Unter der Woche „knallte” es zwischen Trainer und Team

Von: Christoph Pauli
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Augsburg. Die Partie endete mit einem gewaltigen Luftsprung von Peter Hyballa, sein Co-Trainer Eric van der Luer hatte ein seliges Lächeln im Gesicht, als habe er gerade in geschmolzener Schokolade gebadet. Alemannia siegt beim designierten Aufsteiger FC Augsburg mit 2:1. Die Woche endete so emotional wie sie begonnen hatte.

Die Mannschaft war durchaus angeknockt nach Bayern geflogen. Nicht nur das kuriose 1:5 gegen Erzgebirge Aue war noch mit an Bord, unter der Woche hatte es zwischen Trainer/Manager und Mannschaft „kurz geknallt”, wie Trainer Peter Hyballa bestätigte.

Der Spielerrat bezog intern deutlich Stellung, wehrte sich gegen die Suspendierungen von Aimen Demai und Thorsten Stuckmann. Der Tunesier war unter anderem zur U23 wegen eines Interviews geschickt worden, das auf wenig Gegenliebe stieß, Stuckmann hatte sich laut Erik Meijer geweigert, an einem Spiel auf Kunstrasen teilzunehmen.

Beide Profis waren zudem nach dem Aue-Debakel mit überraschend guter Laune aufgefallen. Hyballa trug dem Spielerrat und später der Mannschaft seine Argumente für die Degradierungen vor, machte noch deutlich, was er sich unter dem Team-Gedanken vorstelle. In Augsburg trat die Gruppe durchaus verschworen auf, was vielleicht auch ohne diese Vorgeschichte passiert wäre.

Mehr Sicherheit verordnet

Hyballa hatte sein Team neu zusammengeschraubt. Feisthammel, Arslan und Junglas mussten für Casper, Uludag und Olajengbesi weichen. Zudem verordnete er mehr Sicherheit: Vor der Abwehrkette verteidigten noch Radjabali-Fardi, Kratz und Höger. Und der Gegner wurde diesmal nicht an vorderster Front attackiert. „Das war heute der hässliche Hyballa”, sagte der Coach später, der vorher noch nicht einmal richtig überzeugt war vom eigenen Systemwechsel.

„Aber immer nur Pommes mit Mayo schmeckt auch nicht”, erkannte der Feinschmecker und setzte diesmal eher auf Rustikales. Augsburg war auf Aufstiegsparty eingestellt, doch die Partygäste aus dem Westen waren nicht wiederzuerkennen. Sie warteten ab, die Mannschaft hat schon deutlich besser gespielt - und verloren. Diesmal ging es nicht um eine ansprechende A-Note. „Wir sind hier nicht mit Hurra-Fußball aufgefallen”, sagte Verteidiger Thomas Stehle, sehr traurig sah er deswegen nicht aus.

Für Augsburgs Keeper Simon Jentzsch endete eine schöne Serie: Nach 534 Minuten nahm er wieder einen Gegentreffer hin. Der brillante Marco Höger spielte auf der rechten Seite Shervin Radjabali-Fardi frei, und der Leihspieler erzielte aus sieben Metern Aachens Führung nach 13 Minuten. Der designierte Aufsteiger staunte noch mehr, als auch der zweite Aachener Torschuss einschlug. Rechtsaußen (eine Premiere) Stieber legte für Kevin Kratz auf, und der kleine Abräumer knallte aus 22 Metern den Ball in die Maschen. Gespielt waren da erst 24 Minuten, und im Stadion wuchs der Eindruck, dass jemand bei der groß angekündigten Party eine Stinkbombe geworfen hatte.

So hätte es tatsächlich einmal ein ruhiger Abend für die Delegation aus dem Westen werden können. Wurde es natürlich nicht: Augsburgs Mittelstürmer Torsten Oehrl und Gegenspieler Thomas Stehle gingen in den Ringkampf, den der gute Schiedsrichter Christian Dingert mit einem Elfmeterpfiff beendete. Stephan Hain verkürzte auf 1:2 (40.). Augsburg kam, drückte, wollte. „Wir haben unglaublich investiert”, meinte Trainer Jos Luhukay am Ende der ausgefallenen Partie, „das ist schon bitter, wie der Fußball verlaufen kann.” Der Niederländer unterschlug dabei, dass Aachen auch die beste Chance im zweiten Durchgang hatte: Högers präzise Flanke verwertete Kapitän Benny Auer nicht, der Autopilot war nicht eingeschaltet (67.).

Der Gast zog sich zurück ins „9-1-0-System”, wie Hyballa am Spielfeldrand beobachte. Das war nicht gewollt, der Druck war zu gewaltig, aber nur Stephan Hain hatte noch eine Chance der ersten Handelsklasse, die David Hohs bravourös vernichtete. „Wir haben mit Leidenschaft, Kampf und viel Einsatz einen tollen Erfolg gelandet”, feierte der heisere Keeper den unerwarteten Erfolg.

Am Spielfeldrand kämpften die Trainer, auf dem Spielfeld die Spieler. Der Schluss war gemeinsamer Jubel über Aachens ersten Sieg gegen eine Mannschaft aus dem oberen Tabellendrittel. An den Suspendierungen für die beiden Spieler änderte das nichts. Demai und Stuckmann trainieren auch noch diese Woche bei den Amateuren; spätere „Begnadigung” nicht ausgeschlossen.
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