Meier und das internationale Geschäft

Von: Wilhelm Peters
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Fühlt sich „jung und stark genug, mit dem FC noch etwas zu erreichen”: Kölns Manager Michael Meier wird am morgigen Sonntag 60 Jahre alt. Foto: imago/Team 2

Köln. Michael Meier: 29 Jahre ist er im Fußball-Geschäft tätig. Inzwischen, seit Dezember 2005, nach den Stationen 1. FC Köln, Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund ist Michael Meier wieder dorthin zurückgekehrt, wo sein Weg in diesem Geschäft 1981 begann.

Als Geschäftsführer lenkt er an entscheidender Stelle die sportlichen Geschicke 1. FC Köln. Am Sonntag, 14. November, wird Meier 60 Jahre alt. Anlass, den Manager zu befragen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Hier einige Ansichten, Einsichten, Aussichten.

Michael Meier über...

... seine Geburtagsfeier: „Die habe ich aus gegebenem Anlass abgesagt. Ich kann und will kein Fest feiern, wenn zeitgleich in Hannover eine Trauerfeier für Robert Enke stattfindet.

... seinen Heimatverein Grün-Schwarz Cappenberg, in dem er nach wie vor Mitglied ist: Dort habe ich Fußball in seiner urigsten Form erlebt und als Student in der Kreisliga gespielt. Eine tolle, gemischte Mannschaft war das - vom Studenten bis zum Hilfarbeiter. Meine erste Liebe sozusagen. Ich habe sogar einmal eine Diplomprüfung wegen eines Spiels unterbroche.

... seine Geburtsstadt Lünen: Die längste Zeit meines Lebens habe ich im Rheinland verbracht. Vom Naturell her bleibt der Westfale aber Westfale. Ich bin eher konservativ.

... sein Elternhaus: Fußend auf gewissen Werten, bin ich sehr konservativ und katholisch erzogen. Mein Vater war nach dem Zweiten Weltkrieg Mitbegründer der CDU. Konrad Adenauer hat sogar einmal bei uns zu Hause in Lünen übernachtet.

... Schulzeit und Abitur 1970 am Collegium Josefinum in Bonn: Ich war kein Überflieger, habe ein normales Abitur hingelegt.

... den ersten Fußball-„Job” 1981 bis 1987 als geschäftsführendes Vorstandsmitglied beim 1. FC Köln: Nach dem VWL-Studium in Bonn und dem BWL-Studium in Köln mit Abschluss Diplom-Kaufmann, wollte ich nach fünf Jahren raus aus der Wirtschaftsprüfer- und Steuerberatungs-Arbeit, wollte etwas „Lebendiges” machen, etwas gestalten. Damals hat mir der 1. FC Köln diese Chance gegeben. Der FC war einer der führenden Klubs in Deutschland, kaufmännisch aber nicht einfach zu führen. Es war die Chance, beruflich eine Südseeinsel anzusteuern. Das habe ich nie vergessen, zum 1. FC Köln immer eine emotionale Bindung behalten. Ich nenne es mal „eine platonische Liebe”. Littbarski, Woodcock, Allofs oder Schumacher spielten hier. Ich musste mir erst einen Namen machen. Nach gut einem Jahr kam Ton Schumacher in mein Büro und fragte: Welche Funktion haben Sie eigentlich hier?

... die Zeit anschließend als Fußball-Chef von Bayer Leverkusen 1987-89 mit dem Höhepunkt Uefa-Cup-Sieg 1988: Den Begriff „Plastikverein” hatte ich damals vorher geprägt. Es war ein konzernmäßig strukturiertes Gebilde, das ich nicht gewohnt war. Mit Reiner Calmund kehrte ein ganz anderes Klima ein. Bayer Leverkusen war plötzlich ein richtiger Verein.

... die gut 15 Jahre bei Borussia Dortmund mit persönlichen Höhen und Tiefen: Höhen waren sicher drei Meistertitel, fünf A-Jugend, drei B-Jugend-Meisterschaften, Champions-League- und Weltpokalsieg 1997, zwei Finals im Uefa-Cup - sportlich eine hochinteressante Geschichte. Dann Stadionbau und Börsengang - der Klub ist Wege gegangen, die innovativ waren. Der Stadionbau in Eigenregie und gleichzeitig eine Mannschaft aufzubauen mit internationalem Format war schwer miteinander zu vereinbaren.

Ich bin ja öffentlich abgestraft worden. Den sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg in der Balance zu halten, ist immer ein sehr hohes Risiko. Meine letzten zwei Jahre in Dortmund muss man nicht unbedingt haben, als Mensch bin ich aber gereift. Und: Es gibt niemanden, der damals auf einen Euro verzichten musste.

...seine Ziele mit dem 1. FC Köln: Ich habe mit diesem Klub noch etwas vor, fühle mich jung und stark genug, mit dem FC, für den FC und diese optimalen Fans noch etwas zu erreichen. Mit einer Prise Glück halte ich das internationale Geschäft (Anm.: über den DFB-Pokal) für möglich.

... Lukas Podolski: Es war uns allen klar, dass wir mit ihm alleine nicht komplett sind. Es ist schwer, mit einem begrenzten Budget Qualität einzukaufen wie etwa einen Podolski oder Maniche. Podolski ist ein Argument für die Zukunft, wenn wir neue Spieler holen. Wir sind in einer Übergangssaison.

... Verstärkungen in der Winterpause, etwa für das rechte Mittelfeld: Das ist nicht geplant. Wenn wegen einer sportlichen Schieflage Handlungsbedarf bestehen sollter, überlegen wir. Die Punkte sind entscheidend.

... die Erwartungen für die nächsten Spiele bis zur Winterpause: Wir müssen an die 20 Punkte kommen.

... das Geschäft Fußball und seine persönlichen Wünsche für die Zukunft: Man hat mit jungen Menschen zu tun, ansonsten ist mein Tätigkeitsbereich häufig undankbar, aber sehr faszinierend. Als Haifischbecken habe ich es nie empfunden und immer verucht, authentisch zu bleiben. Für die Zukunft wünsche ich mir und uns, dass wir alle gesund bleiben.
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