Robert Leipertz: „Dann rief mich Frank Schmidt auf einmal an“

Von: André Schaefer
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Heute jubelt er für Heidenheim: Ex-Alemanne Robert Leipertz nach seinem 3:0 in St. Pauli. Foto: sport/Eibner
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Der schönste Moment: Robert Leipertz bejubelt in Heidenheim sein erstes Profi-Tor. Foto: sport/Eibner

Jülich. Die Frage nach dem schönsten Moment seiner noch jungen Karriere kann Robert Leipertz zügig beantworten. „2. November 2012“, sagt der 21-Jährige wie aus der Pistole geschossen. Es war ein kühler Freitagabend in Heidenheim, 16. Spieltag, die Alemannia ging noch in der Dritten Liga auf Punktejagd. Und es lief die 43. Spielminute, als Leipertz’ Schuss nach kurzem Solo im unteren rechten Eck landete.

Der Torschütze ballte die Faust, lief zu den mitgereisten Fans und ließ sich frenetisch feiern für einen Treffer, der kein normaler war: Leipertz hatte soeben sein erstes Profi-Tor erzielt.

Mehr als zwei Jahre ist diese Partie schon her, in der Zwischenzeit ist einiges passiert. Während Leipertz‘ Ex-Verein die Sportanlagen der Regionalliga erkundet, verdient der gebürtige Jülicher seine Brötchen in Deutschlands zweithöchster Fußballklasse. Ganz wie der Zufall es will, ist er ausgerechnet an dem Ort im Profigeschäft angekommen, an den sich der junge Mann so gerne erinnert: Robert Leipertz spielt seit dem vergangenen Sommer für den 1. FC Heidenheim.

Es ist ein blitzsauberer Start, den der offensive Mittelfeldspieler gleich in seinem ersten Zweitliga-Jahr hingelegt hat. 16 Einsätze, drei Treffer, vier Torvorlagen: Beim Aufsteiger aus Heidenheim gehört Leipertz zum Stammpersonal. „Ich habe nicht unbedingt damit gerechnet, dass es so schnell schon so gut läuft“, ist er selbst ein wenig überrascht über seine rasante Entwicklung. „Vielleicht ist es mir zugute gekommen, dass ich schon schnell gelernt habe, mich richtig durchzubeißen.“

Gelernt hat der Linksfuß zumindest schon in jungen Jahren, was es bedeutet, mit schwierigen Situationen umzugehen. Über Rasensport Tetz, den Bedburger BV und Viktoria Arnoldsweiler führte der Weg 2008 letztlich in die Nachwuchsmannschaften der Aleman-nia. In der U 19-Bundesliga wurde Leipertz zweitbester Torschütze. Im Sommer 2012 packte er den Sprung ins Profiteam, das sich gerade erst aus der Zweiten Liga verabschiedet hatte.

„Für mich ging damals ein Traum in Erfüllung“, sagt Leipertz, der sich trotz der Beförderung ein zweites Standbein aufbaute: In der Geschäftsstelle der Alemannia begann der frischgebackene Abiturient eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann. „Und dann kam die Insolvenz“, blickt Leipertz noch heute mit finsterer Miene zurück auf „einige sehr schwere Monate“, wie er sagt. „Irgendwann war dann dieser Moment gekommen, in dem ich spürte, dass ich eine Veränderung brauche.“

Dieser Moment, das war im Sommer 2013. Der Gang der Alemannia in die Regionalliga stand inzwischen auch sportlich fest, und Leipertz entschied sich, dem Tivoli den Rücken zu kehren und seine Zelte bei der Zweitvertretung des FC Schalke 04 aufzuschlagen – ebenfalls in der Regionalliga. Seine Ausbildung hängte der 21-Jährige vorzeitig an den Nagel, gesetzt wurde alles auf die Karte Profifußball. „Für meine sportliche Entwicklung war das die richtige Entscheidung“, sagt er heute.

Leipertz zog nach Gelsenkirchen, lernte das Leben im Ruhrpott kennen. Auf dem Platz trainierte und spielte er auch an der Seite von Gerald Asamoah. „Ein überragender Typ, dem ich viel zu verdanken habe“, sagt Leipertz, der keine lange Eingewöhnungsphase bei den Königsblauen benötigte. Mit 20 Treffern wurde er zweitbester Torschütze der Regionalliga-West – eine Leistung, die auch in der oberen Vereinsetage nicht unbemerkt blieb.

Bereits im Herbst 2013 hatte Ex-Schalke-Trainer Jens Keller für Leipertz die Kabinentür der Profis geöffnet, seine Trainingskollegen hießen plötzlich Benedikt Höwedes und Klaas-Jan Huntelaar. „Bei meinem ersten Training gab mir Kevin Prince Boateng die Hand, sagte kurz Hallo und schaute mir ganz tief in die Augen. Und in denen konnte ich ablesen, dass er mich als Konkurrenten sah.

Da oben in der Bundesliga bekommst du rein gar nichts geschenkt“, sagt Leipertz. Für einen Einsatz im Fußballoberhaus reichte es nicht, die Aufmerksamkeit größerer Klubs hatte Leipertz dennoch auf sich gezogen. Einziges Problem: Kaum ein Klub war bereit, eine Ablöse für den 21-Jährigen zu zahlen, dessen Vertrag noch ein Jahr lief. „Und dann rief mich Frank Schmidt auf einmal an“, erzählt Leipertz.

Tipp von Olivier Caillas

Aus heiterem Himmel hatte Heidenheims Trainer – einst selbst Verteidiger im Dress der Alemannia – Leipertz Handynummer vergangenen Sommer nicht gewählt. Der Kontakt entstand über Schmidts ehemaligen Alemannia-Kollegen Olivier Caillas, ebenfalls aktiv für Schalkes U 23. „Er hat sozusagen bei Frank Schmidt meinen Namen ins Spiel gebracht“, erzählt Leipertz, dessen Entwicklung ausgerechnet den Zweitliga-Aufsteiger aus Heidenheim dazu veranlasste, für den Jülicher die Geldbörse zu öffnen.

„Schon nach dem ersten Gespräch war mir klar, da willst du hin. Das Konzept in Heidenheim hat mich direkt überzeugt“, sagt Leipertz, der beim Zweitliga-Aufsteiger ein Team vorfand, das sich schon seit Jahren kennt und personell kaum verändert hat. „Die Mannschaft ist eingespielt, sie harmoniert, da musst du nicht groß an den Automatismen arbeiten. Und gerade weil die Mannschaft im Kern schon seit vielen Jahren zusammenarbeitet, dachte ich erst, dass es umso schwerer für mich wird“, sagt Leipertz.

Heute weiß der 21-Jährige, dass er sich geirrt hat. Eine lange Eingewöhnungsphase benötigte der Jülicher auch beim Zweitligisten nicht. „Ich fühle mich wohl dort. Ich kann mich da voll auf meine sportliche Entwicklung konzentrieren“, sagt er. Die sieht der Profi nämlich noch lange nicht am Ende. „Ich will dauerhaft eine feste Größe im Team sein. Wenn mir das gelingt, wage ich den Blick nach oben. Natürlich will ich meine Tore irgendwann einmal in der Bundesliga schießen“, sagt er. Sollte dieser Moment eines Tages kommen, ist es gut möglich, dass Leipertz‘ Antwort auf die Frage nach dem schönsten Moment seiner Karriere anders ausfallen wird.

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