Mönchengladbach vergibt 3:0-Führung in Bochum

Von: Bernd Schneiders
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Roel Brouwers gewinnt den Hochsprungwettbewerb und köpft das 0:3 für Gladbach. Foto: imago/T-F-Foto

Bochum. Nun wird man wieder spekulieren, was denn wohl zur Halbzeit in der Bochumer Kabine los war. Wenn eine Mannschaft 0:3 zurückliegt und dann noch ein 3:3 gegen einen haushoch überlegenen Gast aus Mönchengladbach schafft, muss es am liebsten laut geworden sein.

So stellt man sich das Wirken eines Trainers vor. Marcel Koller aber musste seinem Namen keine Ehre machen. Er wechselte einfach Christoph Dabrowski aus, Slawo Freier ein, ließ ihn aber rechts in der Raute spielen und Mimoun Azaouagh auf die andere Seite wechseln. So weit die taktische Vorgeschichte. Dann aber kam hinzu, was zumindest Borussia-Trainer Michael Frontzeck „so noch nicht erlebt habe - nicht innerhalb von anderthalb Minuten”.

Azaouagh traf aus gut 20 Metern mit einem Schlenzer zum Ehrentreffer (51.). Nur 47 Sekunden später glaubten die 29.766 Zuschauer eine 3-D-Wiederholung des 1:3 zu sehen. Azaouagh in den Winkel, klar, haben wir schon gesehen - 1:3. Denkste! 2:3! Der Ex-Schalker traf gegen Borussias Ex-Schalker Christofer Heimeroth fast von der exakt gleichen Position auf genau die gleiche Art.

Und vorbei war die Gladbacher Herrlichkeit. „Die erste Halbzeit war fast perfekt”, urteilte Frontzeck. „Und das war kein Zufall, sondern so, wie man sich das vorstellt. Wir müssen dann nur noch das 4:0 machen.” Dazu gab es genügend Möglichkeiten nach den blitzsauberen Toren von Juan Arango (19.), Roberto Colautti (26.) und Roel Brouwers (40.), beide per Kopf. Aber Raul Bobadilla bevorzugte bei den Kontern zu oft die Extra-Einlage, und Karim Matmour scheiterte an Bochums Torhüter Philipp Heerwagen (48.).

Schon wenige Minuten zuvor beschlich Max Eberl ein ungutes Gefühl beim Gang in die Kabine. „Wenn alle dir entgegen kommen und sagen: Glückwunsch! Und: Klasse! - Das ist Scheiße. Fußball ist 90 Minuten”, ärgerte sich Mönchengladbachs Sportdirektor. Und Frontzeck deutete an, dass in der zweiten Hälfte nicht nur ein Doppel-Geistesblitz von Azaouagh die Wende brachte. „Zu verhindern ist alles”, konstatierte der Ex-Profi. Etwa durch einen Teil des Doppel-Sechsers, Michael Bradley zum Beispiel.

Eine simple Umstellung der Bochumer reichte, um Azaouagh den Raum zu geben, den er vor der Pause nie gehabt hatte. Doppel-Tor, beide Male war es der zweite Ball, der dem Filigran-Techniker vor die Füße fiel. „Ich habe auch noch genug gesehen, woran wir arbeiten müssen”, prophezeite der Borussen-Coach.

Das dürfte im Falle von Bradley schwierig werden. Der US-Boy, wegen der drohenden Gelb-Roten Karte vorzeitig ausgewechselt, reist wie auch Arango, Colautti und Matmour zur Nationalmannschaft.

Eine personelle Umstellung der Bochumer, eine Glücksminute Azaouaghs - auch das reichte noch nicht ganz, um die zweite Halbzeit zum Gegenentwurf der ersten zu machen. Erst die Rote Karte für Dante, der als letzter Mann den wieselflinken Stanislav Sestak beim Durchbruch behinderte, komplettierte das Gladbacher Elend (60.).

Und war dennoch zugleich die Voraussetzung, eine andere Qualität der Gäste zu zeigen. Zwar traf der Bochumer Stürmer per Kopf gegen die numerisch unterlegenen Gladbacher zum Ausgleich (63.), doch „dann haben wir Moral bewiesen”, lobte Kampf-Vorbild Tobias Levels, der zuvor das 2:0 mit einer Traumflanke vorbereitet hatte. „Wie sie sich dann in jeden Schuss geworfen haben, das war klasse”, lobte auch Frontzeck. Der Mann, der in der ersten Halbzeit brilliert hatte, hätte dem Spiel fast noch die zweite sensationelle Wende gegeben. Doch Arangos Schuss wischte Heerwagen im letzten Moment über die Latte (87.).

Frontzeck haderte mit dieser Szene. Aber nicht mit dem Venezolaner. „Da gabs ein klares Handspiel.” Marc Pfertzels Sünde blieb ungesühnt. Was das Fazit von Eberl bestätigte: „Für die Fans war es ein Fußballfest. Für die Verantwortlichen eine Berg- und Talfahrt, bei der der Puls Tango tanzte.”
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