Nürnberg - Verbesserte Borussia startet Aufholjagd

Verbesserte Borussia startet Aufholjagd

Von: Christof Ruf
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Das Lachen kehrt nach Monaten zurück: Gladbachs Marco Reus feiert den Siegtreffer von Roman Neustädter. Foto: imago/Revierfoto

Nürnberg. Mike Hanke, man muss das nachlesen, um es zu glauben, ist 12-facher Nationalspieler. In der kollektiven Erinnerung der Fans ist allerdings eher der Karriereknick geblieben, der fünf Jahre andauerte und über die Stationen Wolfsburg und vor allem Hannover führte.

Wohl deshalb mussten sich Gladbachs Verantwortliche manch skeptische Frage gefallen lassen, als sie den Stürmer in der Winterpause holten. Kritisieren lassen mussten sie sich auch für die Entscheidung, Torhüter Christofer Heimeroth das Vertrauen auszusprechen. Doch ausgerechnet die Spieler mit den Rückennummern 1 und 19 sollten beim Sieg in Nürnberg die entscheidenden Akteure sein. Natürlich abgesehen wieder einmal von Schiedsrichter Babak Rafati.

Als Roman Neustädter nach acht Minuten per Dropkick sein erstes Bundesligator erzielte, war die Vorarbeit von Hanke gekommen. Und als Club-Keeper Raphael Schäfer drei Minuten später einen Schuss von Marco Reus entschärfte, hatte der angeblich spielerisch so unbedarfte Blondschopf den öffnenden Pass gespielt.

Der neue Schwung hat viel mit Hanke zu tun


Auch danach war er an den meisten der Szenen beteiligt, die Coach Michael Frontzeck im Sinn hatte, als er von den „fantastischen Kombinationen” sprach, die er im ersten Durchgang gesehen habe. Und vom neuen Schwung im Angriffsspiel, das viel mit Hanke zu tun habe.

Da Nürnberg hingegen in Halbzeit eins vollauf enttäuschte und in Halbzeit zwei Rafati sehr vehement auf den Plan trat, konnte Hanke nach dem Spiel ein optimistisches Fazit ziehen: „So ein 1:0 ist sogar besser als ein 4:0, weil so ein knappes Ergebnis noch viel mehr zusammenschweißt.” Und Torschütze Neustädter ergänzte: „Wir haben in der Vorrunde so oft geführt und sind dann untergegangen. Jetzt wissen wir, dass wir auch mal einen Vorsprung über die Zeit retten können.”

Zu den Erkenntnissen des Spiels gehört allerdings auch, dass die Borussia offenbar auch spielerisch Potenzial hat. Besonders im ersten Durchgang trug das Team seine Angriffe flott, durchdacht und ballsicher vor. „Ich habe da einige fantastische Kombinationen gesehen”, freute sich Coach Michael Frontzeck.

Und obwohl es zwar stimmte, dass Gladbach spielerisch klar verbessert war, fightete und überhaupt endlich einmal als Mannschaft auftrat - das Endergebnis hatte dann doch viel damit zu tun, dass beim Fußball der 23. Mann die Entscheidungen trifft, die die anderen 22 betreffen. Im Fall von Babak Rafati ist das zuweilen tragisch, weil der Fifa-Schiedsrichter seine Fehlentscheidungen nicht immer paritätisch verteilt. Am Samstag hatte er den Gastgebern bereits einen 100- (33.) und einen 51-prozentigen Elfmeter (51.) verweigert, als er auch noch einem regulären Treffer die Anerkennung versagte.

Vor dem Tor durch den eingewechselten Markus Mendler soll der Schütze Christopher Heimeroth den Ball aus der Hand geschlagen haben (78.) - eine Sicht der Dinge, die selbst der Gladbacher Keeper relativiert wissen wollte: „Ein langer Ball, den ich erst nicht festhalten konnte. Bevor ich das dann konnte, ist er in mich reingelaufen.”

Ein paar Minuten später stand Heimeroths Nürnberger Kollege Raphael Schäfer vor den wartenden Reportern. Er sagte, dass er über den Schiedsrichter nichts sagen wolle. Schon gar nicht, wo doch Umfragen führender Fußballmagazine unter Bundesliga-Profis seit Jahren eine klare Sprache über dessen Fähigkeiten lieferten: „Es ist schon deprimierend, dass das dann spielentscheidend ist.”

Nicht ganz unerheblich war allerdings auch der verschossene Elfmeter von Javier Pinola. Einmal hatte Rafati nämlich dann doch Strafstoß gegeben - der war allerdings unberechtigt. Doch den unplatzierten Schuss des Argentiniers hielt Christopher Heimeroth (88.) wie schon zuvor einen Schuss von Julian Schieber (72.). Nürnbergs Coach Dieter Hecking kommentierte das Geschehene stilsicher: „Ich war kürzlich bei einer Diskussionsrunde, in der es um das perfekte Spiel ging. Dazu gehören zwei Mannschaften und das Schiedsrichterteam. Das war also heute kein perfektes Spiel.” Seinem Kollegen Michael Frontzeck war das einerlei: „Nach dieser langen Zeit tut es natürlich gut, mal wieder drei Punkte zu holen.”
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