Podolski: „Das ist ein Schock”

Von: Günter Kirschbaum
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Spritzigkeit der besonderen Art: FC-Kicker Kevin Pezzoni (am Boden) und Borussen-Stürmer Igor de Camargo bei den Kölner Wasserspielen. Foto: imago/Sven Simon

Köln. Minutenlang hatte Wolfgang Overath nach dem Schlusspfiff reglos ins Leere gestarrt. Der Präsident des 1. FC Köln wird Lukas Podolski nicht wahrgenommen haben.

Die Klub-Ikone kauerte fassungslos im Mittelkreis und ließ die Eindrücke dieses nass-grauen Nachmittages auf sich einwirken.

Am Rhein herrschte nach der 0:4 (0:0)-Derbypleite gegen Borussia Mönchengladbach Untergangsstimmung. „Das ist eine der bittersten Niederlagen der letzten Jahre”, sagte Podolski nachher. „Vor allem die Art und Weise wie wir verloren haben, ist einfach deprimierend. Das ist ein Schock, wie wir gespielt haben, ist eine Beleidigung für die Fans.”

Die wollten sich das auch nicht gefallen lassen. Prangte von der Südtribüne vor dem Anpfiff ein Transparent mit der Aufschrift „En unsem Veedel häld mer zosamme, egal, wat ooch passeet”, so endete dieser Zusammenhalt während der zweiten Halbzeit.

Mit jedem Gladbacher Treffer wuchs der Zorn auf die eigenen Lieblinge. Und als die FC-Spieler nach der Partie den zaghaften Versuch unternahmen, sich für die Unterstützung bei ihrem Anhang zu bedanken, schlug ihnen der blanke Hass entgegen. Verstört machten sie kehrt und verschwanden wortlos in der Kabine.

Kölner Kartenhaus stürzt ein

Während der 90 Minuten war es auch eine einzige Situation, die das Kölner Kartenhaus einstürzen ließ. Nachdem Raul Bobadilla in der 51. Minute mit seinem Freistoß die Elf vom Niederrhein in Führung geschossen hatte, „haben wir die Organisation verloren, uns nicht mehr als Mannschaft gewehrt”, wie es FC-Coach Frank Schaefer formulierte. „Wir waren in einer Schock-Starre und haben als Mannschaft keine Reaktion gezeigt.”

Noch klarere Worte fand Milivoje Novakovic. „Das tut sehr, sehr weh”, sagte der Slowene. „Nach dem Tor ist alles untergegangen.” Und der Stürmer des Tabellenletzten zeigte gleich den weiteren Weg auf: „Wir kommen aus dieser Situation nur zusammen raus. Wir müssen uns selbst helfen, das kann kein anderer.”

Das bleibt abzuwarten. Denn in Köln ist seit Samstagnachmittag fast nichts mehr so, wie vor diesem Derby. Manager Michael Meier verkündete zwar, dass es „wie besprochen” mit Interimstrainer Frank Schaefer weitergeht.

Nicht gesichert ist allerdings, ob diese Entscheidung überhaupt noch in die Kompetenz des 60-Jährigen fällt. Meier ist angeschlagen, die Fans sehen in der Person des Managers den Hauptschuldigen für den sportlichen FC-Niedergang, und der Verwaltungsrat forderte bereits die Entlassung Meiers.

Der denkt gar nicht daran, dem Druck aus Klub und Umfeld nachzugeben. „Ich persönlich werde weitermachen und nicht beim ersten Gegenwind einknicken”, betonte der Manager auch angesichts des nächsten, unangenehmen Termins, der auf ihn wartet. Am Mittwoch findet die Jahreshauptversammlung statt. „Mitglieder sind ja keine Gegner”, befand Meier und ist überzeugt, dass es einen sachlichen Dialog geben wird.

In diesen unruhigen Tagen erscheint in Köln alles möglich. Zwar stehen auf der Versammlung keine Wahlen an, aber die Entlastung für Overath und seine Präsidiumskollegen. Auf „facebook” formieren sich seit Samstagabend Mitglieder, die Overath genau die verweigern wollen. Sollte das passieren, käme selbst ein Rücktritt des stolzen und sensiblen Präsidenten nicht überraschend.

Die Marschrichtung für die letzten Tage vor der richtungsweisenden Versammlung haben Wolfgang Overath und seine Vizepräsidenten Friedrich Neukirch und Jürgen Glowacz wohl schon im Stadion besprochen. Sie verbarrikadierten sich in der FC-Loge und zogen die Vorhänge zu. Das Ergebnis der Unterredung ist nicht bekannt.
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