Tomas Galasek oder: Borussias Spielmacher mit Tarnkappe

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
Galasek
Tomas Galasek: Borussias Oldie räumt ab, baut auf und spielt seine ganze Erfahrung aus.

Mönchengladbach. 15.50 Uhr im Borussia-Park: Marko Marin schnippt eine Flanke butterweich auf Rob Friend, Mönchengladbachs zuletzt ladegehemmter Torjäger trifft zur Führung gegen den HSV. Das meiste Lob wird über den Vorlagen-Geber ausgeschüttet. Schließlich ist er jung (19) und Dauerthema in allen Medien. Aber halt, die Szene noch weiter zurückgedreht: War noch etwas vor Marin?

Ja, war: Einer, der 17 Jahre Jahre älter ist und dessen Zukunft ab dem Sommer nicht in Hamburg, Bremen, Mailand, Chelsea oder Wolkenkuckucksheim spielt - sondern Gnadenbrot bei der Borussia.

Tomas Galasek also, Hans Meyers Schnäppchen zur Winterpause. Und der 36-Jährige zirkelte einen wunderbaren Steilpass auf Medien-Publikumsliebling Marin - mindestens ebenso schön wie die Flanke des kleinen Edel-Dribblers.

Aber das geht mehr oder weniger unter. Und mit Spielschluss ist Tomas Galasek auch verschwunden. Während sich alle auf Marin, Marin und noch mal Marin stürzen, scheint dem Tschechen regelmäßig nach 90 Minuten die Tarnkappe zugeworfen zu werden.

Kontrast-Programm: Zuvor ist der ehemalige Nürnberger mehr als präsent. Eigentlich ist er ein Sechser. Sprich der Mann vor der Abwehr, der sowohl als Abfangjäger als auch als Aufbauer seine Arbeit verrichtet. Das ist selten spektakulär.

Aber Galasek kann auch das, wie er mit dem Zucker-Anspiel auf Marin bewies. Doch Hans Meyer hat seinen Schwerpunkt erst einmal anders definiert. Er ist beim Angriff des Gegners der Rettungshund hinter den Innenverteidigern.

Die hatten sich in der ersten Saisonhälfte das nur für die Gegner erfreuliche Hobby zugelegt, immer mal wieder mit spektakulären Klöpsen für Furore und natürlich Gegentore zu sorgen. Das verhindert der 36-Jährige jetzt nicht mit Schnelligkeit. Mit der war er nie gesegnet, und wie auch an Ex-Flitzer Oliver Neuville ist an Galasek abzulesen, dass Alter den Verlangsamungsprozess obendrein fördert.

Doch der Tscheche fängt das auf mit Auge, taktischem Vermögen, Technik, Stellungsspiel, Spürsinn für sich anbahnende Situationen und der Erfahrung aus 466 Erstliga-Einsätzen und 69 Länderspielen. Doch dieser Ausbügler-Job, der ihm den vermeintlich antiquiert wirkenden Beinamen „Libero” einbrachte, ist eine Zeitarbeit.

Ein ideales Gespann

Peu à peu verlagert sich der Schwerpunkt seines Schaffens zurück zur eigentlichen Sechser-Position. Und hätte sich Dante zum Rückrundenstart nicht als Dauerpflegefall (Muskelfaserriss), sondern als Abwehrchef erwiesen, als der er von Meyer geholt worden ist, Galasek hätte schon mehr Akzente nach vorn setzen können.

Der ehemalige Kapitän der tschechischen Nationalmannschaft weiß genau, was Meyer will. Er ist der verlängerte Arm des Trainers. Bleibt man bei diesem beliebten Bild, dann ist Michael Bradley Meyers verlängertes Bein. Beide bilden ein ideales Gespann.

Wenn Galasek der Kopf der Mannschaft ist, ist der US-Amerikaner das Herz. Ein junges obendrein mit 21 Jahren. Das schlägt kräftig: Als fußballerischer Zehnkämpfer ist der Mittelfeldspieler der Athlet neben dem Intellektuellen.

Die Zucker-Pässe à la Galasek sind nicht sein Job, er ist auf Stückwerk spezialisiert. „Die kurzen, sicheren Pässe”, beschreibt er seinen Zulieferer-Job. „Ich bin ein Verbinder.”

Mit breiter Angebotspalette. „Viel laufen, hinten aushelfen, aggressiv spielen, Ball erobern, umschalten, torgefährlich werden, Spiel langsam oder schnell machen.” Er fühlt sich als „fighting dog”. Ohne ein blindwütiger Beißer oder tumber Kilometerfresser zu sein.

Löst man sich als Betrachter eines Gladbacher Spiels mal von der Ballszene, wird schnell ersichtlich, dass Bradley schon mit 21 Jahren ein guter Stellungsspieler ist, der auch ohne Ball mitarbeitet, sich in die entsprechenden Räume begibt oder fallen lässt. Ein kleiner Stratege mit Herz neben dem großen Strategen mit Kopf.

Ob ein Wunder Steve Gohouri überhaupt einen Einsatz von Beginn an bescheren würde? „Er konnte gestern kaum gehen”, sagte Borussias Trainer Hans Meyer über den Ivorer, „es wäre ein Wunder, wenn Gohouri spielen könnte.”

Nach der starken Leistung nach seiner Einwechslung gegen den Hamburger SV wäre Roul Brouwers wohl ohnehin Meyers erste Wahl für die Position neben Filip Daems in der Innenverteidigung gewesen.

Ein kleines Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Mittelstürmer Rob Friend, den Beschwerden an der Achillessehne plagen. Deshalb rückt neben Thomas Kleine (für Gohouri) Moses Lamidi als 19. Mann in den Kader, der ansonsten identisch mit dem vom HSV-Spiel ist.
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