Augsburg - Stinkbombe bei geplatzter Aufstiegsparty

Stinkbombe bei geplatzter Aufstiegsparty

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Augsburg. Am Ende waren nur noch 200 Fans zu hören mit erkennbar rheinischem Einschlag: Alemannias Anhänger hatten allen Grund, ihr Liedgut anzustimmen, ihrer Mannschaft gelang ein richtiger Coup. Aachen siegt 2:1 beim FC Augsburg, der seine Aufstiegsambitionen dämpfen musste.

Trainer Peter Hyballa hatte sein Team nach dem kuriosen 1:5 gegen Aue neu zusammengeschraubt. Feisthammel, Arslan und Junglas mussten für Casper, Uludag und Olajengbesi weichen. Routine ersetzt Jugend. Zudem stellte Aachen ausgerechnet zu Ostern auf ein Tannenbaum-System um: Vor den Abwehrkette verteidigten noch Radjabali-Fardi, Kratz und Höger. Alemannias Trainer hatte mehr Sicherheit für seine so angriffsstarke Mannschaft verordnet, die zudem den Gegner nicht mehr so hoch attackierte. Die Medizin schmeckte prima.

„Das war heute der hässliche Hyballa”, sagte der Coach später, der vorher noch nicht einmal richtig überzeugt war vom eigenen Systemwechsel. „Aber immer nur Pommes mit Mayo schmeckt auch nicht”, erkannte der Feinschmecker und setzte diesmal eher auf Rustikales. 25.173 Zuschauer sahen zunächst wer keineswegs aufstiegsreif in Augsburg ist: der Rasen in der Impuls-Arena. Für eine Produktion von „Holiday on ice” wäre der Untergrund geeignet, für ein Fußballspiel im Frühjahr eher weniger.

Für Augsburgs Keeper Simon Jentzsch tickt die Uhr seit Stunden: Vor dem Anpfiff war er 521 Minuten ohne Gegentreffer geblieben. Die schmucke Serie war mit dem ersten Torschuss des Spiels beendet. Der brillante Marco Höger spielte auf der rechten Seite Shervin Radjabali-Fardi frei, und der Leihspieler erzielte aus sieben Metern Aachens Führung nach 13 Minuten.

Der designierte Aufsteiger wunderte sich, das Staunen wurde noch größer, als auch der zweite Aachener Torschuss einschlug. Rechtsaußen (eine Premiere) Stieber legte für Kevin Kratz auf, und der kleine Abräumer knallte aus 22 Metern den Ball in die Maschen. Gespielt waren da erst 24 Minuten, und im Stadion wuchs der Eindruck, dass jemand bei der groß angekündigten Partie eine Stinkbombe geworfen hatte.

Aachens Verteidigung wirkte nicht immer sattelfest, die Abstände zwischen den Innenverteidigern stimmten nicht immer, die Außenverteidiger leisteten sich ein paar Stellungsfehler. Aber allzu große Gefahr entstand dadurch nicht. Tobias Werner schoss freistehend aus 16 Metern in den Osterhimmel (37.). So hätte es tatsächlich einmal ein ruhiger Abend für die Delegation aus dem Westen werden können. Wurde es natürlich nicht: Augsburgs Mittelstürmer Torsten Oehrl und Gegenspieler Thomas Stehle gingen in den Ringkampf, den der gute Schiedsrichter Christian Dingert mit einem Elfmeterpfiff beendete. Stephan Hain verkürzte auf 1:2 (40.).

Hyballa musste die Abwehr neu konstruieren. Casper blieb nach dem Wechsel mit Adduktorenkabinen in der Kabine, ihm folgte kurz darauf Thomas Stehle, der sich ausreichend Blutblasen auf dem Betonplatz gelaufen hatte.

Augsburg kam, drückte, wollte. „Wir haben unglaublich investiert”, zürnte Trainer Jos Luhukay am Ende der ausgefallenen Partie, „das ist schon bitter wie der Fußball verlaufen kann.”

Der Niederländer wechselte Traore ein, und schaltete seine Manschaft auf Linksverkehr. Das sah hübsch aus, aber nur Stephan Hain hatte noch einmal eine Chance der ersten Handelsklasse, die Keeper David Hohs bravourös vernichtete. Der Gast zog sich zurück ins „9-1-0-System”, wie Hyballa am Spielfeldrand beobachte.

Vom „Tannenbaum” ging nur noch ein Nadelstich aus, aber es war sogar die größte Möglichkeit im zweiten Durchgang. Högers präzise Flanke verwertete Kapitän Benny Auer diesmal nicht, der Autopilot war nicht eingeschaltet (67.).

Augsburg war nicht in der Lage, Aachen entscheidend in Verlegenheit
zu bringen. Die viel geschmähte Verteidigung stand diesmal so sicher wie eine Parkbank im englischen Garten. „Wir haben mit Leidenschaft, Kampf und viel Einsatz einen tollen Erfolg gelandet”, feierte der heisere David Hohs den unerwarteten Erfolg. Es war Alemannias erster Sieg gegen eine Mannschaft aus dem oberen Tabellendrittel.
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