Über Tabu-Zonen und närrische Schreckensbilder

Von: Bernd Schneiders
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Mönchengladbach. Dieter Hecking gehört zu den Besonnenen seiner Zunft. Doch Nürnbergs Trainer blieb auch eine Stunde nach dem Abpfiff in Mönchengladbach bei seiner kategorischen Aussage.

„Das war ein Foul am Torwart, darüber braucht man nicht zu reden.” Wurde natürlich doch. Schließlich sahen die Nürnberger vor dem Siegtreffer der Borussia durch Rob Friend ein Foul an Torhüter Rafael Schäfer im Luftkampf mit Karim Matmour. Der war sich keiner Schuld bewusst: „Ich habe ihn doch gar nicht gesehen.”

Der Kontakt des Algeriers reichte, um Schäfer aus der Fassung zu bringen. Der Club-Keeper war nur schwer zu beruhigen: „Da gibt es keine zwei Meinungen in Deutschland.” Dort lebt und arbeitet auch Rob Friend. Und der Kanadier, Nutznießer des „luftigen” Zusammenpralls, definiert den Fünfmeterraum nicht als Tabu-Zone für Angreifer. „Die Torhüter werden in Deutschland sowieso zu sehr geschützt.”

Eigentlich ist Gladbachs Sturm-Riese dafür bekannt, nicht nur gegen Torhüter auf rustikale Kontaktsuche zu gehen. Leichtgewicht Matmour hat seine Stärken eher am Boden. Und versucht, im Zweikampf mehr seine Schnelligkeit einzusetzen. Mit seinem jungenhaften Charme aber vermag der 24-Jährige die Rolle des Unschuldigen, der kein Wässerchen zu trüben vermag, auch perfekt zu spielen. Aus entrüsteten Augen schaut er denn auch die Journalistenschar an, als die ihn doch tatsächlich fragen, ob er sich denn jetzt ins Karneval-Getümmel stürze. „Karneval? Um Gottes willen. Das ist doch viel zu gefährlich”, reagiert er mit Schreckensmiene. Gefährlich? „Ja klar, all die Betrunkenen. Die hauen mir doch eine Flasche über den Schädel.”

Woher der algerische Stürmer seine Erkenntnisse über das vermeintliche (Un-)Wesen des deutschen Karnevals bezieht, blieb ungeklärt. Deutlich aber wurde, woher die Heckingsche Analyse der Nürnberger Niederlage stammte: aus der Realität. „Wir haben nicht nur wegen des Schiedsrichters verloren. In der ersten Halbzeit haben wir ein richtig schlechtes Spiel gemacht.” Und auch nach der Pause aus dem Spiel heraus - anders als Borussia - kaum Torchancen herausgespielt. So konnte sich sein Kollege über seine Kader-Qualität freuen.

„Keiner hat herausgestochen”, freute sich Michael Frontzeck über den Sieg im Kollektiv. Sowohl Tony Jantschke für Tobias Levels als auch Marcel Meeuwis für Thorben Marx fügten sich nahtlos ins Teamgefüge ein. Und ein erfolgreiches Sturm-Duo (Bobadilla/Colautti) im Spiel durch ein anderes (Friend/Matmour), erfolgreiches, ersetzen zu können, verbucht der Borussen-Trainer nur allzu gerne als das, wie es Siegtor-Schütze Friend bezeichnet: „Ein Luxus-Problem.”
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