Namensforscher: Was es mit Klassikern wie Concordia auf sich hat

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Wofür Roland steht, woher Komet kommt und was es mit Klassikern wie Concordia und Rhenania auf sich hat: Interview mit Namensforscher Jürgen Udolph.

Aachen. Wenn Menschen Fragen zu Namen und deren Bedeutung haben, dann melden sie sich bei Jürgen Udolph. Und sie melden sich beinahe täglich. Udolph, 73, ist Namenskundler, emeritierter Professor an der Universität Leipzig, Vorstand eines Zentrums für Namensforschung.

Und er wird oft gefragt, ob er ein Interview geben kann. In dem mit Lukas Weinberger und Christoph Classen stellte Udolph aber auch selbst Fragen.

Hallo Herr Udolph, was ist Ihr erster Gedanke, wenn Sie Roland Millich hören?

Jürgen Udolph: Erst mal gar keiner. Verstehe ich überhaupt nicht. Vor allem Millich sagt mir nichts.

Millich ist ein Ortsteil von Hückelhoven, die Stadt gehört zum Kreis Heinsberg.

Udolph: Ich bin Norddeutscher, kein Wunder, dass ich keine Ahnung habe, was Millich ist.

Bei Roland Millich haben Sie etwa nicht sofort an einen Sportverein gedacht?

Udolph: Absolut nicht. Bei Roland habe ich an etwas gedacht, aber nur weil ich vor unserem Gespräch ja wusste, dass wir über Vereinsnamen sprechen werden.

Woran haben Sie gedacht als Sie „Roland“ hörten?

Udolph: An den Bremer Roland. Aber ich meine mich auch dunkel zu erinnern, dass Roland ein Vereinsname sein kann. Klar, es gibt auch Roland Bremen.

Ist das ein Kleingartenverein?

Udolph: Ein Fußballverein.

Wie Roland Millich!

Udolph: Ja. Aber warum heißt ein Fußballverein Roland?

Das war unsere Frage an Sie.

Udolph: Gut. Roland ist in vielen Städten ein Zeichen bürgerlicher Freiheit, die Roland-Figur, wie es sie ja in Bremen gibt, gilt als Symbol der Eigenständigkeit einer Stadt. Der Ausspruch „Stadtluft macht frei“ kommt daher, wussten Sie das?

Nein, aber das ist natürlich eine gute Überleitung zu Wanderlust Süsterseel, auch ein Fußballverein bei uns in der Gegend.

Udolph: Interessant. Wanderlust als Name für einen Fußballverein habe ich auch noch nicht gehört. Wanderlust heißen eher Wandervereine.

Wie finden Sie Komet Steckenborn?

Udolph: Komet kenne ich als Vereinsnamen. Kommt wahrscheinlich aus Norddeutschland. Es gibt auch Komet Blankenese und Komet Pennigbüttel. Klingt ja auch irre, oder?

Gute Kombination. Noch mehr Kometen?

Udolph: Unter anderem Komet Arsten und Komet Walle.

Sie beschäftigen sich beruflich mit Namen und werden schon ein paar gehört haben. Gibt es einen, den Sie besonders schön finden?

Udolph: Besonders schön nicht, aber unglaublich seltsam und lustig: Aktivist Brieske-Senftenberg. Ein DDR-Verein, hat zeitweise auch in der ersten Liga gespielt. Sehr auffälliger Name, habe ich mir gemerkt.

Wissen Sie, wie es dazu kam?

Udolph: In der sozialistischen Gesellschaft wurden oft Namen gewählt, die etwas mit Betrieben und Antrieben zu tun hatten. Namen, die aus der Produktion kommen. Beispielsweise Motor Jena oder Turbine Potsdam. Und ein Aktivist war zu DDR-Zeiten jemand, der ganz besonders viel geleistet hat und dafür eine Auszeichnung bekam.

Aktivist Brieske ist natürlich schon etwas anderes als Borussia. Apropos: Was bedeutet Borussia?

Udolph: Eine latinisierte Form von Preußen. Und warum wählt man den Namen Borussia?

Wieder eigentlich unsere Frage an Sie.

Udolph: Größe und Entwicklung Preußens spielten eine zentrale Rolle, besonders in den Jahren um 1870/71. Da griff man gerne zu solchen Namen. Namen, die etwas Großes beinhalteten. Ich glaube, so kann man es verstehen.

Sie müssen uns bitte auch noch die anderen Klassiker erklären. Rhenania?

Udolph: Bedeutet „Aus der Rheingegend kommend“. Der lateinische Namen des Rheins ist Rhenus. Auch studentische Verbindungen heißen oft Rhenania. Wenn die Studenten früher die Heimat verließen, fanden sich in der neuen Heimat, der Universitätsstadt, oft die zusammen, die aus der gleichen Gegend kamen. Rhenania waren die, die aus dem Rheinland kamen. Die anderen waren dann etwa die Alemannier, die aus Alemannien kamen.

Gut, dass Sie es erwähnen: Alemannia?

Udolph: Geht auf die Alemannen zurück, einen germanischen Stamm. Alemannia heißt eigentlich Deutsche.

Eintracht?

Udolph: Man soll einig zusammenstehen, einträchtig sein.

Concordia?

Udolph: Dasselbe, nur in Lateinisch. Concordia bedeutet Eintracht.

Viktoria?

Udolph: Ist die römische Siegesgöttin. Der Name wurde übrigens durch die Türkenkriege beliebt, aber das nur am Rande.

Fortuna?

Udolph: Die römische Göttin des Glücks- und Schicksals. „Da war Dir Fortuna hold“, sagt man heute noch manchmal, oder?

Selten. Germania?

Udolph: Germania ist eine mythische Gestalt für Deutschland. Wobei übrigens nach wie vor ungeklärt ist, wo der Name der Germanen her kommt.

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