Köln - Overath versteht Schaefers Schritt nicht

Overath versteht Schaefers Schritt nicht

Von: Michael Krämer
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Und Tschüss: Kölns Trainer F
Und Tschüss: Kölns Trainer Frank Schaefer gab am Dienstagmittag auf einer eilends einberufenen Pressekonferenz gemeinsam mit Sportdirektor Volker Finke bekannt, dass er am Saisonende aufhören wird. Foto: dapd

Köln. Frank Schaefer hatte es nach dem Vormittagstraining des 1. FC Köln eilig. Ungewohnt schnell versammelte er das komplette Team in der Umkleidekabine um sich. Eine Stunde später informierte der Klub auch die Öffentlichkeit.

Frank Schaefer hatte zwischen Präsident Wolfgang Overath und Sportdirektor Volker Finke Platz genommen und verkündete seine in den vergangenen beiden Tagen gereifte Entscheidung, das Amt des Profi-Trainers beim 1. FC Köln nach der Saison niederzulegen: „Es war mein Wunsch, dass wir das nicht in einer Presseerklärung, sondern im persönlichen Rahmen machen”, sagte Schaefer.

Interna drangen nach draußen

Er sei keiner, der auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzt. „Ich bin zu hundert Prozent auf eine Sache konzentriert, ich habe den Tunnel-Blick”, sagte er bezogen auf die Spekulationen der jüngsten Vergangenheit um seine Vertragsverlängerung. „Ich wollte die Situation erst nach dem Klassenerhalt klären. Aber ich hatte den Eindruck, dass ich den Verein belaste.”

In der vergangenen Woche war von Sportdirektor Volker Finke der Glaube des Trainers in den Vordergrund gerückt und als möglicher Grund für seine noch nicht erfolgte Vertragsverlängerung genannt worden. Zudem drangen immer wieder Interna aus der Kabine nach außen, und der Zusammenhalt im Team hatte stark gelitten.

Die wachsenden Diskussionen um seine Zukunft im Zusammenhang mit dem sportlichen Abwärtstrend haben Schaefer nun bewogen, schon jetzt eine Entscheidung zu treffen. „Ich möchte, dass durch die Klärung meiner Situation die Basis geschaffen wird, um gemeinsam den Klassenerhalt zu schaffen”, sagte Schaefer, der sich bei Fans und Vorstand bedankte. „Die Fans haben mir eine ganz besondere Unterstützung gegeben. Ich bitte gerade sie, meine Entscheidung zu respektieren.” Am Dienstagabend jedoch sah das in einigen Fan-Foren im Internet anders aus. Dort wurde zu einem Boykott des Klubs aufgerufen.

Wolfgang Overath bemühte sich mittags herauszustellen, wie gern der Vorstand mit Schaefer verlängert hätte: „Wir haben alles versucht, um ihm zu zeigen, dass er das Beste ist, was diesem Klub passieren konnte. Diese Entscheidung hat er alleine getroffen, und die müssen wir alle akzeptieren”, sagte Overath und richtete das Wort direkt an den Trainer: „Frank, wir haben dir viel zu verdanken. Wir sind sehr, sehr traurig.” Der FC-Präsident zeigte jedoch auch Unverständnis für den Entschluss des 47-Jährigen: „Ich kann es mir kaum vorstellen, dass es einen Trainer gibt, der in seinem geliebten Verein aus der U 23 kommt, Profitrainer wird und so viele Erfolge hat wie er und einer der großen Trainer werden und viel Geld verdienen kann. Und dass dieser Mensch sagt, es gibt private und persönliche Dinge, die für mich wichtiger sind. Das ist eine Aussage, die ich nie für möglich gehalten hätte.”

Volker Finke, der sich zuletzt in die Belange des Trainers eingemischt hatte, bezeichnete Schaefers Schritt als „mutig und außergewöhnlich” und erhöhte den Druck auf das Team: „Es gibt keine Entschuldigungen mehr.” Der Endspurt gegen Wolfsburg, Leverkusen, Frankfurt und Schalke wird nun zur Abschiedstournee des Profi-Trainers Schaefer. Wie sein Assistent Dirk Lottner wird er aber weiter für den FC arbeiten. „Position, Bereich und Funktion sind noch nicht abgesprochen, erst einmal hat die Lizenzmannschaft Priorität”, sagte Schaefer, der die Rolle der Medien als „nicht entscheidend” nannte und sich selbst „ein dickes Fell” attestierte.

Und doch übte der Coach Kritik. „Störend im Bereich der Öffentlichkeit ist in Dingen der Mannschaftsführung, der Trainingsgestaltung und der Aufstellung, dass man permanent beobachtet wird, permanent die Dinge nach außen gebracht werden.”

Finke schloss derweil erneut aus, selbst die Nachfolge Schaefers anzutreten. „Es gab keinen Plan B. Wir haben mit niemandem geredet”, sagte Finke, der nun einen passenden Nachfolger finden muss. Angebliche Gespräche mit Michael Skibbe hatte er noch am Samstag dementiert.
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