Alemannia A
Vorbereitungsspiel Alemannia Aachen in Alsdorf-Mariadorf

Aachen. Na ja, sagt Uwe Scherr, es gibt bestimmt bessere Zeitpunkte für eine erste Bilanz. Aber der Termin ist lange vereinbart und wird nicht abgesagt, auch wenn die Mannschaft gerade in akuter Absturzgefahr ist.

Gute 100 Tage ist Scherr nun Manager bei Alemannia Aachen. Und man könnte meinen, dass der fiebrige Verein diese Zeit genutzt hat, um dem Neuankömmling zu zeigen, wozu er in der Lage ist.

Vielleicht ist auch der ganze Klub gerade in akuter Absturzgefahr. So sieht zumindest Scherr die Dinge, der Alemannia immer noch als einen „schlafenden Riesen“ bezeichnet. Er will ein paar Warnschilder aufstellen, weil er sieht, wohin der Weg führen kann. Er könnte auch schweigen, zumal der sportliche Erfolg seiner Mannschaft noch übersichtlich ist. Aber er ist angetreten, um „die Wahrheit“ zu sagen, will weder sich noch andere schonen, auch wenn das nicht sonderlich populär ist. „Wir müssen die Dinge ansprechen, sie lösen sich nicht von selbst.“

Scherr steht noch unter dem Eindruck des letzten Heimspiels, als Freddy Borg vom eigenen Anhang nach einer ziemlich verrutschten Partie wuchtig ausgepfiffen wurde. Marcel Heller erfuhr, welches umfangreiche Repertoire an Schimpfwörtern einige Sitzplatzbesucher im Angebot haben. „Das ist der Anfang vom Ende, wenn wir hier beginnen, uns zu zerfleischen“, sagt Scherr. „So kann das nicht weitergehen.“

Kritik sei angebracht nach schlechten Leistungen, die es zuletzt häufiger zu besichtigen gab. „Aber wir müssen aufpassen, es werden gerade Grenzen überschritten.“ Scherr sagt, er wolle keine Kölner Verhältnisse, er will nicht erleben, dass Profis vor der eigenen Wohnungstür von Hooligans erwartet werden. „Über Jahre des Misserfolgs hat sich Frust angestaut, und jetzt öffnen sich gerade die Ventile.“

Mit Erschrecken erlebt der Sportdirektor in seiner ersten Zeit, wie sich Fans eines Vereins gegenseitig „auf die Fresse hauen“. Scherr will vermitteln, notfalls selbst moderieren. „Wir brauchen die Unterstützung aller Fans, aber die Regeln stellt der Verein auf.“ Politik und Religion hätten in den Stadien keinen Zutritt, meint der Manager.

Vom Team werde zurecht eingefordert, es solle wie eine Einheit auftreten. „Aber treten unsere Gremien, treten unsere Fans auch so auf?“ Es ist nur eine rhetorische Frage. In den ersten Monaten hat er einen komplett anderen Eindruck gewonnen. Die Funktionäre pflegen teilweise ein so inniges Verhältnis wie die Fans von Schalke und Dortmund. Gerade hat ein ehemaliger Aufsichtsrat den eigenen Präsidenten wegen Verleumdung angezeigt. „Das geht prinzipiell gar nicht, das ist unfassbar.“ Der Sportdirektor wundert sich, dass niemand im Verein sich vor Meino Heyen stellt. „Wenn ein Familienmitglied so angegriffen wird, sollten die anderen Familienmitglieder nicht tatenlos zugucken.“

Er will der Mannschaft kein Alibi geben, aber diese notorische Unruhe im Klub strahle längst auch auf die Gruppe aus, meint er. „Wir laufen mit Alemannia auf den Abgrund zu, wenn wir so weitermachen. So werden wir keinen Erfolg haben können.“ Scherr wünscht sich Kontinuität auf allen Ebenen.

Man könnte meinen, Scherr wünsche sich jemanden, der mit dem ganz großen Spiegel vorbeikommt und ihn allen Beteiligten, die an diesem Klub hängen, vorhält: „Schaut euch mal an, was ihr gerade mit diesem Verein macht.“ Er weiß, dass niemand kommen wird.

Vielleicht ist auch der ganze Klub gerade in akuter Absturzgefahr. So sieht zumindest Scherr die Dinge, der Alemannia immer noch als einen „schlafenden Riesen” bezeichnet. Er will ein paar Warnschilder aufstellen, weil er sieht, wohin der Weg führen kann. Er könnte auch schweigen, zumal der sportliche Erfolg seiner Mannschaft noch übersichtlich ist. Aber er ist angetreten, um „die Wahrheit” zu sagen, will weder sich noch andere schonen, auch wenn das nicht sonderlich populär ist.

„Wir müssen die Dinge ansprechen, sie lösen sich nicht von selbst.”
Scherr steht noch unter dem Eindruck des letzten Heimspiels, als Freddy Borg vom eigenen Anhang nach einer ziemlich verrutschten Partie wuchtig ausgepfiffen wurde. Marcel Heller erfuhr, welches umfangreiche Repertoire an Schimpfwörtern einige Sitzplatzbesucher im Angebot haben. „Das ist der Anfang vom Ende, wenn wir hier beginnen, uns zu zerfleischen”, sagt Scherr. „So kann das nicht weitergehen.”

Kritik sei angebracht nach schlechten Leistungen, die es zuletzt häufiger zu besichtigen gab. „Aber wir müssen aufpassen, es werden gerade Grenzen überschritten.” Scherr sagt, er wolle keine Kölner Verhältnisse, er will nicht erleben, dass Profis vor der eigenen Wohnungstür von Hooligans erwartet werden. „Über Jahre des Misserfolgs hat sich Frust angestaut, und jetzt öffnen sich gerade die Ventile.”

Mit Erschrecken erlebt der Sportdirektor in seiner ersten Zeit, wie sich Fans eines Vereins gegenseitig „auf die Fresse hauen”. Scherr will vermitteln, notfalls selbst moderieren. „Wir brauchen die Unterstützung aller Fans, aber die Regeln stellt der Verein auf.” Politik und Religion hätten in den Stadien keinen Zutritt, meint der Manager.

Vom Team werde zurecht eingefordert, es solle wie eine Einheit auftreten. „Aber treten unsere Gremien, treten unsere Fans auch so auf?” Es ist nur eine rhetorische Frage. In den ersten Monaten hat er einen komplett anderen Eindruck gewonnen. Die Funktionäre pflegen teilweise ein so inniges Verhältnis wie die Fans von Schalke und Dortmund. Gerade hat ein ehemaliger Aufsichtsrat den eigenen Präsidenten wegen Verleumdung angezeigt. „Das geht prinzipiell gar nicht, das ist unfassbar.” Der Sportdirektor wundert sich, dass niemand im Verein sich vor Meino Heyen stellt. „Wenn ein Familienmitglied so angegriffen wird, sollten die anderen Familienmitglieder nicht tatenlos zugucken.”

Er will der Mannschaft kein Alibi geben, aber diese notorische Unruhe im Klub strahle längst auch auf die Gruppe aus, meint er. „Wir laufen mit Alemannia auf den Abgrund zu, wenn wir so weitermachen. So werden wir keinen Erfolg haben können.” Scherr wünscht sich Kontinuität auf allen Ebenen.

Man könnte meinen, Scherr wünsche sich jemanden, der mit dem ganz großen Spiegel vorbeikommt und ihn allen Beteiligten, die an diesem Klub hängen, vorhält: „Schaut euch mal an, was ihr gerade mit diesem Verein macht.” Er weiß, dass niemand kommen wird.

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