Und sie denken weiter nur von Spiel zu Spiel

Von: Heribert Förster
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Kein Auslaufen a là Magath so
Kein Auslaufen a là Magath sondern Fohlen-Jubel: Mike Hanke belastet Gladbachs Edelflitzer Marco Reus, Elfmeterschütze Filip Daems freut sich Foto: Dieter Wiechmann

Mönchengladbach. Filip Daems findet „es ist zu früh, so was zu sagen”. Vergleiche mit Hannover 96 und dem FSV Mainz 05, den Überraschungsteams der vergangenen Saison, möchte der Kapitän von Borussia Mönchengladbach nicht anstellen.

Natürlich springt ihm Abwehrkollege Martin Stranzl zur Seite, „wir sind wir, und wir versuchen immer unseren Stil zu spielen.” Was nicht unerwähnt bleiben sollte: „Wir denken nur von Spiel zu Spiel.”

Es ist nicht einfach, nein, es ist unmöglich, den Borussia-Fußballern etwas Überschwängliches zu entlocken. Lassen wir deshalb Dieter Hecking zu Wort kommen. Hecking, ein seriös arbeitender Fußball-Lehrer und alles andere als der Lautsprecherei verdächtig, sagte nach dem 0:1 seines 1. FC Nürnberg vor 51.117 begeisterten Zuschauern im Borussia-Park: „Im Moment ist Borussia eine der besten Mannschaften. Wir haben gegen einen sehr, sehr guten Gegner verloren, der in allen Belangen besser war.”

Dauerhafter Höhenflug?

Hecking sagte das nicht, um die Niederlage seiner Mannschaft, die gut begann, dann nachließ, aber keineswegs eine richtig schwache Leistung zeigte, in ein besseres Licht zu rücken. Es war Heckings ehrliche Meinung. Die Aussage wirft Fragen auf. Nicht, ob die Borussia derzeit eine der besten Mannschaften in der Liga ist - ganz schlicht: das ist sie. Aber kann sie es auch dauerhaft sein?

Das Fazit nach sieben Spieltagen, nach einem Fünftel der Saison: sie kann. Die Siege sind kein Zufallsprodukt, Borussia gewinnt auch Spiele nach schwächeren Leistungen (wie gegen Kaiserslautern). Borussia gewinnt auch Spiele trotz des Auslassens diverser guter Chancen und nach schwachen 45 Minuten (wie in Hamburg).

Borussia gewinnt nach begeisternden Leistungen (wie gegen Wolfsburg und aktuell Nürnberg), und Borussia gewinnt mit ein bisschen Dusel (wie bei den Bayern). Überhaupt, dieses 1:0 am ersten Spieltag ist die Mutter der Erfolgsserie, „dieser Sieg hat uns sehr gut getan”, sagt Trainer Lucien Favre. Das 1:0 in München hat direkt Druck genommen und Glauben an die eigene Stärke vermittelt.

Auf gesunden Füßen

Man muss nicht gleich von der Europa League schreiben und träumen, aber zu behaupten, dass in diesem Jahr nicht das ganz große Zittern ausbrechen wird, ist nicht gewagt. Auch wenn das mahnende Beispiel Eintracht Frankfurt mit dem Absturz nach einer guten Hinrunde präsent ist, Borussias Stärke im Spieljahr 2011/12 steht auf ganz gesunden Füßen. Prüfungen für Torwart Marc-André ter Stegen sind fast so selten wie für Bayern Münchens Manuel Neuer. Die Defensive funktioniert und harmoniert, das Mittelfeld bekommt immer besser Zugriff auf das Geschehen, und im Angriff punktet die Elf mit großer individueller Klasse.

Herausragend - nicht nur am Samstag - Marco Reus. Die Leistung des Stürmers war brillant, allein die Krönung mit einem Treffer, mit zwei, oder drei Toren versagte er sich. Immerhin wurde nach einer Aktion von ihm im Strafraum bereits zum dritten Mal in dieser Saison ein Elfmeter für die Borussia gepfiffen, „ich habe einen Stoß von Javier Pinola in die Seite gespürt”. Und bei dem Tempo, mit dem der 22-Jährige regelmäßig die Abwehrreihen überfällt, „ist es dann schwer, auf den Beinen zu bleiben”.

Am 7. Spieltag der Krisensaison 2010/11 wäre vielleicht kein Elfmeter für die Gladbacher gepfiffen worden, so aber schritt Daems zum zehnten Mal in den letzten vier Liga-Spielzeiten zum Punkt, und zum zehnten Mal verwandelte der Belgier (75.). Der Park brodelte, Nürnberg, das nun alles riskierte, hätte sich noch einige Treffer fangen können. Doch Alexander Stephan, in der Torwart-Hierarchie der Nürnberger nur die Nr. 3, vereitelte mit diversen Glanztaten einen Gladbacher Kantersieg.

So durfte Lucien Favre („Wir sind alle extrem zufrieden”) ein wenig verstört schauen, als er nach der Effizienz im Spiel seiner Mannschaft gefragt wurde. Ein 1:0 muss nicht immer für Minimalismus sprechen, „wir hätten heute wie auch schon in Hamburg letzte Woche mehr als nur ein einziges Tor schießen müssen.”

Ein durchaus mögliches 4:0 oder 5:0 hätte natürlich nicht zu den beschwichtigenden Worten aller gepasst, stellvertretend sei heute einmal Marc-André ter Stegen zitiert. „Wir müssen den Ball flach halten und dürfen keinen Deut nachlassen.” Von Mainz und Hannover wollen sie alle noch nichts wissen. Aber wenn es so kommen sollte, hätte natürlich auch Filip Daems „nichts dagegen”.
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