Saftloser Auftritt beim Finale auf dem Tivoli

Von: Roman Sobierajski
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Alemannia Aachen hat die Saison auf Rang zehn beendet.

Aachen. Die Rollenverteilung nach dem letzten Schiedsrichter-Pfiff auf dem Tivoli war klar: Die Spieler standen hinter den Tresen an der Südtribüne und schenkten an die Fans Bier aus.

„Und ich werde vor der Theke stehen, denn ich war heute der Einzige, der einen guten Job gemacht hat”, entband sich Aachens Trainer Peter Hyballa von dieser feucht-fröhlichen Verpflichtung. Nach dem 1:1 gegen die bereits als Absteiger feststehende Arminia aus Bielefeld - von der Mannschaft und den mitgereisten Fans gefeiert wie der Gewinn des Ostwestfalen-Pokals - war auch das letzte „Zielchen” der Saison zerplatzt: Die 50-Punkte-Marke blieb ungeknackt. „Das war ein ätzendes Spiel, ein saft- und kraftloser Auftritt der Mannschaft, unsere taktischen Vorgaben waren schnell aufgehoben. Einige Spieler waren wohl schon in Urlaub.”

Auch wenn das Wort „Laufbereitschaft” in der Mannschaftsbesprechung wohl nicht verstanden worden war, so war diese letzte Partie so etwas wie ein Abbild der kompletten Saison. Der Führungstreffer der Alemannia war das Aachener Standardtor der Spielzeit: Zoltan Stieber flankte in den Strafraum, fand dort Benny Auer, der den Ball irgendwie an Bielefelds Torhüter Patrick Platins vorbei zu seinem 20. Saisontreffer in die Maschen bugsierte (33.). Doch dann ließen die Schwarz-Gelben nach, die Gäste kamen zu immer mehr Ballbesitz, waren stärker in den Zweikämpfen - und eigentlich war es nur deren Unvermögen zu verdanken, Großchancen auch in Torerfolge umzumünzen, dass die Alemannia-Führung bis zur 72. Minute Bestand hatte.

Die Abwehr ausgehebelt

Es folgte das nächste Charakteristikum: Mit nur einem Pass über das halbe Spielfeld hebelte Dario Vidosic die komplette Aachener Abwehr aus, der eingewechselte Christian Müller überwand Torhüter Thorsten Stuckmann zum Ausgleich. Zuvor war Besart Berisha zunächst mit einem Kopfball ans Lattenkreuz (42.), dann an Aachens Abwehr (44.), schließlich freistehend vor Stuckmann (53.) und an Tolgay Arslan (67.) gescheitert, der seinen Kopfball von der Linie kratzte. Zwar hatten auch Alper Uludag, der den Ball an den Pfosten bugsierte, und Auer mit dem Abpraller kurz vor Spielende noch eine Riesenchance auf den achten Heimsieg der Saison, doch der wäre alles andere als verdient gewesen.

So blieb es die Aufgabe von Sportdirektor Erik Meijer, auf dem Platz die Saison 2010/11 zu beenden, indem er erst die acht Spieler von A (Arslan) bis Z (Zdebel) verabschiedete, die den Verein verlassen, um dann den 19 986 Zuschauern den fünften Neuzugang für die kommende Saison zu verkünden: Rechtsverteidiger Kim Falkenberg wechselt für zwei Jahre von der Spielvereinigung Greuther Fürth an den Tivoli. Da auch die Franken den 23-Jährigen weiter an sich binden wollten, hat Meijer für „das Schließen unserer Achillesferse über die gesamte Saison” einiges aufgeboten - zumindest „das Zehnfache, was die Zuschauerzahlen angeht”. Noch am heutigen Montag erwartet der 41-Jährige auch Grünes Licht von Borussia Dortmund für die Ausleihe von Marco Stiepermann. Der 1,90 Meter große Linksfuß hat alle U-Nationalmannschaften durchlaufen, durfte 28 Minuten Bundesligaluft schnuppern und kann alle Angriffspositionen spielen.

Das Schlusswort des Schlusstages stand jedoch Zoltan Stieber zu, der nach Problemen beim letzten Heimspiel doch noch die „Humba” mit den Zuschauern gelernt hat. „Ich hatte hier das glücklichste Jahr meiner Karriere mit zehn Toren und ein paar Vorlagen”, verabschiedete sich der 22-jährige Ungar Richtung Mainz 05 und Erste Bundesliga.

Und räumte dann unverblümt ein, dass der Pokalsieg über seinen neuen Arbeitgeber für ihn der schönste Moment in der abgelaufenen Saison gewesen sei. „Ich hoffe, ich komme wieder und kann noch einmal in diesem schönen Stadion spielen - wenn die Alemannia in die Bundesliga aufgestiegen ist.”
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