Meijers Wutausbruch irritiert Alemannia

Von: Klaus Schmidt
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Aachen. Zunächst lag die Vermutung nah: Da ärgert sich einer noch mal richtig über den verpatzten Rückrunden-Auftakt bei Union Berlin. „Ein Katastrophen-Spiel”, hob Erik Meijer an. „Fußball ist auch Defensivarbeit. Es geht mir auf den Sack, dass Marco Höger seinem Gegenspieler hinterherläuft.” Dann wurde immer klarer, dass Alemannia Aachens Manager durchaus tagesaktuell sprach.

„In so einem Spiel musst du den Gegner töten, das 4:1, 5:1 machen, Schluss. Die vorige Generation ist mehr über Leichen gegangen als die heutige.” Rumms, und weiter ging´s: „Fünf, sechs Leute haben sich wohl geschont fürs Bayern-Spiel.” Sein „Bauchgefühl” für Mittwoch konnte Meijer in diesem Moment noch nicht beschreiben. „Ich habe nur Wut im Bauch. Ich bin echt verbittert.”

Dieser Samstagmittag hatte ein paar nette Geschichten erzählt. Sechs Tore auf dem Tivoli, aus Aachener Sicht mit 4:2 gegen den Karlsruher SC schön verteilt und herausgespielt und einem Kantersieg gleichkommend. Es gab die Story um den überragenden Zoltan Stieber, „Man of the match” nicht nur für Meijer: „Er hat wieder drei Kilo mehr auf den Rippen und das Funkeln in den Augen.”

Und dann schrieb Sergiu Radu, erst am Freitag verpflichteter Stürmer-Zugang, die Zeilen zum perfekten Einstand. Eingewechselt von Peter Hyballa mit den Worten „Du darfst auch ein Tor schießen”, muss der Rumäne die neuen Kollegen jetzt vielleicht zwei Mal zum Essen einladen - „zu meinem Einstand und zu meinem ersten Tor”.
Das Publikum hatte der Mannschaft nach dem finalen Treffer in der 89. Minute verziehen, wie sie in der zweiten Halbzeit gehörig ins Schwimmen geraten war, und reagierte keck: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus”. Doch der Wutausbruch von Erik Meijer war nicht zu stoppen. „So laut und extrem habe ich ihn noch nicht erlebt, seit er Manager ist”, sagte Thomas Stehle. Die Kritik in der Kabine nach Spielende irritierte Spieler und Trainer gleichermaßen. Ob er das auch so sehe, dass sich einige geschont hätten? Peter Hyballa antwortete knapp: „Nächste Frage.” Dann gab der Chefcoach doch zu Protokoll: „Heute sind alle kaputt, weil sich keiner geschont hat.”

Das Spiel war ein Abziehbild von vielen Partien dieser Saison. Frühe Führung durch Stieber (5.), flotte Ballpassagen, dann eine Nachlässigkeit in der Abwehr und Ausgleich des Gegners (Staffeldt, 19.). Kurzes Durchschütteln, schnelle Antworten durch Auer (22.) und Arslan (26.). Doch wieder schaffte Alemannia es nicht, für frühzeitige Entspannung zu sorgen. Der KSC, in der Defensive mit haarsträubenden Fehlern, kam zurück (Krebs, 65.) - erspielte sich aber keine zwingenden Chancen mehr. Das war natürlich Alemannias Glück. „Doch die Mannschaft ist in der ersten Halbzeit so viel gelaufen, dass es sehr schwer war, in diesem Rhythmus zu bleiben”, sagte Sergiu Radu.

„Das ist mein voller Ernst”

Erik Meijer wollte seinen Verbal-Angriff nicht als Psychospielchen verstanden wissen nach dem Motto: Jetzt hole ich die Jungs vor dem Bayern-Spiel mal zurück auf den Teppich. „Das ist mein voller Ernst. Ich will auch mal ab der 70. Minute mit meinem Nebenmann über etwas anderes reden als über Fußball. Und wir machen eine so schlechte Mannschaft wie Karlsruhe wieder stark.”

Thomas Stehle zeigte „schon Verständnis, wenn Erik Meijer seine Kritik anbringt. Aber wenn er das Gefühl hatte, dass einige schon beim Bayern-Spiel waren, dann kann ich nur sagen: Dieses Gefühl hatte ich auf dem Platz nicht.” Am Tag nach der Generalprobe für das Pokal-Viertelfinale verwies Peter Hyballa darauf, dass „die Trikots mehr schwarz als gelb waren. Aber letztlich ist Erik Meijer auch der Boss - er kann immer sagen, was er möchte.” Man habe „keinen Trainer-Manager-Zwist”, auch wenn Hyballa nicht weiß, „ob es weiterhilft, solche Boulevard-Sprüche rauszuhauen”. Andererseits: „Wenn wir die Bayern schlagen, hat es vielleicht doch was gebracht...”
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