Köln - Soldos Spieler haben nichts verstanden

Soldos Spieler haben nichts verstanden

Von: Wilhelm Peters
Letzte Aktualisierung:

Köln. Die durch die durch beschämende Leistung seiner Mannschaft bleibt für den Trainer zunächst ohne Konsequenz. „Zvonimir Soldo sitzt am Freitag in Bochum auf der Bank”, bestätigte Präsident Wolfgang Overath am Sonntag das, was Manager Michael Meier bereits unmittelbar nach der neuerlichen Unleistung des 1. FC Köln gegen die TSG Hoffenheim gesagt hatte.

Die ausgesprochen spielfreudige und ballsichere Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick hatte die Hausherren beim 4:0 regelrecht „abgeschossen” und dem Publikum im Stadion mit beeindruckender Leichtigkeit vorgeführt, wie untauglich die Kölner in dieser Form und Verfassung für die höchste deutsche Spielklasse sind.

Nichts verstanden und nichts dazugelernt haben sie offensichtlich, obwohl Klubchef Overath nach dem 0:1 gegen Hannover und seiner Ansprache an die Mannschaft („So eine Leistung darf sich nicht wiederholen”) geglaubt hatte, „dass mich jeder verstanden hat”. Ein Irrtum.

Die Mannschaft widerlegte die Worte ihres Präsidenten mit einer beeindruckend desolaten, lustlosen und indiskutablen Vorstellung, als spiele sie gegen Soldo.

Beobachtungen und Reaktionen

Die Gäste: Sie hatten leichtes Spiel im Wortsinne, spielten nicht nur mit dem Ball, dass es eine Freude war, sondern auch mit dem wehrlosen Gegner, der bereits nach elf Minuten durch Carlos Eduardo (5.) und Chinedu Obasi (11.) nach Abwehrfehlern (zuerst Geromel und Mohamad, dann Brecko) zurücklag, ehe Demba Ba vor den Augen staunend zuschauender Kölner Abwehrspieler (46.) und Ibisevic nach einem Armzupfer von Geromel per Foulelfmeter erhöhten (90.).

Die FC-Nationalspieler: Sie zeigten nichts. Brecko fragte sich die Höchststrafe geradezu und bekam sie nach 29 Minuten: Soldo wechselte ihn gegen Kevin Pezzoni aus, weil Brecko nicht nur den zweiten Gegentreffer beteiligungslos zuließ und auch sonst völlig „neben der Kappe” agierte.

Der erfolglose Torjäger Milivoje Novakovic, der noch vor der Partie im Zusammenhang mit dem Streit um die Rückkehr von der Nationalmannschaft gewettert und betont hatte, „immer alles für den 1. FC Köln zu geben”, gab und zeigte nichts, außer fehlerhafte Ballannahmen, wenn er denn mal einen bekam, und Interesselosigkeit - in der Halbzeit ausgewechselt gegen den auch schwachen Wilfried Sanou.

Lukas Podolski stellte die Arbeit nach dem 0:2-Rückstand frustriert ein, erhielt die fünfte Gelbe Karte, fehlt somit am Freitag in Bochum und verschwand nach der Partie ebenso wortlos und schnell aus dem Stadion wie Brecko und Novakovic.

Das Mittelfeld: Maniche und Petit sind als spielgestalteriche Kräfte zurzeit völlig überfordert und ohne Form. Bezeichnend, dass ein junger Kevin Pezzoni zumindest versucht, ein wenig Kreativität in die Strukturlosigkeit zu bringen.

Alleine Pezzoni beantwortete nach der Partie Fragen. Hut ab! „Jeder spielt für sich, wir sind keine Mannschaft”, sagte er richtig. „Es muss auch einmal etwas von den erfahrenen Spielern kommen, nicht nur von mir. Die müssen sich auch mal in die Pflicht nehmen. Es wird auf dem Platz viel zu wenig gesprochen.”

Der Präsident: Wolfgang Overath versank immer tiefer in seinem roten Sitz auf der Tribüne, mochte zunächst gar nichts sagen und kündigte an: „Ich werde mit den Verantwortlichen reden.” Sonntag dann nannte er die Partie eine „Vorführung der Hoffenheimer, eine Demonstration, wie man Fußball spielt, kämpft, sich bewegt mit und ohne Ball. Das hat etwas mit der Qualität der Spieler zu tun, aber auch mit Einsatz- und Kampfeswillen.”

Der Trainer: Soldo ließ die Mannschaft am Sonntag wie immer auslaufen, und führte mit ihr in der Kabine „ein gutes Gespräch”, wie er sagte. Er entschuldigte sich nach der Partie bei den Fans: „Das war desolat. Ich bin enttäuscht, wir haben noch nicht die nötige Stabilität”, wiederholte er zum x-ten Mal. Was der Trainer sagte, klang in hohem Maße ratlos. „Ich dachte, wir hätten einen Schritt nach vorne gemacht, es war ein Schritt zurück.”

Die Fans: Sie drehten ihren „Lieblingen” mehrmals den Rücken zu. Nach rund 70 Minuten verließen sie scharenweise das Stadion. Eine hirnlose Gruppe in der Südkurve pöbelte lautstark in Sprechchören gegen Hoffenheims (gar nicht anwesenden) Präsidenten und Mäzen Dietmar Hopp, „statt die eigene Mannschaft zu unterstützen”, wunderte sich Ralf Rangnick. Da hat er Recht: Der Begriff „Mannschaft” allerdings war ein verbaler Fehlgriff des Trainers...
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