Schnell und fleißig, aber (noch) nicht effektiv

Von: Bernd Schneiders
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Ohne Ball schnell, mit Ball der schnellste Borusse: Karim Matmour. Foto: imago/Volkmann

Mönchengladbach. Bilanzen lesen ist für Wirtschaftsfachleute ein Muss. Auch im Fußball ist das möglich. Und hier kann ebenfalls hinter so manch nackter Zahl eine mittelgroße Überraschung stecken. Wie etwa bei Borussia Mönchengladbach. Nun muss man nicht um die Finanzkraft des Vereins bangen.

Die ist sicherlich besser als sein Tabellenplatz. Vielmehr richtet sich der Blick auf die „sportlichen” Zahlen. Der Spieler mit den meisten Einsätzen ist - Karim Matmour! „In Karlsruhe habe ich Marko Marin überholt”, schmunzelt der Stürmer. In allen 27 Spielen dabei - wer das vor der Saison prophezeien konnte, sollte sich öfter aufs Wetten verlegen.

Denn der 23-Jährige ist ein Bundesliga-Rookie. Vom FC Freiburg brachte er viel Talent, aber keine Erstliga-Erfahrung mit. Und dieses Spannungsfeld zwischen 27 und Null verdeutlicht eine grundsätzliche Problematik des Aufsteigers: Der gebürtige Algerier, der auch einen französischen Pass besitzt, ist als eines von (zu) vielen zweibeinigen Fragezeichen die Konstante im Abenteuerland Bundesliga. Seine ehemaligen Freiburger Kollegen Pitroipa und Aogo konnten in Hamburg trotz womöglich noch mehr Potenzials viel behutsamer aufgebaut werden.

„Erfahrung ist gut und wichtig, aber Erfahrung ist auch nicht alles”, entgegnet der ideale Konterstürmer. „Du hast nie die gleiche Situation.” Aber da der junge Mann nicht blind, dafür äußerst smart ist, gibt er zu: „In Drucksituationen ist Erfahrung natürlich schon wichtig. Aber inzwischen ist dieses Defizit ja behoben.”

Bundesliga-Kurs im Schnelldurchgang - dass durch die bitteren Lektionen besonders in der ersten Saisonhälfte die Zeit davon läuft, glaubt Matmour nicht. Er rechnet fest damit, „dass wir in der Liga bleiben”. Und das ohne ein Alptraumspiel: Gladbach gegen Freiburg, seinen Ex-Klub. „Der SC wird Erster und wir zumindest Viertletzter.”

Er kann seinen Beitrag dazu leisten. Zwei Tore stehen auf seinem Konto. „Nur” muss man sagen, bei der Vielzahl an Chancen, die sich dem Stürmer boten. Mit dieser Diskrepanz wird er immer wieder konfrontiert. Und so reagiert er halb schuld-, halb selbstbewusst. „Ich weiß, was ich kann.” Und gelobt fast in einem Atemzug Besserung. „Ich muss effektiver werden.” Böse kann man dem jungen Mann eh nicht sein. Nicht nur wegen seines entwaffnenden Lächelns. Er arbeitet mehr als jeder andere für die Mannschaft. Oder besser gesagt: Er läuft. „Wenn ich das reduziere, bin ich womöglich konzentrierter im Abschluss. Aber das ist nun mal mein Naturell.”

Seine 100-Meter-Zeit kennt er nicht. Interessiert ihn auch nicht. Moses Lamidi etwa sei schneller, aber „ich bin der Schnellste mit dem Ball”. Und das algerische Laufwunder kennt nicht nur eine Richtung: Er hilft - anders als viele Sturmkollegen - auch hinten aus, bis die Milchsäure kocht. „Ich kann zwanzig Sprints machen, ohne Probleme.”

Der Marathon-Sprinter fühlt sich in der Ersten Liga wohl. Die Zweite war „irgendwie komisch. Da gibt es so viele Kämpfer. In der Ersten kann jeder auch Fußball spielen.” Matmour könnte einen entscheidenden Beitrag leisten beim Kampf gegen den Rückfall in die „komische” Liga. Durch mehr Tore. Und auch mit einer anregenden Idee für die Umsetzung kann er sich angesichts etlicher misslungener Torschüsse leicht anfreunden: Einfach mit dem Ball ins Tor rennen. „Genau, das muss ich in Frankfurt probieren.”
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