Tränen statt Wunder von Fröttmaning

Von: Klaus Schmidt
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Nur noch traurig:   Alper Ulud
Nur noch traurig: Alper Uludag verabschiedet sich von Fans und 2. Liga. Foto: dpa

München. Marco Stiepermann war der Erste, der wie ein Häuflein Elend auf den Boden sank, der Stürmer versteckte sein Gesicht hinter den Händen. Wenig später kam Mirko Casper aus der Kurve, in der 3500 Fans auf das Wunder von Fröttmaning gehofft hatten; Caspers Augen - das konnte man von der Haupttribüne der Münchner Arena erkennen - waren rot unterlaufen.

Der letzte Pfiff von Schiedsrichter Markus Wingenberg stürzte Alemannia Aachen ins Tal der Tränen. 21 Jahre und 51 Wochen nach dem 13. Mai 1990 (0:3 bei der SpVgg Bayreuth) rutscht der Verein zum zweiten Mal in seiner Geschichte in die Drittklassigkeit. Der letzte Vorhang ist gefallen: Alles versucht, überzeugend vor allem in der ersten Halbzeit gespielt, erstmals überhaupt bei 1860 gewonnen (2:1) - doch am Ende des Tages kam der harte Aufschlag.

„Es ist zwar keiner gestorben, aber wenn du so viele erwachsene Menschen weinen siehst, das ist bitter”, sagte Albert Streit. Dass die Schützenhilfe von Eintracht Frankfurt in Karlsruhe ausblieb, machte der Kapitän an diesem Tag seinem Ex-Verein nicht zum Vorwurf. „Wir haben so viele Endspiele gehabt und es uns selber kaputt gemacht. Am Ende ist es dann gerecht, wenn du 17. bist.”

Streit hatte ein starkes Spiel mit dem 1:0 in der 10. Minute eröffnet, Alper Uludag mit einem „Traumtor” (60-Trainer Reiner Maurer) aus halblinker Position in den Winkel (21.) auf den Münchner Ausgleich durch Aigner (18.) geantwortet. Alemannia war die bessere Mannschaft, „eine tolle Leistung vor allem in den ersten 45 Minuten”, niemand widersprach Ralf Aussem. Reduziert auf diese Partie, stellte auch der Trainer fest, „dass wir eigentlich zu Unrecht da unten stehen”. Nur fasst die Tabelle 34 Spieltage zusammen, da musste Aussem zugeben, dass es wohl doch gerecht zugegangen sei.

Am Ende erübrigte sich eine dezidierte Aufarbeitung eines überzeugenden Aachener Liga-Finales. „Wir haben es nicht heute, nicht letzte Woche oder letzten Monat verspielt”, sagte Thomas Stehle, der dienstälteste Alemanne. Der zwischenzeitliche Jubel aus dem Aachener Block entpuppte sich als unbegründet. „Da hatte ich kurz gedacht, Frankfurt hätte ausgeglichen.”

Müßig, im Nachhinein über Aussems Debüt sechs Spieltage vor Saisonschluss in Ingolstadt nachzudenken, „wo uns zwei Punkte geklaut wurden”. Die Mannschaft verabschiedete sich mit der Gewissheit, alles getan zu haben, was noch in ihrer Macht stand. Doch nun: Quo vadis, Alemannia? „Ich hoffe, dass jetzt schnell Entscheidungen getroffen werden”, sagte Thomas Stehle. „Der Verein steht vor einem Scherbenhaufen. Andere Drittligisten sind sicher mit ihren Planungen schon ziemlich weit, und Alemannia kann nicht davon ausgehen, gleich oben dabei zu sein.”

Stehle kündigt allerdings ebenso wie Albert Streit seine Bereitschaft an, auch in der Dritten Liga am Tivoli zu bleiben. „Wenn ein paar Leute bereit sind, was Neues aufzubauen, dann bin ich gerne dabei”, sagt Streit. Um Geld gehe es nicht mehr, „da habe ich mit 18 mehr verdient”.

Das Schild „Mannschaft zu verschenken” - keiner besitzt einen Vertrag für die Dritte Liga - hat Alemannia noch nicht in die Auslage gestellt. Der Trainer hat sogar in den sechs Spielen unter seiner Regie Gefallen an der Aufgabe gefunden. Alles deutet darauf hin, dass Ralf Aussem - dessen U 23 wegen des Abstiegs der Profis nicht in die Regionalliga aufsteigen darf - dauerhaft zum Chefcoach befördert wird. Meino Heyen, Vorsitzender des Aufsichtsrats, formulierte es noch verklausuliert: „Er hat einen tollen Job gemacht, wir werden bei der Entscheidung sicher nicht ganz an ihm vorbeigehen.” Weiß Aussem schon mehr? „Wir werden wiederkommen”, gab der 51-Jährige zum Ende des Tages aus, „das verspreche ich.”
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