Meyer-Schüler ignorieren sogar Blauen Brief

Von: Bernd Schneiders
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Verhinderter Borussen-Held: Dantes spätes 1:1 reichte nicht zum Punktgewinn, seine Kraft und Konzentration nicht für 90 Minuten. Foto: Kruck

Mönchengladbach. Der sonst stets so coole Felix Magath war verblüfft: „Wir telefonieren”, vermochte er gerade noch seinem Mönchengladbacher Kollegen hinterherzurufen. Doch das hörte Hans Meyer schon gar nicht mehr.

„Der ist aber schnell”, vermerkte Wolfsburgs Trainer halb belustigt, halb enttäuscht. Zu gerne hätte er noch ein kleines Pläuschchen mit dem 66-Jährigen gehalten, doch der thüringische Koloss rannte beinahe vom Pressekonferenz-Podium. Diese Bühne, die er sonst so liebt - auch wenn er das niemals zugeben würde -, war Meyer in diesem Moment unerträglich. Der Stachel saß zu tief.

1:2 gegen den Tabellenführer verloren. An sich kein Problem. Doch die Art und Weise ging nicht nur dem Borussen-Coach an die Nerven. Seine Mannschaft hatte eine späte Belohnung schnöde verschmäht, naiv und in der momentanen Tabellensituation grob fahrlässig.

Die erste Halbzeit präsentierte sich als Augenreib-Spektakel: Der Abstiegskandidat dominierte den Liga-Führer, erspielte sich vier bis fünf hochkarätige Chancen. „Wir waren viel zu verhalten”, schimpfte Magath und mochte auch die eingelagerte Phase, in der seine „Wölfe” den eigentlich überlegenen Gegner kurzerhand in eine desorientierte Schafherde verwandelte, nicht zur Legende verklären. „Es wäre schön, wenn sie das bewusst gemacht hätten.” Diese Mischung aus Cleverness und Gladbacher Panik-Anfall reichte aber, um durch einen Kopfball von Edin Dzeko in Führung zu gehen (20.).

Borussen am Ende

Als die Gladbacher spät ebenfalls durch einen Kopfball (Dante/79.) zum Ausgleich kamen, hatten sie ihre Struktur, ihre Konzentration und teilweise ihre Kondition (Matmour, Dante, Baumjohann) längst verloren. Ein Geschenk also, dass man behutsam an die Brust nehmen und hegen und pflegen sollte.

Doch die Borussen waren am Ende, mit ihrer Kraft, mit ihrer Konzentration und erst recht mit ihrem Erlernten. „Die Spieler denken nicht defensiv”, hatte Meyer zu Amtsbeginn festgestellt. Sein Nachhilfeunterricht, mit einer personell verändert Klasse natürlich, zeigte aber zuletzt Früchte. Jetzt aber verfielen seine Schüler in den alten Schlendrian.

Dabei gab es noch einen Blauen Brief, als Sascha Riether per Kopf Gladbachs Keeper Logan Bailly zu einer Weltklasseparade zwang. Der Weckruf verhallte ungehört: Nur zwei Minuten später durfte derselbe Spieler zum 2:1 für die Gäste eingrätschen (85.).

Hans Meyer hatte noch alles versucht, den Angriffsschwung der ersten Hälfte wieder zu erwecken. Nicht nur vergeblich: An diesem Nachmittag waren all seine Eingriffe kontraproduktiv. Galasek raus, dafür Alberman rein (59.), der Israeli sollte sich mehr um Misimovic kümmern, Bradley dafür mehr Druck nach vorne entfachen. Ergebnis: statt mehr Offensivstärke war die Struktur perdu. Neuville für den sich defensiv verweigernden Baumjohann (69.) - ohne jeden Effekt.

Gohouri als vorderster Rammbock für Matmour (79.) - den Ausgleich aber köpfte Dante ein. Der Ivorer hätte nun hinten aushelfen können. Meyer beauftragte stattdessen Bradley, sich wieder mehr zurückzuziehen. Und musste zugeben: „Das hat er nicht gut gemacht.”

Die vierte Einwechslung wäre eine produktive Form des Rückschritts gewesen, blieb Meyer fatalerweise durch das Regelwerk aber versagt: Tomas Galasek wieder hinein - und mit ihm die Struktur.
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