Schwarzer Tag für Geromel

Von: Roman Sobierajski
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Das schlechte Gewissen: Pedro
Das schlechte Gewissen: Pedro Geromel (links/hier mit Kevin McKenna) am Ende eines sehr denkwürdigen Spiels, das der 1. FC Köln gegen den 1. FC Nünrberg Foto: Imago/Team 2

Köln. Die Aufarbeitung des Debakels fand direkt nach Abpfiff der Partie statt: Sportdirektor Volker Finke, Trainer Stale Solbakken, der Kader, selbst die verletzten Spieler des 1. FC Köln zogen sich nach der 1:2-Heimniederlage gegen den 1. FC Nürnberg in die Kabine zurück und redeten Klartext.

„Ich bin sehr, sehr unzufrieden und kann diese Leistung nicht akzeptieren”, fasste der FC-Trainer anschließend die 90 Minuten zuvor zusammen. „Das ist der traurigste Tag in meiner kurzen Zeit hier in Köln.” Würde es für Dummheit Punkte geben - seine Mannschaft wäre als klarer Sieger vom Platz gegangen. Das Regelwerk des Deutschen Fußballbundes sieht allerdings für Fouls im eigenen Sechzehner Strafstöße und für sinnloses Treten von hinten auf Höhe der Mittellinie den Platzverweis vor.

Nachdem der FC die Anfangsphase nach einem Lattentreffer von Alexander Esswein nach 36 Sekunden (!) und einem Knaller ans Lattenkreuz von Markus Hegeler (16.) nur mit viel Dusel überstanden hatte, schien sich Abwehrchef Pedro Geromel geschworen zu haben, es nicht mehr so weit kommen zu lassen.

Nach einer Attacke des FC-Kapitäns gegen Markus Feulner im Strafraum hatte sich Schiedsrichter Michael Weiner bereits weggedreht, ließ sich aber von seinem Linienrichter Norbert Grudzinski umstimmen und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Club-Kapitän Timmy Simons vollendete platziert unten links (31.). Nur vier Minuten später stand Geromel erneut im Blickpunkt, als er diesmal gegen Tomas Pekhart die Axt auspackte. Die übrigen Akteure blieben die selben: Pfiff Weiner, Torschuss Simons unten links, der FC lag 0:2 zurück. „Ich habe mit beiden Entscheidungen kein Pro-blem”, beschied Solbakken dem umstrittetenen Weiner, die richtige Entscheidung.

Hoffnung keimte bei der 43.200 Zuschauern wieder auf, als Adil Chihi der Anschluss gelang (39.) und Pekhart nach wiederholtem gefährlichen Spiel (zwei Mal gegen Geromel) nach Gelb-Rot den Platz verlassen musste.

Doch aus dieser zahlenmäßigen Überlegenheit machten die Hausherren ebenso wenig wie aus der Tatsache, dass Alexander Stephan, der zweite Ersatztorhüter der Clubberer, seinen ersten Bundesliga-Einsatz bestritt. Der Grund für die Misere, die den Nürnberger selbst in Unterzahl ein Chancenplus eröffnete?

„Wir hatten nicht den Mut, nicht die Ausstrahlung, nicht die breite Brust”, analysierte Torhüter Michael Rensing, der wieder in die Startformation rückte - und ging mit dem Team hart ins Gericht. „Bei einigen grundsätzlichen Dingen muss sich jeder an die eigene Nase fassen”, kritisierte der 27-Jährige vor allem die defensiven Kindereien seiner Vorderleute. „Und ich meine nicht nur die Viererkette und die beiden Sechser. Wenn nicht alle mitarbeiten, dann hast du ein Problem.”

Standpauke für Adil Chihi

Ein Problem nahm sich Kölns Torhüter noch während des Spiels persönlich vor und hielt Adil Chihi nach Ballverlust am eigenen Strafraum eine Standpauke: „Am gegnerischen Sechzehner kann er diese Dinger machen, aber am eigenen soll er die Mätzchen sein lassen, habe ich ihm gesagt.”

Als Miso Brecko an der Mittellinie Feulner von hinten umhackte und dafür den Roten Karton sah (75.), war das zahlenmäßige Gleichgewicht wieder hergestellt - und die spärlichen und überschaubaren Kölner Angriffsversuche verliefen noch harmloser als in Überzahl. „Dann war die Drangperiode überstanden und meine jungen Spieler wurden wieder viel ruhiger”, zollte Dieter Hecking seiner abgezockten Jungschar Lob.

Für den 1. FC Köln hatte Torhüter Rensing nach 14 Gegentreffern das Patentrezept parat, warum sich die Fahrt am kommenden Wochenende zu Bayer Leverkusen doch lohnen könnte: „Die Hoffnung, die stirbt zuletzt.”
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